
Kandeler Rathaus
Foto: Pfalz-Express
Kandel – Wenn man bei der Kandeler Stadtspitze nach einem roten Faden für das vergangene Jahr fragt, dann fällt schnell ein Begriff: der städtische Haushalt.
Stadtbürgermeister Michael Gaudier (CDU) und seine drei Beigeordneten – Erster Beigeordneter Volker Merkel und die Beigeordneten Jürgen Bauer und Hans Hruschka – sehen darin eines der zentralsten Themen ihrer Amtszeit. Und eines betonen sie dabei besonders: Alles wird im Team gemacht.

Stadtbürgermeister Michael Gaudier.
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Die Zuständigkeiten seien im Stadtvorstand nicht nach parteipolitischer Nähe oder persönlichen Beziehungen vergeben wurden, sondern nach fachlicher Kompetenz, hieß es. „Wir wollten die Aufgaben nach Sachverstand verteilen“, bekräftige Gaudier. Jeder der drei Beigeordneten verantwortet einen eigenen Geschäftsbereich, trotzdem sei der Haushalt und auch alles andere immer eine Gemeinschaftsleistung gewesen. „Nur als Team haben wir das überhaupt stemmen können“, sagt Gaudier.
Sauber kalukuliert, sauber rausgekommen
Besonders wichtig war der Stadt dabei, auch sogenannte freiwillige Leistungen überzeugend zu begründen – etwa die 160.000 Euro für das Stadtjubiläum 875 Jahre Kandel. Die Kreisverwaltung habe dazu kritisch gefragt: Muss man in finanziell angespannten Zeiten überhaupt feiern?

Erster Beigeordneter Volker Merkel.
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„Wir konnten das betriebswirtschaftlich sauber herleiten“, erklärt der Erste Beigeordnete und Zahlenspezialist Volker Merkel. Denn durch Eintrittsgelder, Sponsoring und Spenden konnten die Ausgaben deutlich abgesenkt werden – für die Stadt verblieben am Ende nur rund 20.000 Euro an tatsächlichen Kosten.
Aus der Kreisverwaltung gab es für diese Vorgehensweise ausdrücklich Anerkennung: Zum ersten Mal habe man eine nachvollziehbare Prognose mit fundierten Berechnungen und schriftlicher Kalkulation erhalten – in dieser Form sei das bislang nicht üblich gewesen.
Doch nicht nur Zahlen, auch Perspektiven waren entscheidend. Gaudier: „Ein Haushalt geht nur durch, wenn man eine positive Zukunft aufzeigt und diese auch belegen kann.“ Das sei gelungen: Mit nachvollziehbaren Hochrechnungen, etwa zum Verkauf von Flächen, die bei späterer Weiterveräußerung Gewinne bringen könnten. Am 18. Juni wurde der Haushalt von der Kommunalaufsicht genehmigt.
Einen Haushalt durchzubringen, ist in Zeiten ultraknapper kommunaler Kassen keine leichte Übung. Umso mehr zeigt das Beispiel Kandel, wie wichtig klare Prioritäten und belastbare Planungen sind.
Endlich tut sich was: Stadt reagiert auf Schandfleck
Doch nicht nur der Haushalt mit all seinen Rechenwerken hat die Stadtspitze im vergangenen Jahr beschäftigt – auch für die Bürger ganz konkret sichtbare und lange kritisierte Missstände wurden angepackt. Ein Beispiel, das vielen Kandelern sofort einfallen dürfte: Das völlig heruntergekommene Grundstück an der Ecke Hauptstraße/Marktstraße am südlichen Innenstadt-Eingang, Schandfleck oder Dreck-Eck genannt.

