
Foto: stadt bad dürkheim
Bad Dürkheim. „Der Wurstmarkt ist ein internationales Fest“, hatte Bürgermeister Christoph Glogger bereits bei der Begrüßung der diesjährigen Wurstmarkt-Ehrengäste im Festzelt betont.
Und so ist es kein Wunder, dass seit vielen Jahren auch die Partnerstädte an der Eröffnung teilnehmen und sich am ersten Wurstmarktsamstag zum Austausch treffen. In diesem Jahr war eine Delegation aus Kluczbork bereits Anfang der Woche zu Gesprächen mit der Stadtverwaltung angereist. Die englische Partnerstadt Wells kam mit einer Delegation zur Eröffnung und die beiden deutschen Partnerstädte Kempten und Bad Berka gehörten ebenfalls zu den Gästen am ersten Wurstmarktwochenende. Nicht vertreten war diesmal die französische Partnerstadt Paray-le-Monial.
Am Samstagvormittag stand zunächst eine Führung im Traditionsweingut Fitz-Ritter, der ältesten Sektkellerei in der Pfalz, auf dem Programm. Neben vielem Wissenwertem rund um die Wein- und Sektherstellung wurde den Gästen auch die Geschichte von Johannes Fitz, genannt der „Rote Fitz“ vorgestellt, der im Jahr 1832 als Mitorganisator des Hambacher Festes für Meinungs- und Pressefreiheit eingetreten war.
Anschließend traf man sich zum offiziellen Empfang im Kurpark-Hotel, wo die Delegationen gemeinsam das Mittagessen einnahmen.
„Herzlich Willkommen, es ist wunderbar, dass wir unsere europäischen Freundschaften hier auf dem Wurstmarkt pflegen und es ist wichtiger denn je!“ so der Bürgermeister zur Begrüßung. „Es ist großartig, dass so viele Freundschaften entstanden sind“, zeigte sich Glogger begeistert und fügte hinzu, dass diese Freundschaften schon fast zu selbstverständlich seien.
Die junge Generation habe heute das Gefühl, es gebe keine Grenzen in Europa. So sei es sehr schade, dass es immer wieder Menschen, Politiker und Parteien gebe, die die Idee von Europa zur Seite schieben und sich kleine Nationalstaaten wünschen. „Wir können die Globalisierung und die damit zusammenhängenden Entwicklungen nicht zurückdrehen. Es ist am besten, wenn wir ein gutes Miteinander pflegen“, rief er dazu auf, die Freundschaften auch in Zukunft weiter zu pflegen.
Sein Dank galt all jenen, die sich in den vergangenen Jahren für die Städtepartnerschaften eingesetzt hatten und den Partnerstädten für die schönen gemeinsamen Erlebnisse.
Der ehemalige Bürgermeister von Wells, John North, der in Vertretung des amtierenden Bürgermeisters mit einer kleinen Delegation gekommen war, stimmte Glogger zu und meinte: „Wir können viel voneinander lernen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir unsere Freundschaften pflegen und neue Verbindungen aufbauen.“
Wells und Bad Dürkheim seien seit 36 Jahren befreundet und es gebe viele Ähnlichkeiten zwischen den Städten. „Durch eine solche Partnerschaft werden Grenzen überwunden“, hob er hervor.
Oberbürgermeister Thomas Kiechle aus Kempten ging auf die Geschichte ein. Im Allgäu seien bereits im Jahr 1525 Freiheitsrechte formuliert worden. In der Pfalz sei es das Jahr 1832, in dem die Menschen für ihre Freiheit eintraten. Er habe in diesem Jahr auch Sopron besucht, wo vor 30 Jahren die Menschen den Weg in die Freiheit gefunden haben. Im Jahr 2019 könne man feststellen: „Es braucht Generationen, bis der Weg in Einheit und Freiheit gegangen ist.“
Heute könne man in Dankbarkeit zurück und in Zuversicht vorausblicken. Dabei solle man sich aber darüber bewusst sein, dass diese Errungenschaften zerbrechlich seien und in kürzester Zeit zunichtegemacht werden können, appellierte er an die Verantwortung der heutigen Generationen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Auch Michael Jahn, amtierender Bürgermeister aus der Partnerstadt Bad Berka, zeigte sich davon überzeugt, dass es nur gemeinsam gehe.
„Vor 30 Jahren haben wir eine friedliche Revolution erlebt, die das Europa, in dem wir leben, stark verändert hat“, erinnerte er an die Maueröffnung 1989. „Europa ist wichtig für uns alle und die Welt ist wichtig für uns alle. Wir müssen darum kämpfen, dass wir das geeinte Europa auch in Zukunft behalten“, lautete sein Appell, den gemeinsamen Weg weiter zu beschreiten.
Dariusz Morawiec, der zweite Beigeordnete von Kluczbork, der die polnische Delegation anführte, freute sich, dass so viel vom gemeinsamen Europa gesprochen worden sei. Es sei sehr wichtig, dass alle Menschen, unabhängig von der Politik, verstehen, was ein vereintes Europa bedeute.
Er bedankte sich für die wunderbaren Arbeitsgespräche, die man im Vorfeld des Wurstmarktes geführt habe. Aus seiner Sicht gebe es nur ein Wort, das seine Gefühle passend zum Ausdruck bringen, „Wahnsinn“ (positiv gemeint). „Ich hoffe sehr, dass wir diese gute Freundschaft fortsetzen können und dass es unserem gemeinsamen Europa immer besser geht“, so sein Wunsch.
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