
Reaktor Nummer 4 in Tschernobyl. Um das Geländer herum scheint sich die Natur zu erholen. Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Das Gebiet um den Unglücksreaktor von Tschernobyl hat sich 27 Jahre nach der Atomkatastrophe in ein Tierparadies verwandelt.
Das berichtet der Ökologe Michael Brombacher. Im Auftrag der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt hatte er die verbotene Zone rund um den havarierten Reaktor besucht. Brombacher sprach von einer grandiosen Wildnis aus Mooren, Wäldern, Flussauen und Heideflächen. „Tschernobyl ist voller Tiere, die sich am hellen Tag zeigen wie in den großen Nationalparks Nordamerikas“, sagte er. „Weil es keine Jagd gibt, haben sie ihre Scheu verloren.“ In der verlassenen Region hätten sich Elche, Wölfe, Bären und andere Großtiere angesiedelt.
Keine Missbildungen
Missbildungen habe er keine gesehen. „Die radioaktive Belastung, die man in einzelnen Tieren gemessen hat, nahm über die Jahrzehnte stark ab. Die Bestände vieler Arten entwickeln sich gut. Es gibt jedoch einzelne Untersuchungen, zum Beispiel an Rötelmäusen, bei denen genetische Veränderungen festgestellt wurden. Viele Tiere wandern von außen in die Sperrzone, dadurch kommt es zu genetischer Auffrischung.“
Die Sperrzone rund um das havarierte Atomkraftwerk scheint demnach mittlerweile eines der größten Wildnisgebiete Europas zu werden. Unmittelbar nach der Katastrophe wurde die Landwirtschaft dort aufgegeben und die Siedlungen evakuiert. Jagd und Forstwirtschaft finden nicht mehr statt. Menschen greifen nur bei der Bekämpfung von Feuern ein, weil Waldbrände Radioaktivität freisetzen würden. (dts Nachrichtenagentur)

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