Üble Ecke: Der Eigentümer hat das Grundstück jahrelang verrotten lassen.
Fotos: Pfalz-Express

Für viele war das Areal nicht nur ein Schandfleck, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Jetzt wird es endlich beseitigt, denn die Stadt hat das Grundstück gekauft. Schon im vergangenen Jahr hatte Stadtbürgermeister Gaudier mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Gespräche gesucht, um das Vorhaben über das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt“ zu realisieren, obwohl dieses eigentlich auf den Gebäudebestand abzielt. Der Ansatz: Statt ein neues Gebäude zu errichten, sollte durch Abriss und Platzgestaltung Geld gespart werden.
Die ADD stimmte dem Vorgehen zu – unter der Bedingung, dass die Stadt die Planung sauber vorbereitet. Denn: Nur für förderfähige, belastbare Konzepte gibt es Zuschüsse. Für die Neugestaltung des Areals können nun 80 Prozent der Kosten über das Programm abgedeckt werden. Das baufällige Gebäude wird abgerissen, die konkrete Platzgestaltung steht allerdings noch aus. Derzeit sind die Notartermine zum Erwerb des Grundstücks in Vorbereitung, anschließend werden die Planungen in die städtischen Gremien eingebracht.
Auch über die künftige Nutzung wird schon nachgedacht. Vorschläge wie „Platz der Demokratie“ oder „Tor zum Bienwald“ stehen zur Diskussion – entschieden ist aber noch nichts.
Bienwaldstadion: Ein langes Projekt vor dem Ziel
Auch beim Bienwaldstadion bewegt sich endlich etwas – nach Jahren, in denen sich der Umbau eher schleppend zog und viele Einschränkungen für die Kandeler Sportvereine bedeutete. Bereits 2019 wurde mit den Arbeiten begonnen, allerdings in ungewohnter Reihenfolge: Statt wie geplant im Inneren starteten die Arbeiten zunächst mit den Außenanlagen. Das Projekt zog sich über Jahre hin, was für die Vereine, die das Stadion nutzen, große Herausforderungen darstellte.

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Finanziell konnte das Projekt dennoch solide umgesetzt werden. Möglich machte das ein Zuschuss aus einem Bundesprogramm, den der Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart (CDU) nach Kandel geholt hatte – rund 2,8 Millionen Euro. Die Stadt steuerte weitere 1,4 Millionen Euro bei, womit die Gesamtsumme bei etwa 4,2 Millionen Euro liegt – und damit im ursprünglichen Kostentrahmen kalkuliert. Und das, obwohl die Baukosten in den letzten Jahren um rund 25 bis 30 Prozent gestiegen sind. Auch nachträgliche Anforderungen beim Brandschutz konnten ohne zusätzliche Kosten abgefedert werden.
Ein Grund dafür: Beigeordneter Jürgen Bauer ist zugleich Bausachverständiger und Fachmann für Brandschutz. Er begleitete das Projekt eng und konnte dadurch bauliche Mängel frühzeitig erkennen und verhindern. Ein weiteres Beispiel dafür, warum bei der Auswahl der Beigeordneten die fachliche Kompetenz im Mittelpunkt stand. Bauer, selbst Unternehmer, geht pragmatisch an die oft durch Vorschriften verursachten Hürden heran. „Im Ehrenamt gibt es keinen Mindestlohn – aber man kann es mit Expertise machen“, sagt er.

