Samstag, 29. Februar 2020

Germersheim: Kreis und Kaserne bereit für Wuhan-Rückkehrer [mit Video]

1. Februar 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Standen Rede und Antwort: V.li: Landrat Dr. Fritz Brechtel, Kommandeur Oberstleutnant Peter Eckert, Gesundheitsministerin RLP Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart und Michael Sieland (DRK Berlin Bundesverband Berlin).
Fotos und Video: Pfalz-Express/Licht

Germersheim – Die „Operation Lotos“, die wegen der Coronavirus-Epedemie deutsche Staatsbürger und ihre Angehörigen aus der chinesischen Provinz Hubei ausfliegt, hat am Freitag begonnen.

Die Luftwaffe fliegt 128 Menschen, darunter rund zwei Dutzend Kinder, aus. Davon sind 102 deutsche Staatsbürger, die weiteren Personen sind Familienmitglieder mit anderen Staatsangehörigkeiten.

Sie alle werden für zwei Wochen in der Südpfalz-Kaserne in Germersheim untergebracht. Die Ankunft verzögert sich indes, weil Moskau dem dem deutschen Luftwaffenflieger A310 „Kurt Schumacher“ die Landeerlaubnis verweigert hat. Für den Tankstopp und den Austausch der Piloten muss die Maschine nun nach Helsinki fliegen.

Gut vorbereitet

In der Kaserne ist man gerüstet für die Ankommenden. Man habe sich innerhalb der letzten 48 Stunden intensiv auf die Ankunft der Menschen vorbereitet, sagte der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, Oberstleutnant Peter Eckert, bei einer Pressekonferenz am Samstagmorgen.

Daran teil nahmen auch Landrat Dr. Fritz Brechtel, die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), der CDU-Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Dr. Thomas Gebhart, und Michael Siemann von Generalsekretariat des Roten Kreuzes in Berlin.

Nur Personen ohne Krankheitsmerkmale

Nach Germersheim kommen nur Personen, die keine Krankheitssymptome aufweisen, sagte Gebhart. Die Unterbringung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Zudem sei das Virus sei nicht so aggressiv wie zuerst angenommen, dennoch müsse eine Ausbreitung verhindert werden. Die Kosten für die Unterbringung übernimmt der Bund. Die Passagiere müssen den Flug allerdings selbst bezahlen nach dem üblichen Economy-Tarif.

Auch Bätzing-Lichtenthäler erklärte, die Passagiere seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht krank oder infiziert. Man wolle die Menschen willkommen heißen, denn sie hätten bereits einiges mitgemacht. China gehe nicht so zimperlich mit ihnen um. Sollte wider Erwarten doch jemand in der Quarantänezeit erkranken, stünden zwei Fachkrankenhäuser in Ludwigshafen bereit. Für die restlichen Bewohner würde dann allerdings die Quarantänezeit wieder von vorne beginnen.

Freiwillig mit in die Quarantäne gehen 27 ehrenamtliche Mitarbeiter des DRK. Im Außenbereich stehen nochmals zehn DRKler zur Verfügung.

Rote Zone

Die Rückkehrer werden im Gebäude Nr. 4 untergebracht, das – bis auf einige Kleinigkeiten – 2018 fertiggestellt wurde und derzeit noch nicht von Soldaten belegt ist. Die Stuben haben einen Kühlschrank, einen Fernseher, W-LAN, Toilette und Dusche.

Die Menschen dürfen sich auch in einem von der restlichen Kaserne abgesperrten Bereich im Freien aufhalten, der sogenannten „Roten Zone“. Ein Sichtschutz sorgt dafür, dass von außen keine neugierigen Blicke hinein dringen.

„Menschen, keine Zombies“

„Es sind Menschen, keine Zombies“ betonte Kommandeur Eckert gegenüber dem Pfalz-Express. „Sie sind hier willkommen, wir werden uns gut um sie kümmern.“ Auch „Herzlich Willkommen“-Plakate wurden aufgehängt. Alle Vorbereitungen wurden in den letzten 48 Stunden durchgezogen (inklusive der Beschaffung von Spielzeug für die Kinder) – eine beachtliche Leistung der Führung, Soldaten und aller Beteiligten.

Das lobte auch Michael Sieland vom DRK: Selten habe er eine so reibungslose Kooperation mit sämtliche Behörden erlebt wie in diesem Fall – der ja in Deutschland Neuland ist.

Keine Gefährdung für die Bevölkerung

Landrat Dr. Fritz Brechtel sagte, die Kreisverwaltung habe nach § 30 Infektionsschutzgesetz Quarantäne angeordnet. Auch er betonte, dass es gesunde Personen seien, die nach Germersheim kämen und dort zu ihrem eigenen und zum Schutz der Bevölkerung untergebracht würden.

Von der Quarantänestation gehe nach jetzigem Kenntnisstand keinerlei Gefährdung aus. Man hoffe, dass man nach 14 Tagen endgültige Sicherheit habe und keine Person infektionsgefährdet sei. Die meisten Germersheimer hätten Verständnis für die Maßnahme, so Brechtel, der den Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz dankte.

Amtsarzt Dr. Christian Jestrabek zerstreute auch Bedenken wegen möglicher Übertragungen durch Tiere. Das Risiko sei absolut vernachlässigbar, sagte er. (cli)

 

 

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