
Quelle: Bachstelz-Verlag
Soeben ist das vierte Heft der „Beiträge zur Trifelsgeschichte“ erschienen unter dem Titel „Die etwas andere Trifels-Geschichte. Aspekte einer Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Mittelalters“.
Der Autor und Ethnologe Helmut Seebach (Mainz/Annweiler) hat sich einer unkonventionellen kulturanthropologischen Methodik bedient und einen psycho-sozialen Schreibansatz gewählt.
So inszeniert er seine Darstellung in Form eines mittelalterlichen cultural clash: Der Leser wird mit der unterschiedlichen Lebens- und Geistessphäre der Mönche (Kloster Eußerthal), Ritter (Trifels) und Bauern (Queichhambach) vertraut gemacht und bekommt ein Grundverständnis mittelalterlichen Denkens und Handelns vermittelt, ohne das die Neuzeit nicht zu verstehen ist!
Die Leser erleben das interkulturelle Aufeinandertreffen der Klosterwelt mit der Ritterwelt anhand der Schilderung der Tätigkeit der Eußerthaler Zisterziensermönche in ihrem 1296 bestätigten Hüteramt der Reichskleinodien auf dem Trifels.
Ergänzt und erweitert wird das Bild vom Mittelalter durch die Beschreibung der Arbeit des Burgvogts, Ministeriale auf Trifels, seiner Funktion als Schlichter beim Queichhambacher Schöffengericht sowie als Vollstrecker der Blutgerichtsbarkeit, wie es im Weistum von 1382 niedergelegt ist.
Damit einher geht die Darstellung der grundlegenden mittelalterlichen bäuerlichen Fronhofwirtschaft. Innerhalb eines Radius von nur drei Kilometern öffnet sich ein Mikrokosmos eigener Prägung in der Südpfalz. In ihm zeigt sich die außergewöhnliche historische Verwobenheit des 1148 gegründeten Zisterzienserklosters Eußerthal mit der Burg Trifels und dem Fronhof in Queichhambach. Ein einmaliger Ansatz in der pfälzischen und deutschen Historiographie!
Die Reichskleinodien als Herrschaftszeichen, ebenso wie sichere Glaubensinhalte und liturgische Handlungen, unterlagen einer volkstümlichen Parodie durch die Inszenierung christlich motivierter Gegenwelten und begründeten eine mittelalterliche Lachkultur. Diese ideengeschichtliche Blaupause wurde zum Handlungsmuster für zahllose brauchtümliche Erscheinungen, die wir heute z.T. noch erleben und mit einem Blick zurück in die Vergangenheit verstehen können.
Ausgehend von einem Verzeichnis einer bedeutsamen Sammlung wertvoller Königsinsignien aus dem Mittelalter fächert Seebach anhand einzelner Objekte den Beginn der deutschen Kulturgeschichte auf, entfaltet einzelne Facetten und Aspekte in ihrer grundsätzlichen Bedeutsamkeit und weiteren Entwicklung bis heute.
Objektiver Ausgangspunkt ist das sogenannte Trifelsinventar aus dem Jahre 1246. Darin werden erstmals in der Geschichte die Insignien der deutschen Königs- und Kaiserwürde insgesamt aufgelistet. Dazu zählen beispielweise Krone, Zepter und Reichsschwert, aber auch eine weiße Unterhaube (Inful), ein Blasebalg, Schellen und ein Leinenhemd sind inventarisiert.
Unterhaube, Blasebalg, Schellen und Leinenhemd – scheinbar unbedeutendere profane Gegenstände, die in der umfangreichen wissenschaftlichen Literatur zu den Reichskleinodien bislang keine Beachtung fanden. Doch was war ihre Bedeutung und Funktion dereinst? Was sagen sie uns heute? Formelhaft ausgedrückt: Der Verfasser nimmt ein Stück Trifelsgeschichte als pars pro toto und Ausgangspunkt für die Darstellung bedeutsamer Aspekte einer deutschen Kulturgeschichte der faszinierenden Welt des Mittelalters in drei zentralen und im Grunde getrennten Lebensbereichen: Kloster, Burg, Dorf.
Lesezeichen:
Helmut Seebach. Die etwas andere Trifels-Geschichte. Aspekte einer Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Mittelalters. (Beiträge zur Trifelsgeschichte Heft 4). Bachstelz-Verlag Mainz 2026.
ISBN: 978-3-924115-51-7. 144 Seiten, 47 Abbildungen, kartoniert. Preis: 20 Euro.

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