Beigeordneter Jürgen Bauer.
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Sein Engagement zeigte auch Wirkung beim sportlichen Highlight des Sommers: Die Süddeutschen Meisterschaften konnten im Bienwaldstadion ausgetragen werden – mit viel Improvisation und kurzfristigen Maßnahmen. Der Landesportbund zeigte sich so zufrieden, dass er überlegt, die Meisterschaften künftig dauerhaft in Kandel stattfinden zu lassen.
Bis Ende September soll nun alles fertig sein – realistisch sei eine Übergabe am 24. September. Eine Idee, die derzeit noch diskutiert wird: Eine große Leinwand hinter einem der Tore, voraussichtlich auf der westlichen Seite. Sie könnte künftig nicht nur für Zuschauerinformationen, sondern auch für die Vorstellung von Sponsoren oder Vereinsaktivitäten genutzt werden. Eine entsprechende Nutzungssatzung für das Stadion ist ebenfalls in Arbeit.
Fun Fact am Rande: Der Entwurf für das Bienwaldstadion stammt ursprünglich vom Olympiastadion Berlin und wurde identisch für Kandel übernommen.
Mobilität und Straßen: Neue Kreisel und mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer
In Kandel stehen natürlich zusätzliche Projekte im Bereich Mobilität und Straßenplanung an. So befindet sich der Kreisel im Stadtteil Minderslachen bei der Jet-Tankstelle derzeit in der Planungsphase. Ein zusätzlicher Straßenarm soll auch zum Sportplatz führen.
Ein weiterer Kreisel ist beim Obst- und Gemüsehof Zapf vorgesehen. Die Stadt hätte den Kreisel dort gerne schon vor rund zehn Jahren realisiert, musste das Vorhaben damals aber wegen der hohen Kosten aufschieben. Nun werden die Maßnahmenvom Landesbetrieb Mobilität (LBM) mit rund 500.000 Euro gefördert, was die Umsetzung erst möglich macht.
Das Mobilitätskonzept der Stadt umfasst zudem Verbesserungen bei der Wegeleitung und den Wegebeziehungen. So ist in der Bismarckstraße das Radfahren nun entgegen der Einbahnstraße erlaubt. Für die Nord-Süd-Verbindung (Nord-Süd-Südnord) und weitere Bereiche wird noch daran gearbeitet, die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer zu erhöhen. Dabei soll auch darauf geachtet werden, keine überflüssigen Vorschriften einzuführen.
Ein weiterer Punkt betrifft die Landauer Straße in Kandel: Im unteren Bereich ist der Gehweg wegen brüchiger Bepflasterung eine gefährliche Stolperfalle, die dringend saniert werden muss. Der Bauhof plant, die betroffenen Flächen zunächst einmal mit Asphalt statt mit dem üblichen Spalterpflaster zu versehen.
Bezahlbarer Wohnraum: Stadtspitze will schnell handeln
In Kandel ist der Wohnungsmarkt seit Jahren angespannt – viele Menschen finden keine bezahlbare Wohnung. Die Lage wird durch die jüngsten Entwicklungen zusätzlich verschärft: Neue Unternehmen siedeln sich an, die Asklepios-Klinik wächst, damit entstehen neue Arbeitsplätze. Mit der neuen Pflegeschule entsteht weiterer Bedarf an Wohnraum. Die Nachfrage – insbesondere im bezahlbaren Segment – ist ungebrochen hoch.
Um gegenzusteuern, plant die Stadt die zügige Erschließung des Baugebiets K7. Dort sollen unter anderem auch Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein entstehen.
Auch auf dem sogenannten „Just-Gelände“ gibt es Bewegung: Zwei Investoren stehen bereit, ein Konzept zur Wohnnutzung vorzulegen. Wie die Stadt das alles konkret umsetzen will, ist bereits konkret skizziert. Mehr dazu soll demnächst öffentlich gemacht werden.
Gesundheitsversorgung in Kandel: Neues Ärztehaus geplant
Auch im Bereich der medizinischen Versorgung bewegt sich in Kandel einiges. Die Initiative Südpfalzdocs, die sich seit Jahren für die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum engagiert, soll künftig auf neue Füße gestellt werden: Ein entsprechender Beschluss sieht die Gründung einer Gesellschaft vor – mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer. Bisher lief alles rein ehrenamtlich. Der neue Standort der Gesellschaft soll in Kandel sein.
Bürgermeister Gaudier hatte dazu Vorschläge eingebracht. Ziel ist es, Ärzte, Therapeuten und die Südpfalzdocs stärker zu vernetzen und gemeinsame Strukturen aufzubauen.
Parallel dazu ist ein neues Ärztehaus in der Robert-Koch-Straße geplant. Dort sollen Praxisräume entstehen sowie ein Gebäudekomplex für Mitarbeitende der Asklepios-Klinik, allerdings ausschließlich zur Miete. Das entspricht nicht den Vorstellungen aller Interessierten: Einige Ärztinnen und Ärzte möchten lieber langfristig investieren.
Für diesen Fall bietet die Stadt eine Alternative an: In Überlegung ist derzeit, ein Grundstück im Gewerbegebiet im Rahmen eines Erbbaurechts zu vergeben – ein Modell, das eine langfristige Bindung ermöglichen würde, ohne dass die Stadt das Eigentum am Boden aufgeben müsste. Interessenten gibt es bereits, ein Abschluss wird noch bis Ende des Jahres angestrebt.
Mehr Fairness beim Parken am Marktplatz in Kandel
Am Marktplatz in Kandel blockieren oft Dauerparker tagelang kostenlos Parkplätze – zur Last für Besucher und Kunden. Um für mehr Fairness zu sorgen und den Parkraum besser zugänglich zu machen, plant die Stadt die Einführung von Parkgebühren.

