
Minister Wolf (Mitte) und Bürgermeister Wassyl (rechts) zeigten sich von der Wiesenbewässerung beeindruckt.
Foto: Christiane Hilsendegen
Offenbach. Minister Wolf zeigte sich beim Besuch in den Queichwiesen begeistert von der Wiesenbewässerung, die er live erleben konnte.
Obwohl gerade offiziell Wässertag in den Offenbacher Niederwiesen war, durfte aufgrund des Niedrigwasserstandes der Queich nur an diesem Vormittag und nur partiell bewässert werden.
Bei seinem Rundgang mit dem Offenbacher Wiesenwässerer Gerhard Dörr beeindruckte den Minister die ausgeklügelte Steuerbarkeit des Bewässerungssystems, was deutlich machte, welches Erfahrungswissen hinter dieser Jahrhunderte alten Kulturtechnik steckt.
Der Minister verwies in seiner Würdigung des „Immateriellen Kulturerbes Wiesenbewässerung in den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim“, so der offizielle Titel, auf die lange Geschichte dieser landwirtschaftlichen Kulturtechnik, die früher weit verbreitet war, heute aber infolge des landwirtschaftlichen Strukturwandels nur noch an wenigen Stellen in Deutschland praktiziert wird.
Dass in den Queichwiesen das größte zusammenhängende Wiesenbewässerungsgebiet in Deutschland noch aktiv betrieben wird, führte er einerseits auf die Anpassung der Wiesenbewässerung an heutige Erfordernisse zurück, andererseits auf die Erkenntnis, dass die Wiesenbewässerung nicht nur für den Heuertrag, sondern auch für die Biodiversität gut ist.
Er lobte die basisorientierte Organisationsstruktur der Interessengemeinschaft Queichwiesen als Erfolgsrezept für die Erhaltung dieses Immateriellen Kulturerbes und dankte den darin aktiven Landwirten, Naturschützern und Kommunen für ihr jahrelanges Engagement.
Die Entwicklung dieser Interessengemeinschaft und die wichtigsten Faktoren für die Reaktivierung der Wiesenbewässerung stellte Pirmin Hilsendegen vor und rückte als deren Sprecher einige Persönlichkeiten in den Vordergrund, von denen manche schon nicht mehr leben.
Er legte dar, dass Landwirte, Naturschützer und Kommunen an diesem „runden Tisch“ konstruktiv zusammenarbeiten und durchaus an einem Strang ziehen können, wenn es um die Erhaltung der Wässerwiesen geht.
Prof. Christian Leibundgut und Ingeborg Vonderstrass, die seit langem die Bewässerungsgebiete in Europa im Rahmen des internationalen Programms „Traditionelle Bewässerung – ein Kulturerbe Europas“ dokumentieren, stellten die Bedeutung der Queichwiesenbewässerung im gesamteuropäischen Kontext vor.
Das Ziel des Programmes ist zweistufig: zunächst sollen repräsentative Gebiete auf die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes gebracht werden. Für die Queichwiesen ist dies inzwischen gelungen und Voraussetzung für den zweiten Schritt: der gemeinsame Antrag zur Aufnahme auf die Repräsentative Liste der UNESCO.
Die Interessengemeinschaft Queichwiesen ist in dem internationalen Programmbeirat aktiv vertreten. Leibundgut sieht gute Chancen, dass auch dieser Antrag erfolgreich sein wird. Als Besonderheit stellen die Experten heraus, dass diese Kulturtechnik an der Queich nach wie vor im Dienst der Landwirtschaft betrieben und voll funktionsfähig gehalten wird.
Für die gastgebende Gemeinde Offenbach erinnerte Bürgermeister Wassyl daran, dass die Gemeinden einiges Geld für diese Unterhaltung in die Hand nehmen müssen.
Aber ohne die Unterstützung des Landes wären manche größeren Sanierungsmaßnahmen nicht möglich gewesen, wofür er dem Minister und den Vertretern aus der Politik dankte.
Er zeigte sich erfreut, dass alle an der Bewässerung beteiligten Gemeinden mit ihrer Bürgermeisterin und ihren Bürgermeistern, ihren Wiesenwässerern, Landwirten und Naturschutzvertretern, die in der Interessengemeinschaft Queichwiesen mit der Pflege dieses Kulturerbes befasst sind, seiner Einladung gefolgt waren.
Auch die Landräte Dr. Fritz Brechtel und Dietmar Seefeldt, der Beigeordnete der Stadt Landau Lukas Hartmann, die Landtagsabgeordneten Peter Lerch, Wolfgang Schwarz und Alexander Schweitzer sowie der Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler hatten es sich nicht nehmen lassen, an dieser idyllischen Feierstunde teilzunehmen.
Damit Besucher der Queichwiesen in Zukunft sehen können, dass der Reiz dieser Landschaft, in der sie sich bewegen, auf eine deutschlandweit einzigartige Kulturtechnik zurückgeht, wurde jeder an der Bewässerung beteiligten Gemeinde eine Informationstafel übergeben, jeweils zur Hälfte finanziert vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und dem Landschaftspflegeverband Südpfalz.
von Pirmin Hilsendegen, Sprecher der Interessengemeinschaft Queichwiesen

Minister Wolf durfte gemeinsam mit deren Vorsitzenden Axel Wassyl die erste installierte Tafel enthüllen.
Foto: Christiane Hilsendegen
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