Dienstag, 25. Juli 2017

Scheibenhardt: Treffen für Europa an der Lauterbrücke: Französische Präsidentenwahl „fundamentaler Kampf und die Freiheit“

6. Mai 2017 | noch keine Kommentare | Kategorie: Elsass Oberrhein Metropolregion, Kreis Germersheim, Politik regional, Regional
"Vive la République": Anstoßen für ein demokratisches Frankreich udn ein geeintes Europa. Fotos: Pfalz-Express/Licht

„Vive la République“: Anstoßen für ein demokratisches Frankreich und ein geeintes Europa.
Fotos: Pfalz-Express/Licht

Scheibenhardt/Scheibenhard – Deutsche und französische SPD-Mitglieder (frz. Parti Socialiste) haben sich am Vortag der Präsidentschaftswahl in Frankreich (7. Mai) in Scheibenhardt an der Lauterbrücke getroffen.

Auf der Brücke war in früheren Zeiten ein Schlagbaum mit Grenzhäuschen, der den Ort vom französischen Teil Scheibenhard (ohne t) getrennt hat.

Mit Inkrafttreten der offenen Grenzen (Schengen-Abkommen) hatten die Kontrollen ein Ende – heute spazieren und fahren Deutsche und Franzosen über die Brücke, ohne den Ausweis vorzeigen oder Geld wechseln zu müssen. Die Basis des heutigen grenzfreien Europas haben vor 60 Jahren die „Römischen Verträge“ gelegt.

Der (ehemalige) Grenzübergang in Scheibenhardt. Ein Teil des Orts befindet sich auf deutscher Seite, der andere auf französischer.

Der (ehemalige) Grenzübergang in Scheibenhardt. Ein Teil des Orts befindet sich auf deutscher Seite, der andere auf französischer.

Daran erinnerte Karl Heinz Benz, der mit seiner Familie die jährlichen Treffen an der Lauterbrücke organisiert. „Frei in einem Dorf von einem Land ins andere gehen zu können“ sei eine große Errungenschaft. „Auf Grenzen können wir verzichten“, sagte Benz, „die wollen wir nicht wieder haben.“

In seiner Ansprache – jeweils auf deutsch und französisch – appellierte der Gemeindeverbandsvorsitzende der SPD Hagenbach für ein offenes, tolerantes und demokratisches Europa. Leider seien wieder Kräfte hochgekommen, die teils salonfähig gemacht würden: „Stichwort Leitkultur.“ Das habe man seit 70 Jahren hinter sich gelassen – man brauche gewiss niemanden, der einem sage, wann man „ein guter Deutscher“ sei.

Wolfgang Thiel, Vorsitzender der AG 60plus Südpfalz, begrüßte die Teilnehmer mit der Anrede „Liebe Europäer“ und erinnerte an die schwierigen Zeiten während und nach dem 2. Weltkrieg. Als Europa zusammengewachsen sei, habe es ein „großes Aufatmen“ gegeben.

Thomas Hitschler, südpfälzer SPD-Bundestagsabgeordneter, schloss daran an und sagte, es sei besonders an seiner eigenen Generation, das erkämpfte Europa zu verteidigen. Die gemeinsame Feinde seien Nationalisten und Terroristen: „Das eint uns.“

Mit der Präsidentenwahl stehe ein „ein Stück weit“ Europa auf dem Spiel. Auch wenn man Macron nicht in allem zustimmen könne – er sei allemal besser als eine eine Marine Le Pen.  Jedoch nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland müsse einiges passieren. Es können nicht sein, dass nur ein Land wachse (Deutschland) und die anderen das Nachsehen hätten. Die EU brauche eine neue Identität, so Hitschler, und Überlegungen, was „falsch gelaufen“ sei: „Wir brauchen ein soziales Europa.“

Ähnlich und dazu äußerst emotional äußerte sich der Bürgermeister von Soult-sous-Forêts (Kanton Wissembourg), Pierre Mammosser. Die Präsidentenwahl sei nichts weniger als ein „fundamentaler Kampf um die Freiheit.“ Es sei nicht nur die Entscheidung „Marine le Pen (Front National) gegen Emanuel Macron“ (parteilos), der Ausgang der Wahl bedeute „Demokratie gegen Rechtsradikalismus.“

Pierre Mammosser

Pierre Mammosser

Wenn die Europäische Union allerdings bestehen bleiben solle, brauche es mehr mehr Solidarität, sagte Mammosser. Die Politik müsse dringend darüber nachdenken, wie sie die Einigkeit in der EU wieder herstellen könne.

Gilbert Greiner, grenzüberschreitender evangelischer Pfarrer mit – Zitat – „Schäfle“ diesseits und jenseits der Grenze, macht sich ebenfalls Sorgen. Es fehle die „Mitte der Vernunft“ in der Politik und bei vielen Menschen, sagte er dem Pfalz-Express. Es geben einen Mangel an demokratischem Mittelmaß, alles gleite in Extreme ab. Eine Ursache sieht Greiner im politischen System Frankreichs (dezentraler Einheitsstaat). Da sei Deutschland mit seinen Bundesländern demokratischer aufgestellt, findet der Geistliche.

„Rechts“ werde hauptsächlich in den Arbeitersiedlungen in den Satellitengürteln der Städte gewählt, berichtete Simon Bolz von der SPD Germersheim, der derzeit ein Auslandssemester in Troyes absolviert. Viele junge Leute unterstützen zwar Emanuel Macron, aber auch der FN habe eine große Zahl Jung-Unterstützer. Viele Wähler seien unschlüssig oder sähen weder in Le Pen noch in Macron eine wählbare Alternative.

An der Aktion an der Lauterbrücke nahmen auch die Landtagsabgeordneten Barbara Schleicher-Rothmund und Alexander Schweitzer,  Michael Dhonau, SPD-Kreisvorsitzender SÜW, der Scheibenharder Bürgermeister Francis Joerger und Inge Volz, Bürgermeisterin von Westheim, teil. (cli) 

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