
Julian Ellenberger und Zoe Wingerter haben mit ihrem Tassen-Experiment den landessieg errungen.
Foto: Helmuth Biernoth
Kandel – Der 12-jährige Julian Ellenberger aus Freckenfeld (Klasse 6d) und die 11-jährige Zoe Wingerter aus Erlenbach (Klasse 6a) von der IGS Kandel hatten sich beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht Junior 2026“ in Bad Kreuznach im Februar für den Landesentscheid in Ingelheim qualifiziert. Dort überzeugten sie die Jury auch auf Landesebene mit ihrer außergewöhnlichen Forschungsarbeit und wurden schließlich mit dem Landessieg in Rheinland-Pfalz ausgezeichnet.
Die IGS Kandel hatte bisher bereits einige Erfolge im Wettbewerb „Jugend forscht“ in den Sparten Biologie, Chemie und Arbeitswelt vorzuweisen. Erstmals gelang nun jedoch ein Erfolg im Fach Physik – und gleich der Landessieg.
Vom Tassenexperiment zum Forschungsprojekt
Beide Schüler sind in der Talent-AG der IGS aktiv, in der unter Leitung des Didaktischen Koordinators Helmuth Biernoth verschiedene Experimente in den Naturwissenschaften durchgeführt werden. Dabei haben die beiden in der 6. Klasse eigentlich noch gar keinen Physikunterricht. Als ihnen jedoch ein bestimmtes Experiment erklärt wurde, war ihr Interesse sofort geweckt; es wurde zum Ausgangspunkt ihres Projekts.
„Eine Tasse wird über eine Schnur mit zwei Unterlegscheiben verbunden. Die Schnur wird über eine Stange gelegt und die Unterlegscheiben losgelassen. Dabei wickelt sich die Schnur um die Stange und die Tasse bleibt hängen, anstatt auf den Boden zu fallen“, stellten die beiden Schüler fest. „Jetzt wollten wir wissen, ob das auch mit einem Menschen möglich wäre und warum das überhaupt passiert“, erzählt Julian. „Das wäre doch auch für den Wettbewerb ,Jugend forscht‘ eine tolle Idee“, meinte dazu ihr Lehrer.
Julian und Zoe gingen dieser Frage nach und untersuchten in zahlreichen Versuchsreihen das optimale Gewichtsverhältnis auf beiden Seiten der Schnur, den besten Startwinkel, um möglichst viele Umwicklungen zu erreichen, sowie die ideale Startposition der Schnur, um Zusammenstöße zu vermeiden und dennoch genügend Wicklungen zu erzeugen.
„Nach sehr vielen Versuchsreihen haben wir unser Ziel erreicht. Allerdings konnten wir noch keinen sicheren Versuchsaufbau für Menschen garantieren, sodass wir mit einem Boxsack arbeiteten, der zusammen mit Kleidung und Klettergeschirr unser Gewicht hatte“, erklären die beiden Schüler.
Experimente in sechs Metern Höhe
„So konnten sie ihre Hypothesen unter realitätsnahen Bedingungen an unserem Schulgebäude in sechs Metern Höhe testen und erfolgreich durchführen. Darüber hinaus gelang es ihnen, eine physikalische Erklärung für das beobachtete Phänomen zu formulieren und alles in einem Video festzuhalten. Ein entscheidender Faktor für ihren Erfolg im Wettbewerb“, freut sich Biernoth.
Das Video und ihre schriftlichen Ausarbeitungen überschrieben sie mit dem Titel „Das Tassenwunder“.
„Alle Bilder und Videos in unserer Arbeit wurden von uns selbst aufgenommen. Als wir für unsere Erklärung im Internet recherchierten, verstanden wir manche Formeln und Hinweise zu Gravitations-, Reibungs-, Zentrifugal- und Zentripetalkraft nicht. Bei einem KI-Chat baten wir mehrmals darum, uns das doch bitte einfacher zu erklären, da wir erst 11 Jahre alt seien – mit den Worten: ,Diese Erklärungen verstehen wir noch nicht‘“, berichten Julian und Zoe.
Lob der Jury und besondere Auszeichnung
In der schriftlichen Laudatio der Jury – allesamt Physiker – beim Regionalentscheid hieß es bereits, dass Zoe und Julian mit ihrer Begeisterung die Juroren angesteckt und mit einem einfachen Experiment die Neugier geweckt hätten.
Rückschläge wie gerissene Schnüre, Zusammenstöße und Fehlversuche hätten beide analysiert, ausgewertet und in das weitere Projekt einbezogen. „Zoe und Julian zeigen ein sehr intuitives Verständnis für die physikalischen Zusammenhänge und runden dies durch Internetrecherchen und KI-Abfragen ab.“
Auch die Landesjury bescheinigte den beiden einen überzeugenden Vortrag, eine Vielzahl sorgfältig und planmäßig durchgeführter Experimente sowie großes physikalisches Wissen.
Als zusätzliche Auszeichnung erhielten Zoe und Julian einen Sonderpreis für Kreativität in der Physik. Teil des Preises ist die Teilnahme am Forscher-Camp in Louisenlund, zu dem der Verein MINT-Talentförderung e.V. und die Wilhelm und Else Heraeus-Stiftung einladen. Dort erwartet die Teilnehmer unter anderem eine Woche mit Workshops, Kursen, Team-Aufgaben sowie Angeboten aus Sport, Segeln, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Auch Programmpunkte wie Sternbeobachtungen oder Expeditionen mit dem Forschungsschiff „Kurt Hahn“ stehen auf dem Programm.
Die beiden Schüler haben außerdem bereits einen Brief an die Fernsehsendung „Mit der Maus“ geschrieben und hoffen, das Experiment künftig nicht nur mit einem Boxsack, sondern – selbstverständlich unter professioneller Sicherung – auch am eigenen Leib durchführen zu können.

Foto: Helmuth Biernoth

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