Freitag 9.Oktober 2026

„Wir sind bunt“: Initiative wirbt in Lustadt mit Infostand für gesellschaftlichen Zusammenhalt

13. September 2026 | Kategorie: Allgemein, Kreis Germersheim

Infostand „Wir sind bunt“.
Foto: Pfalz-Express

Lustadt – Die Initiative „Wir sind bunt in der VG Lingenfeld“ hat am Samstag (12. September 2026) in Lustadt über ihre Arbeit informiert. Von 10 bis 12 Uhr standen die Aktiven mit einem Infostand auf dem Platz vor der Sparkasse und kamen mit Bürgern ins Gespräch.

Die Initiative versteht sich als überparteilicher Zusammenschluss. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Organisatoren Demokratie, Vielfalt, Toleranz und ein respektvoller Umgang miteinander. Wahlwerbung oder die Unterstützung einer einzelnen Partei gehören nicht zum Konzept.

Inzwischen beteiligen sich Menschen aus allen sechs Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Lingenfeld: Freisbach, Lingenfeld, Lustadt, Schwegenheim, Weingarten und Westheim. Nach Angaben der Initiatoren sind es rund 50 Aktive.

Entstanden nach der Kommunalwahl 2024

Ihre Anfänge hat die Initiative in Lingenfeld. Bianca Dietrich, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert und früher Beigeordnete der Ortsgemeinde war, erinnert sich an die Stimmung nach der Kommunalwahl 2024. 

„Wir waren ein bisschen erschrocken über das Wahlergebnis und haben gesagt: Wir wollen den 75 Prozent Gesicht und Stimme geben, die auf dem Boden der Demokratie weiterhin gemeinsam wertschätzend miteinander leben wollen“, so Dietrich.

Aus dem zunächst örtlichen Zusammenschluss entwickelte sich später eine Initiative für die gesamte Verbandsgemeinde. Regelmäßig gibt es Infostände in den einzelnen Ortsgemeinden. Geplant ist, möglichst einmal im Monat an einem anderen Ort präsent zu sein.

Bunte Bänder als sichtbares Zeichen

Zu einem sichtbaren Symbol sind inzwischen die bunten Bänder geworden. Wer sich mit der Idee identifiziert, kann die Bänder beispielsweise an der Haustür, am Fahrrad, am Auto oder im Garten befestigen. „Ich freue mich immer, wenn ich durch die Ortschaften fahre und diese Bänder in den Gärten wehen sehe. Es werden immer mehr“, berichtet Dietrich.

Bei den Infoständen komme die Gruppe auch mit Menschen ins Gespräch, die bislang weder parteipolitisch noch in Vereinen aktiv gewesen seien. Einige hätten dabei erzählt, dass sie sich mit ihren Gedanken zur gesellschaftlichen Entwicklung bislang allein gefühlt hätten.

Auch innerhalb der Initiative spielt der Austausch eine wichtige Rolle. Bei Arbeitstreffen gehe es unter anderem darum, sich gegenseitig zu unterstützen und darüber zu sprechen, wie sich im Alltag mit unterschiedlichen politischen Aussagen und sogenannten Stammtischparolen umgehen lässt.

Dietrich sagt: „Die demokratische Idee ist nicht tot, sondern sehr lebendig. Wir müssen sie aber weiter am Leben halten.“

Andreas Weber setzt auf Zusammenarbeit

Auch der Schwegenheimer Ortsbürgermeister Andreas Weber unterstützt die Initiative. Für ihn ist dabei die überparteiliche Ausrichtung entscheidend.

„Mir ist sehr wichtig, dass es eine überparteiliche Organisation ist, dass da auch alle mit dran arbeiten und dass die Demokratie bei uns gestärkt wird“, sagt Weber.

Gerade auf kommunaler Ebene müssten nicht alle Fragen entlang von Parteigrenzen betrachtet werden. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen – bei diesem Thema speziell, aber auch bei der Arbeit in den Ortsgemeinden.“

Unterschiedliche politische Hintergründe

Auch Alexandra Reichlin-Peter, SPD-Ortsvereinsvorsitzende und seit vielen Jahren im Bereich einer vielfältigen Gesellschaft engagiert, sieht in der Zusammensetzung der Initiative eine Stärke.

„Vielfalt, Demokratie und Menschlichkeit, das sind Werte, die über Parteigrenzen hinausgehen“, sagt sie.

Ähnlich formuliert es Anette Kloos: „Vielfalt ist keine Bedrohung, sondern eine Stärke unserer Gesellschaft. Unsere Demokratie lebt davon, dass wir unsere Unterschiede aushalten und trotzdem zusammenhalten.“

Die Initiative will dabei ausdrücklich keine politische Einheitsmeinung voraussetzen. Die Beteiligten könnten bei vielen politischen Fragen unterschiedliche Ansichten haben. Gemeinsame Grundlage seien demokratische Werte, gegenseitiger Respekt und der Austausch über gesellschaftliche Unterschiede.

Noch kein Verein

Organisiert ist „Wir sind bunt“ bislang nicht als Verein. Das sei eine bewusste Entscheidung gewesen, erklärt Dietrich. Gerade zu Beginn hätten die mit einer Vereinsgründung verbundenen Formalitäten abgeschreckt.

Die offene Struktur soll es ermöglichen, sich auch ohne Vereinsmitgliedschaft zu beteiligen. Für Menschen, die beruflich, familiär oder ehrenamtlich bereits stark eingebunden sind, könne eine feste Mitgliedschaft eine zusätzliche Hürde darstellen.

Eine Vereinsgründung zu einem späteren Zeitpunkt schließt Dietrich allerdings nicht aus: „Vielleicht sind wir, wenn wir uns in fünf Jahren unterhalten, ein Verein. Im Moment gehen wir einfach Schritt für Schritt.“

Aus ihrer langjährigen kommunalpolitischen Erfahrung wisse sie, dass für neue Projekte vor allem Menschen gebraucht würden, die sich tatsächlich darum kümmern. „Wenn man etwas auf die Füße stellen will, dann braucht man Leute, die Lust dazu haben und die es machen. Das kann man nicht von außen verordnen.“

Bündnisgründung am 7. Oktober

Am 7. Oktober soll der nächste größere Schritt folgen. Für diesen Termin ist eine Bündnisgründung geplant. Neben Parteien sollen dabei auch Vereine, Kirchen und Privatpersonen angesprochen werden.

Die Initiative möchte damit weitere Menschen und Organisationen aus der Verbandsgemeinde erreichen. Parallel sollen die Infostände fortgesetzt werden. Als nächste Station ist nach derzeitiger Planung Weingarten vorgesehen, anschließend Freisbach.

Damit wäre die Initiative mit ihren Infoständen einmal in allen sechs Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde vertreten. „Wir machen einfach weiter“, sagt Dietrich.

Hinter „Wir sind bunt“ stehen demnach Menschen mit unterschiedlichen politischen und persönlichen Hintergründen. In einem Punkt sind sich die Beteiligten jedoch einig: Demokratie solle nicht erst dann verteidigt werden, wenn sie unter Druck gerate. Sie müsse im Alltag gelebt werden vor Ort, im Gespräch miteinander und über Parteigrenzen hinweg.

Über die weiteren Termine und Aktivitäten informiert „Wir sind bunt in der VG Lingenfeld“ außerdem über soziale Medien.

Foto: Pfalz-Express

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