
Stabsfeldwebel Jürgen Mießeler (Mitte), Militärseelsorger Matthias Orth und die stelllvertretende Vorsitzende der Wörther Tafel, Uschi Bisanz, mit Asylsuchenden aus Eritrea bei der Scheckübergabe.
Fotos: pfalz-express.de/Licht
Germersheim/Herxheim – Sie marschierten für die Bedürftigen und die Schutzsuchenden: Germersheimer Soldaten des Luftwaffenausbildungsbataillons begingen am 30. September eine Fußwallfahrt zur Kapelle der Schönstattbewegung in Herxheim.
Nach dem Morgenlob am Feldkreuz der Südpfalz-Kaserne startete der Marsch von Bellheim aus. Neun Asylsuchende aus Neupotz von der ehrenamtlichen Initiative von Betty Burk und dem ehemaligen Ortsbürgermeister Emil Heid waren dabei, allesamt aus Eritrea.
Die Männer sind vor dem lebenslangen Militärdienst in ihrem Land geflohen. Auch Vertreter der Wörther Tafel hatten sich mit auf den langen Fußmarsch gemacht.
Während der etwa elf Kilometer langen Wanderung kamen beide Gruppen in lebhafte Gespräche, berichtete Oberstabsfeldwebel Jürgen Mießeler, der Initiator der Wallfahrt.
Jeder habe mit Jedem gesprochen, es sei ein guter Austausch zustande gekommen. Lediglich zu Beginn hätten die Flüchtlinge etwas Angst vor den uniformierten Soldaten gehabt. Diese habe sich aber schnell gelegt.
Auf der Wiese vor der Herxheimer Kapelle hielt Militärseelsorger Matthias Orth einen Feldgottesdienst ab. Dazu gesellten sich noch drei weitere Flüchtlinge, die sich zufällig zum Sprachunterricht im Schönstatt-Gebäude befanden.
Orth nahm Bezug auf die Geschichte des barmherzigen Samariters, eine der bekanntesten Erzählungen im Neuen Testament. Sie wird im Lukasevangelium beschrieben und gilt als Appell zur tätigen Nächstenliebe. Es gelte zu helfen, nicht zu verurteilen, sagte Orth und sprach den ehrenamtlichen Helfern der Wörther Tafel – etwa hundert an der Zahl – seinen größten Respekt aus.
Die Tafel betreut und versorgt neben einheimischen Bedürftigen derzeit an die 400 Asylbegehrende zusätzlich.
Die Zahl der Flüchtlinge sei gewaltig, so Orth, der Bezug nahm auf die jüngste Rede von Bundespräsident Joachim Gauck. „Wir müssen natürlich aufpassen, dass wir uns nicht überfordern. Aber was wir tun können, das tun wir auch.“
Nach Gesang und Gebet gab Orth den Asylbewerbern mit auf den Weg: „Schaut, dass Ihr Euch gut vertragt – egal, wer vor Euch steht. Gebt den Friedensgruß weiter.“
Zum siebten Mal bereits veranstaltet die katholische Militärseelsorge die Wallfahrt. Für den guten Zweck, eine Spende an die Wörther Tafel, wurden in den letzten Wochen in jedem Kompaniegebäude der Südpfalz-Kaserne Spendenboxen aufgestellt. 300 Euro sind zusammengekommen, die Stabsfeldwebel Mießeler an Uschi Bisanz, der stellvertretenden Vorsitzenden der Wörther Tafel, übergeben konnte.
Man sei dankbar für jeden Cent, sagte Bisanz. Die Tafel habe mit Kosten für Miete, Wasser, Strom oder Material zu kämpfen, 35.000 Euro brauche man pro Jahr. Der Obolus von zwei Euro pro Woche für einen Einkauf sei eher symbolisch und solle das Selbstwertgefühl der Bedürftigen und Flüchtlinge schonen. Es decke aber bei weitem nicht die Ausgaben.
Betty Burk ist derweil auf der Suche nach CD-Playern. „Ihre“ Flüchtlinge haben Sprachlernmaterial von einem Verlag bekommen, das auch CDs beinhaltet. Nur abspielen können die Lernwilligen die Tonträger nicht – es sind keine Geräte mehr vorhanden.
Mießeler und Orth dankten Ordensschwester Charissa von der Schönstattbewegung für die Nutzung der Wiese und die Bereitstellung der Bänke. Die Schwestern kümmern sich ebenfalls um Flüchtlinge, geben Sprachunterricht und veranstalten kleine Events, um Untätigkeit und Langeweile vorzubeugen.
Die Kreuze für die Wallfahrt hatte Schreiner Jürgen Degen von der Kurpfalz-Kaserne in Speyer angefertigt. (cli)

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