Mittwoch 17.Juni 2026

Kandel räumt auf: Dem Schandfleck geht´s an den Kragen

11. Mai 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Foto: v. privat

Kandel – Es war lange der unrühmliche Empfang für alle, die Kandels Innenstadt von Süden betraten: das völlig verwahrloste Grundstück an der Ecke Hauptstraße/Marktstraße, im Volksmund „Dreck-Eck“ oder „Schandfleck“ genannt. Damit ist nun Schluss.

Bereits am 23. Oktober 2025 hatte die Stadt das heruntergekommene Areal offiziell erworben, doch bis die Bagger anrollen konnten, waren noch einige bürokratische Hürden zu nehmen. Am 11. Mai 2026 – also heute – war es dann soweit: Der Bauhof rückte mit schwerem Gerät an, um dem jahrzehntealten Schandfleck endlich den Garaus zu machen.

Vor Ort machte sich auch Stadtbürgermeister Michael Gaudier ein Bild von den Arbeiten. „Ich habe Schnapsflaschen gefunden“, berichtete er augenzwinkernd. Besonders angetan zeigte er sich offenbar von einem weiteren Fundstück: „Die Theke mit Zapfhahn sieht noch gut aus.“

Foto: v. privat

Und auch für die Zukunft des Materials erschloss sich direkt eine Idee: „Der Bauhof macht sich gerade einen Partyraum. Somit können wir auf den Neubau verzichten.“

Doch damit nicht genug: Offenbar brachte das „Dreck-Eck“ sogar einen kleinen finanziellen Segen hervor. „Geld gefunden! Das ist noch keinem Kandeler Bürgermeister gelungen“, so Gaudier. Die Ausbeute: „1 Franc und mehrere Centimes!“ Für die städtischen Finanzen werde das allerdings kaum reichen.

Foto: v. privat

Wie es mit dem Areal weitergeht, wird sich bald zeigen. Am 21. Mai berät der zuständige Ausschuss über die Gestaltungspläne, am 28. Mai soll der Stadtrat beschließen. Vorgesehen ist ein ansprechender Platz mit Bäumen und Sitzmöglichkeiten, der das südliche Eingangstor zur Innenstadt endlich aufwertet.

Einen Namen hat die SPD bereits vorgeschlagen: „Platz der Demokratie“. Der Vorschlag hat allerdings schon jetzt für Kritik gesorgt, manchen ist er für das eher kleine Areal schlicht zu übertrieben.

Und wie es in Kandel eben so ist, blieb auch der Humor nicht außen vor: Während der Faschingszeit kursierten bereits alternative Ideen. Darunter auch der Vorschlag „Dummbabbler-Eck“. Ob damit tatsächlich der Stadtrat gemeint war, ließ Gaudier offen.

Während die Bagger nun Stück für Stück die Überreste des verwahrlosten Grundstücks beseitigen, dürfte bei vielen Passanten vor allem eines überwiegen: Erleichterung darüber, dass der lange diskutierte Schandfleck nun tatsächlich Geschichte wird.

Foto: v. privat

Das Grundstück hat eine tragische Geschichte. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 2003 brannte das damalige Wohn- und Geschäftshaus in der Hauptstraße nieder. Zwei junge griechische Gastarbeiter, Petros C. (22) und Stefanos C. (23), kamen dabei ums Leben. Sie erlagen einer Kohlenmonoxidvergiftung, bevor die Flammen sie erreichten. Das Feuer war gelegt worden. Der Täter, der in der Tatnacht nachweislich mit Mitgliedern der rechtsextremen Gruppe „Nationaler Widerstand Kandel“ unterwegs gewesen war, wurde 2008 zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Ein rassistisches Motiv wurde juristisch nie eindeutig festgestellt. Das Grundstück verfiel in den folgenden Jahrzehnten zusehends.

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