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Dauerparker sollen so daran gehindert werden, freie Plätze über längere Zeit zu belegen. Damit entstehen mehr Parkmöglichkeiten für Besucher und Kunden der Innenstadt.
Die Stadt ist zudem verpflichtet, die Parkplätze instand zu halten und regelmäßig zu reinigen. Die neuen, kostengünstigen Parkautomaten sollen schätzungsweise rund 60.000 Euro jährlich an Einnahmen bringen. An den Automaten wird eine „Brötchentaste“ installiert, die für kurze Besorgungen ein kostenloses Parken von 15 Minuten ermöglicht.
Zur Erleichterung des Parkens steht außerdem die Easy-Parking-App zur Verfügung. So soll sichergestellt werden, dass Kunden und Besucher künftig einfacher und fairer einen Parkplatz finden.

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Energieprojekte: Repowering, Speichertechnik und Wasserstoff
Im Bereich erneuerbarer Energien tut sich einiges in und um Kandel. Die Firma Juwi GmbH plant das sogenannte Repowering des Windparks bei Minfeld: Die rund 20 Jahre alten Anlagen sollen abgebaut und durch neue, leistungsstärkere ersetzt werden – nicht am identischen, sondern an neuen Standorten. Die Stromerzeugung soll damit von bisher sechs auf künftig zwölf Megawatt verdoppelt werden. Zusätzlich ist ein weiterer Windpark im Bereich Kandel-Höfen mit bis zu 60 Megawatt Leistung in Vorbereitung.

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Um die künftig wachsende Strommenge speichern und effizient nutzen zu können, gibt es Gespräche mit einem Hersteller großformatiger Energiespeicher. Die Stadt plant, ein etwa 6.600 Quadratmeter großes Grundstück im Gewerbegebiet Lauterburger Straße an das Unternehmen zu verkaufen. Dort könnten stationäre Großspeicher entstehen, die zur Netzstabilisierung beitragen und Versorgungssicherheit gewährleisten.
Im Zuge dieser Entwicklungen wird auch über neue Infrastruktur zur Nutzung des erzeugten Stroms nachgedacht. So gibt es Überlegungen, an geeigneten Standorten im Stadtgebiet Trafostationen mit entsprechender Technik zu errichten – etwa zur Versorgung von Elektrolastwagen. Hintergrund sind unter anderem die künftigen Anforderungen durch Hersteller wie Daimler Trucks.
Auch im Bereich Wasserstoff-Technologie gibt es erste Ansätze: Für eine mögliche Erzeugungsanlage – etwa zur Versorgung von Tankstellen oder für den gewerblichen Einsatz – stehen erste Interessenten bereit.
Kita-Ausbau ist auch Standortvorteil
Hans Hruschka, zweiter Beigeordneter der Stadt, betreut den Geschäftsbereich Jugend und Soziales. Die bisherigen Baumaßnahmen für zwei neue Kitas ergänzen den bestehenden Bestand. Das schafft eine gute Ausgangssituation für Eltern, Kinder und natürlich auch für die Mitarbeiter.

Beigeordneter Hans Hruschka
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Ein breites Betreuungsangebot, einschließlich eines Schülerhorts, stelle einen wichtigen Standortfaktor für Kandel dar, so der Stadtbürgermeister. Die Stimmung habe sich spürbar verbessert, das Image deutlich gewonnen.
Einer für alle, alle für Einen – und alle für Kandel
Zum Abschluss unterstrichen die vier Stadtoberen eindringlich: „Wir machen Politik für Kandel, keine parteipolitischen Sachen. Die Stadt steht über allem.“ Und: Man sei dankbar, mit einem „wirklich vernünftigen Stadtrat“ zusammenzuarbeiten, der diesen Kurs unterstütze. (cli)

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