Donnerstag, 21. Oktober 2021

Ein besonderer Baustein der Erinnerungskultur in Landau: Schüler übernehmen Pflegepatenschaften für Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof

28. Mai 2019 | Kategorie: Allgemein, Landau

Schüler des Max-Slevogt-Gymnasiums, des Otto-Hahn-Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule pflegen künftig die Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Landau.
Foto: ld

Landau. Dieses außergewöhnliche Engagement verdient großen Respekt: Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums, des Max-Slevogt-Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule übernehmen ab sofort die Pflege von Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof in Landau.

Die Initiative zur Aktion kam von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz mit ihrem Beauftragten für die jüdischen Friedhöfe, Eberhard Dittus. Auf dem Friedhof, der Teil des Landauer Hauptfriedhofs ist und rund 825 jüdische Grabstätten beheimatet, fiel jetzt der offizielle Startschuss für die Pflegepatenschaften. Mit dabei waren neben den Schülern und Initiator Dittus auch Bürgermeister und Schuldezernent Dr. Maximilian Ingenthron, Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdiretkion in Trier und die Schulleiter Andreas Doll (OHG), Jochen Flohn (MSG) und Ralf Haug (IGS).

„Wir sind froh und dankbar, dass wir in Landau eine lebendige Erinnerungskultur haben. Um das Gedenken an die reiche Geschichte des Judentums über Jahrhunderte in Landau wach zu halten, aber vor allem auch, um an die rund 600 Landauer Juden, die im Nationalsozialismus verfolgt, gedemütigt, vertrieben, eingekerkert und ermordet wurden, zu erinnern, ist diese Initiative so wichtig“, sagt Bürgermeister Dr. Ingenthron.

„Das Engagement der Schüler von gleich drei Landauer Schulen fügt dieser wichtigen Arbeit einen weiteren, bedeutenden Baustein hinzu und ich freue mich, dass sich so viele Jugendliche bereit erklärt haben, die Pflegepatenschaften für die Grabsteine auf unserem Jüdischen Friedhof zu übernehmen.“ Alle drei Schulen seien auch „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ und setzten mit der Übernahme der Pflegepatenschaften nun ein weiteres starkes Zeichen für Toleranz, Mitmenschlichkeit und Solidarität, betont der Schuldezernent, der als Ordnungsdezernent auch für die Friedhöfe in Landau zuständig ist.

Der Jüdische Friedhof in Landau wurde 1845/46 auf Initiative des damaligen Rabbiners Elias Grünebaum angelegt. Bis 1990 wurden hier Menschen jüdischen Glaubens bestattet. Grünebaum war auch der Initiator und die treibende Kraft beim Bau der Landauer Synagoge, die der Reichspogromnacht 1938 zum Opfer fiel. „Der Ausgangspunkt der Pflegepatenschaften, die die Schüler jetzt übernehmen, ist unserer deutschen Geschichte geschuldet, in deren Folge heute fast keine Angehörigen der einst so bedeutenden jüdischen Bevölkerung mehr in unserem Land leben“, erläutert Dr. Ingenthron.

Aus diesem Grund könnten die Gräber auf vielen jüdischen Friedhöfen nicht mehr ordnungsgemäß gepflegt werden. „Bei den Pflegepatenschaften geht es aber nicht in erster Linie um die eigentliche Friedhofspflege, sondern darum, den Jugendlichen die jüdische Kultur und Geschichte näherzubringen“, so Landaus Bürgermeister. Zu diesem Zweck beschäftigen sich die  Schüler im Unterricht u.a. mit den Biografien der verstorbenen Landauer Juden. „Die Gräber sind steinerne Zeugen der Vergangenheit. Dies wollen wir mit einer Gedenk- und Hinweistafel illustrieren, die in nächster Zeit gestaltet und auf dem Jüdischen Friedhof aufgestellt werden soll“, so Dr. Ingenthron.

Der Jüdische Friedhof in Landau befindet sich in Trägerschaft der Stadt und im Eigentum der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. Gemäß des jüdischen Glaubens haben die Verstorbenen, die auf dem Friedhof begraben sind, ewiges Ruherecht.

 

 

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14 Kommentare auf "Ein besonderer Baustein der Erinnerungskultur in Landau: Schüler übernehmen Pflegepatenschaften für Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof"

  1. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    ‚„Der Ausgangspunkt der Pflegepatenschaften, die die Schüler jetzt übernehmen, ist unserer deutschen Geschichte geschuldet, in deren Folge heute fast keine Angehörigen der einst so bedeutenden jüdischen Bevölkerung mehr in unserem Land leben“, erläutert Dr. Ingenthron.‘

    Laut den mir bekannten Zahlen haben die jüdischen Gemeinden in Deutschland Stand 2017 97.791 Miglieder. Es ist davon auszugehen, dass es darüber hinaus auch noch Juden ohne Gemeindezugehörigkeit gibt. 1933 gab es 500.000 Juden in Deutschland.

    Die Verfolgung der Juden zwischen 1933 und 1945 ist zu bedauern. Es ist jetzt aber nicht so, dass es heute kaum mehr Juden in Deutschland gibt. Etliche sind ünbrigens nach Progromen 1946 aus Polen nach Deutschland geflohen.

  2. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    Es ist viel mehr so, dass dank der unkontrollierten Einwanderung in großem Umfang Judenfeindlichkeit miteingewandert ist. Diese bewußt herbeigeführte, unkontrollierte Entwicklung wird darüf sorgen, dass die jüdische Bevölkerung über Auswanderung nachdenken wird – leider!

