Montag, 09. Dezember 2019

Explosion bei BASF: Stadtverwaltung weitet Vorsichtsmaßnahmen aus

18. Oktober 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Ludwigshafen, Regional, Rhein-Pfalz-Kreis
BASF Ludwigshafen. Foto: Pfalz-Express/Licht

BASF Ludwigshafen.
Foto: Pfalz-Express/Licht

Ludwigshafen – Nach der Explosion bei der BASF am Montag weitet die Stadt Ludwigshafen ihre Vorsichtsmaßnahmen aus.

Bürgern der Stadtteile Pfingstweide, Edigheim, Oppau und Friesenheim empfiehlt die Stadtverwaltung, längere Aufenthalte und Arbeiten im Freien zu vermeiden. Außerdem sollen Fenster und Türen weiterhin geschlossen bleiben.

Grund dafür ist, dass die Feuerwehr bei ihren kontinuierlichen Messungen erhöhte Werte verschiedener chemischer Substanzen gemessen hat. Aufgrund der sich momentan ständig verändernden Windrichtung hat sich die Stadtverwaltung entschieden, ihre Sicherheitshinweise auszuweiten.

„Der Schutz und die Gesundheit unserer Bürger stehen für uns an erster Stelle. Daher haben wir uns zu diesem vorbeugenden Schritt entschlossen“, sagte Beigeordneter und Feuerwehrdezernent Dieter Feid.

„Chemische Substanzen ausgetreten“

Bei der Explosion am Montag starben zwei Mitarbeiter der Werkfeuerwehr. Eine Person wird derzeit noch vermisst, Taucher suchen das Hafenbecken ab. Mehr als 20 Menschen wurden teilweise schwer verletzt.

An der Unglücksstelle im Landeshafen Nord kam es durch die beschädigten Leitungen zu einem Austritt mehrerer chemischer Substanzen. Zurzeit sind die an der Unglücksstelle liegenden Leitungsrohre mit einer dicken Schaumdecke abgedeckt.

Dadurch soll verhindert werden, dass weitere Stoffe austreten. In einem kommenden Schritt will die Feuerwehr sicherstellen, dass alle Leitungen geprüft werden und tatsächlich leer sind. Erst wenn dies erfolgt ist, kann Entwarnung gegeben werden, so Feuerwehrchef Peter Friedrich.

Parallel zu ihrem Einsatz vor Ort fährt die Feuerwehr mit Messwagen durch die nördlichen Stadtteile. Am Vorabend sowie am Vormittag kam es immer wieder zu schwallartigen und intensiven Geruchsbelästigungen in den nördlichen Stadtteilen.

Ermittlungen aufgenommen

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal und die Kriminalpolizei Ludwigshafen haben Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wird ein Gutachter hinzugezogen.

Nach derzeitigem Stand starben bei dem Feuer zwei Menschen. 27  Personen wurden verletzt, darunter neun schwer. Nach einem Vermissten wird derzeit noch gesucht. Bei dem Großeinsatz waren gestern auch rund  280 Polizeibeamte im Einsatz.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt heute zudem auf der Koordination des Schwerverkehrs, der während der Löscharbeiten nicht auf das Betriebsgelände fahren konnte.

LKW-Fahrer evakuiert

Aus dem Umfeld wurden am gestrigen Montag 133 LKW-Fahrer evakuiert. Sie wurden zunächst im Bürgerhaus Oppau untergebracht. Da die Männer am Abend nicht zurück zu ihren Fahrzeugen konnten, wurden 61 Menschen in der Integrierten Gesamtschule Edigheim untergebracht und verpflegt.

„Mein Dank gilt allen Mitarbeitern der Feuerwehren, der Polizei und der vielen Hilfsdienste, die seit gestern teilweise pausenlos im Einsatz sind. Ludwigshafen hat ein starkes Sicherheitsnetz, auf das wir stolz sein können“, betonte Feid.

OB Lohse „erschüttert“

Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, die zur Zeit als Präsidentin des Deutschen Städtetags an der Weltsiedlungskonferenz der Vereinten Nationen in Quito (Ecuador) teilnimmt, ist gestern unmittelbar nach der Explosion telefonisch informiert worden. Sie wird seitdem ständig von Feid auf dem Laufenden gehalten.

In einer ersten Reaktion zeigte sie sich erschüttert über den Vorfall: „Ich bin mit meinen Gedanken bei den toten Feuerwehrmännern und ihren Familien, aber auch bei den Vermissten und Verletzten. Das schreckliche Ereignis betrifft nicht nur die BASF, sondern es betrifft die ganze Stadt. Wir leben eng nebeneinander, wir leben miteinander, wir leiden und trauern miteinander.“

Die Aufklärung der Unglücksursache sei jetzt Aufgabe von Staatsanwaltschaft und Polizei: „Wir müssen wissen, was da genau passiert ist und warum es passiert ist. Viele Menschen sind verunsichert, auch weil sie den Eindruck haben, dass sich Störfälle bei der BASF in jüngster Zeit häufen. Wir müssen deswegen auch über die Aufklärung des aktuellen Vorfalls hinaus überlegen, wie wir die Kommunikation verbessern.“

OB Lohse möchte zeitnah gemeinsam mit der BASF ein Bürgerforum zum Thema Gefahrenquellen und Sicherheitsvorkehrungen auf dem Werksgelände und im Umfeld abhalten.

Die Oberbürgermeisterin hat für alle öffentlichen Gebäude der Stadt Trauerbeflaggung angeordnet. Im Rathaus und im Rathaus Oppau liegen ab 14 Uhr Kondolenzbücher auf.

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