
Großes Interesse gab es für die Wiesenbewässerung am Ottersheimer Teilungswehr.
Foto: Pfalz-Express/Ahme
Ottersheim. Am 30. April wurde im Rahmen der Wiesenbewässerung das historische Ottersheimer Teilungswehr gestaut.
Dazu luden die Gemeinde Ottersheim und die Interessengemeinschaft Queichwiesen zu einer Feierstunde ein.
Unter den vielen interessierten Besuchern waren auch Staatssekretär Andy Becht, die beiden Landräte Seefeldt und Brechtel sowie Bürgermeister der umliegenden Gemeinden.
Anlass für diese Feier ist nicht nur die Tatsache, dass in diesem Jahr das Ottersheimer Teilungswehr seit 250 Jahren seine Funktion erfüllt, sondern auch die vor Kurzem eingereichte multinationale Bewerbung bei der UNESCO.

Foto: Pfalz-Express/Ahme
Die Stauung des Teilungswehres wurde von Grußworten und Kurzvorträgen umrahmt: Geschichte des Teilungswehres (Hermann-Josef Schwab); Wiesenbewässerung – Immaterielles Kulturerbe (Pirmin Hilsendegen- Koordinator der Interessengemeinschaft Queichwiesen) und Flora und Fauna der Wässerwiesen an der Queich (Dr. Peter Keller).
Am 1. Mai gibt es inmitten gestauter Wiesen und vermutlich zahlreicher Störche für Besucher Informationen am Teilungswehr.
Hintergrundinformationen:
Zum Ottersheimer Teilungswehr:
Es wurde 1772 als „neu errichtetes Herrschaftliches Währ“ erstmals genannt. Von Vorläuferbauwerken an der gleichen Stelle ist auszugehen. Das Bauwerk aus massiven Sandsteinen ist nach wie vor voll funktionsfähig bei der Wiesenbewässerung.
Dazu wird das Wasser der Queich an dieser Stelle aufgestaut und fließt im Laufe der Nacht und der folgenden Tage in die Wiesen.
Gleichzeitig teilt das Wehr die Queich in zwei Arme: Queich und Spiegelbach.
Zum Bewerbungsverfahren bei der UNESCO:
Am 30. März 2022 wurde der Antrag der “Traditionellen Bewässerung in Europa: Wissen, Technik und Organisation“ bei der UNESCO zur Aufnahme in die „Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ gestellt. Österreich hat den Antrag gemeinsam mit Belgien, Deutschland, Italien, Luxemburg, Niederlande und Schweiz vorbereitet. Die UNESCO wird die Kandidatur in einem mehrmonatigen Verfahren evaluieren. Ein Ergebnis über die Aufnahme liegt voraussichtlich im Dezember 2023 vor.
Die Traditionelle Bewässerung erfordert ein ausgeklügeltes System von Stauwehren, Schließen, Be- und Entwässerungsgräben. So können allein mit Hilfe der Schwerkraft unter Nutzung des natürlichen Gefälles die Felder und Wiesen mit Wasser versorgt werden.
Als Wiesenbewässerung war die Traditionelle Bewässerung bis Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Europa weit verbreitet, in den 1930er Jahren umfasste sie im Deutschen Reich noch rund 300.000 Hektar. Nur wenige davon sind übriggeblieben, und mit ihren knapp 400 Hektar stellen die Queichwiesen das größte zusammenhängende noch aktiv betriebene Wiesenbewässerungssystem in Deutschland dar.
Um den Erhalt und die Nutzung des Bewässerungssystems kümmert sich seit über 25 Jahren die Interessengemeinschaft Queichwiesen, ein Zusammenschluss von Landwirten, Naturschützern und sieben Kommunen entlang der Queich: Landau, Offenbach, Hochstadt, Ottersheim, Knittelsheim, Bellheim und Zeiskam.
Die Interessengemeinschaft bietet einen „Runden Tisch“, an dem Landwirte, Naturschützer und Vertreter der Kommunen gemeinsam an Lösungen zur Erhaltung der Wiesenlandschaft und zur Fortsetzung der Wiesenbewässerung arbeiten, zum Nutzen aller: Der bessere Ertrag und die höhere Futterqualität ermöglichen der Landwirtschaft eine rentable Bewirtschaftung.
Die Kommunen profitieren von dieser „Landschaftspflege durch Nutzung“ und die Bevölkerung genießt die attraktive Landschaft. Auch für den Naturschutz ist die Fortsetzung der Wiesenbewässerung unerlässlich für die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die auf die wechselfeuchten Verhältnisse angewiesen sind.
Die Wiesenbewässerung an der Queich und die Wiesenbewässerung in Franken stehen bereits im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Beim Immateriellen Kulturerbe stehen nicht Gegenstände und Bauwerke, sondern Wissen und Können und deren Weitergabe über Generationen im Vordergrund.
Die Aufnahme in die nationale Liste war Voraussetzung für die Bewerbung auf die weltweite Anerkennung bei der UNESCO. Die Vertreterinnen und Vertreter aus diesen beiden deutschen Projekten haben zusammen mit den Gruppierungen aus sechs weiteren europäischen Staaten in den letzten beiden Jahren den Antrag erarbeitet, der seit Ende März der UNESCO vorliegt.
Weitere Infos:
https://queichwiesen.de
https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/wiesenbewaesserung
https://www.bewaesserung.unibe.ch/
https://ich.unesco.org/en/lists
https://ich.unesco.org/en/procedure-of-inscription-00809
Offizielle Reden Bürgermeister Job und Landrat Dr. Brechtel
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