    „On ne peut pas […] tuer des millions de Juifs pour faire venir des millions de leurs pires ennemis après.“ – Karl Lagerfeld (1933 – 2019)

  3. RODACH WALTER sagt:

    Wie lange noch dürfen meist linke lehrer oder politiker unserer deutschen jugend noch ein schlechtes gewissen einreden für verbrechen die 2-4 Generationen zurück liegen

    • Tobi sagt:

      Die Schüler brachen kein schlechtes Gewissen haben, warum auch?
      Es geht darum, das Geschehene nicht vergessen zu lassen, mir stellt si h die Frage warum dir das Vergessen des Holocaust wichtig ist, schlechtes Gewissen oder verdrängen des Geschehens um endlich mal wieder gegen den Juden hetzen zu können?

  4. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „… mir stellt si h die Frage warum dir das Vergessen des Holocaust wichtig ist …“

    Es dürfte kein historisches Ereignis geben, an dass so breit erinnert wird, wie die Judenverfolgung während des zweiten Weltkriegs. Über Generationen hinweg dürfte ein Vergessen auszuschließen sein. Die Frage ist vielmehr, warum man diese Ergeignisse nach 74 Jahre nicht in einem mittlerweile historischen Kontext sehen will, sondern es als das Menschheitsverbrechen schlechthin schildert, für das alle Deutsche ob lebendig oder tot Verantwortung tragen.

    Und genau hierin liegt der zentrale Widerspruch dieser Erinnerungskultur: Es handelt sich um eine negative Zuschreibung gegenüber allen Deutschen. Etwas, das von den Erinnerern selbst in jedem anderen Fall empört als „Rassismus“ bezeichnet würde …

    • Tobi sagt:

      Vielleicht weil das Thema wieder sehr aktuell ist?

      Warum kommt Kritik am Gedenken eigentlich von rechts?

    • R.F. sagt:

      Richtig, man muss dieses Menschheitsverbrechen in seinem historischen Kontext sehen:

      Es konnte geschehen, weil es Menschen gab, die meintsen, sie wären besser als andere, die meinten sie wäen die Herrenrasse und Menschen, deren Kultur und Religion sie nicht verstanden, seien minderwertig.

      Dieses Menscheitsverbrechen konnte geschehen, weil einer glaubte, er müsse alles artfremde ausrotten.

      Dieses Menschheitsverbrechen konnte geschehen, weil Menschen glaubten, Menschen einer anderen Religion wollten die Weltherrschaft an sich reißen.

      Deshalb muss man heute immer wieder daran erinnern, damit Menschen aus anderen Kulturen nicht pauschal verurteilt werden, damit Menschen anderer Religion in Deutschland leben und die Kopfbedeckungen tragen können, die sie wollen.

      • Steuerzahler sagt:

        @R.F. Halbwissen ist nicht Wissen. Genau das ist das Leiden unserer Zeit. Und Leute wie Sie geben es noch in Kommentaren zum Besten, bravo. Wie sagte mal ein RLP-Ministerpräsident: „Wenn man keine Ahnung hat ….“

  5. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „Vielleicht weil das Thema wieder sehr aktuell ist?“

    Ja, vielleicht. Juden sind in Westeuropa wieder nicht mehr sicher und wandern nach Israel aus.
    Das hat Frau Merkel geschafft!

    Abseits der Prolemik sollten sie sich mal ganzheitlich mit der Geschichte beschäftigen. Mit Entwicklungen die ihnen nicht in den Geschichts-Shows von Guido Knopp und den Hobby-Historikern der Rheinpfalz Lokalredaktion präsentiert werden …

    • R.F. sagt:

      „Abseits der Prolemik sollten sie sich mal ganzheitlich mit der Geschichte beschäftigen. Mit Entwicklungen die ihnen nicht in den Geschichts-Shows von Guido Knopp und den Hobby-Historikern der Rheinpfalz Lokalredaktion präsentiert werden …“

      Wie nett. Sie stellen andere Meinungen einfach als Unwissenheit dar. Ist auch ein Diskussionsstil.

  6. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „Wie nett. Sie stellen andere Meinungen einfach als Unwissenheit dar. Ist auch ein Diskussionsstil.“

    Das sind keine „anderen Meinungen“, sondern das seit Jahrzehnten veröffentlichte nahezu alternativlose Geschichtsbild. Und dieses Geschichtsbild ist schwarz-weiß gezeichnet und kennt keine Grautöne.
    Wer Grautöne zeichnet wird exkommuniziert, so wie beispielsweise Ernts Nolte.

    Lesen Sie mal Finkelstein, Vonnegut, von Salomon etc. und sie werden feststellen, dass es durchaus Grautöne gibt. Hören sich den Originalmitschnitt von Adolf himself beim Geburtstag von Mannerheim an. Auch danach ist Hitler für mich ein Verbrecher, aber das Bild eines ausschließlich hasserfüllten Wahnsinnigen, erfüllt er hier ganz klar nicht. ORIGINALQUELLEN herzanziehen!

    • Tobi sagt:

      Also weil Hitler menschliche facetten gezeigt hat, soll nicht an die Millionen KZ Opfer erinnert werden?

    • tobi sagt:

      Es ist immer wieder putzig, wie Rechte einem, ihrer kruden Meinung nach, Linksextremisten beistehen.

  7. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    Ach ja, nicht zu vergessen die ehrwürdige Lea Rosh, der wir das seltsame Denkmsal in Berlin zu verdanken haben.

    „Es klingt fast wie ein Schildbürgerstreich, den das deutsche Bürgertum sich an diesem seinem blinden Fleck der Selbstwahrnehmung immer wieder spielt, wie ein Stoff für eine Komödie von Gogol, wenn diese ganzen leidigen Affären nicht so einen einmalig ernsten Hintergrund hätten, und es immer noch Überlebende gibt, die sich von derartigen Selbstinszenierungsversuchen nur peinlich berührt abwenden können.“

    Quelle: haolam.de

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