Donnerstag, 07. Juli 2022

Demokratiefest 1832: Eröffnung auf dem Marktplatz – nicht angemeldete Versammlungen werden zugelassen

28. Mai 2022 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional

Auf dem Marktplatz wurde heute das Demokratiefest eröffnet.
Fotos: Pfalz-Express

Neustadt. An diesem Wochenende (27. bis 29. Mai) veranstaltet die Stadt Neustadt anlässlich des 190. Jahrestages des Hambacher Festes erstmals ein Demokratiefest.

Unter dem Motto „Mut zur Freiheit“ gibt es viele Programmangebote in Neustadt und dem Hambacher Schloss. Am Samstag wurde auf dem Neustadter Marktplatz das Fest offiziell eröffnet.

OB Marc Weigel hatte Katharina Binz (stellvertretende Ministerpräsidentin RLP), Kurt Beck (Ministerpräsident a.D.) sowie den Oberbürgermeister der Neustadter Partnerstadt Wernigerode, Peter Gaffert eingeladen. Als musikalische Begleitung des Festaktes spielte der französische Akkordeonist Laurent Leroi, in Straßburg geboren, im Elsass aufgewachsen; musikalisch zwischen Musette und Chanson pendelnd.

OB Weigel, Peter Gaffert, Kurt Beck und Katharina Binz auf der Bühne am Vormittag (v.l.).
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Ehrengäste auf der Bühne

Im Stadtrat habe man 2020 beschlossen, die Erinnerungskultur auf eine neue Stufe zu heben, erklärte OB Marc Weigel als erster Redner. Aktuell gerate die Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes „unter Beschuss“, vermutet er.

„Viele gibt es, die das Hambacher Fest für andere Zwecke umdeuten möchten“, so Weigel. Doch nicht nationalistische Bestrebungen lägen dem Hambacher Fest zugrunde, sondern man habe seinerzeit den Weg nach Europa gesucht und nicht auf individuelle Freiheit sondern Verantwortung und Solidarität gesetzt. Demokratie sei bunt und vielfältig. „Diesem Ideal wollen wir Raum geben“, so Weigel, der auch Gäste aus den Partnerstädten Macon und Mersin begrüßen konnte.

„Es ist dieses Fest eine wichtige Initiative der Stadt Neustadt“, so Katharina Binz. Es gelte das demokratische Erbe ins Heute zu übersetzen. Zur Demokratiebildung gehöre sicherlich auch ein gewisser Widerstand und Protest, aber auf der Basis von Grundgesetz, Landesverfassung und gemeinsamen Werten.

Ministerpräsident a.D. Kurt Beck
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Demokratie als Lebensform: „Wir wollen Demokratie für Alle und lassen uns auch nicht einschüchtern“, so Kurt Beck und nannte mit Belarus und Afghanistan auch Beispiele für Unfreiheit und Diktatur.

Wenn er auf Transparenten lese man sei auf dem Weg zu einer Diktatur, dann mache ihn das traurig und wütend, so OB Gaffert. Er habe die Diktatur in der ehemaligen DDR noch selbst erlebt, die mit den Transparenten nicht. „Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit, wurde immer gesagt“, so Gaffert und damit habe man alles durchsetzen können.

Auch Protest war am Rande der Veranstaltung sichtbar.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Verstärkte Polizeipräsenz

In der gesamten Innenstadt hatte sich Polizei positioniert, zumal ihr Hinweise auf nicht angemeldete Versammlungen vorlagen. Die Polizei hatte ein Einsatzkonzept vorbereitet um zusammen mit der Stadt Neustadt einen störungsfreien Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten.

Insgesamt nahmen rund 3000 Personen an Aufzügen von der Innenstadt in Richtung Hambacher Schloss teil. Im Sinne einer gelebten Demokratie habe die Versammlungsbehörde der Stadt Neustadt diese als Versammlung zugelassen, so die Polizei auf Nachfrage.

Das Demokratiefest und auch die Versammlung seien friedlich verlaufen. Die Stadt Neustadt und das Polizeipräsidium ziehen somit insgesamt eine positive Bilanz. Bis auf Beeinträchtigungen für den Straßenverkehr sei es zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen.

Foto: Pfalz-Express

Information der Stadt Neustadt

Die Stadt Neustadt an der Weinstraße teilt mit, dass das große Mitmach- und Bühnenprogramm in der Innenstadt bei bester und fröhlicher Stimmung den gesamten Samstag über sehr gut von den Besuchern angenommen wurde. Als einer der Höhepunkte spielte am Abend auf der Marktplatz-Bühne die Coverband Bombshells.

Am Sonntag um 11 Uhr startet hier wieder das Programm mit der Pianistin Zhana Minasyan, die Stücke von Chopin bis Debussy spielt.

Foto: Pfalz-Express

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