Donnerstag, 26. November 2020

ver.di: „Skandalös – Amazon will sich die Gesundheit der Mitarbeiter erkaufen“ – Amazon weist Vorwürfe zurück

11. November 2020 | noch keine Kommentare | Kategorie: Rheinland-Pfalz, Wirtschaft in der Region

Foto: dts Nachrichtenagentur

Koblenz. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert den erneuten Versuch des Onlinehändlers Amazon, über eine sogenannte Anwesenheitsprämie von 2 Euro pro Stunde, den „Beschäftigten die Achtsamkeit zur eigenen Gesundheit abzukaufen“.

Am Amazon Standort in Koblenz gab es vermehrt Corona-Infektionen unter den Beschäftigten. 69 positiv Getestete waren oder sind noch in Quarantäne. 17 weitere Beschäftigte wurden in der Kalenderwoche 45 positiv getestet. Die Nachtschicht wird bis zum 19.11.2020 komplett ausfallen. Weitere Testungen in den Tagesschichten sollen ab dieser Woche stattfinden, so ver.di.

„Und in dieser Prekären Situation will Amazon mit den Arbeitnehmervertretern eine Prämie von 2 Euro pro anwesender Arbeitsstunde vereinbaren. Das ist ein Skandal“, so die Landesbezirksfachbereichsleiterin Monika Di Silvestre. „Wir befürchten, dass Beschäftigte mit der Einführung dieser Prämie nicht mehr auf ihre Gesundheit achten, sondern auch krank zur Arbeit erscheinen, um dieses zusätzliche Einkommen nicht zu verlieren. Schließlich soll diese ‚Anwesenheitsprämie‘ nur befristet für die Zeit des Weihnachtsgeschäftes bezahlt werden.“

Bereits jetzt, so beschreiben es interne Kreise laut ver.di, erscheinen Beschäftige vor dem Standort in Koblenz und wollen arbeiten, obwohl sie einige Tage vorher positiv auf Corona getestet wurden. Das zeige, wie verunsichert ein großer Teil der Kollegen bei Amazon sei, so Di Silvestre.

„In der Vergangenheit wurden kranken Mitarbeitern häufig schnell gekündigt. Diese Angst steckt tief in der Belegschaft“, so Di Silvestre weiter. „Genau hier wäre es nun richtig und wichtig, dass Amazon endlich die Tarifverträge anwendet. Dann ist eine Anwesenheitsprämie nicht notwendig. Der Tarifvertrag gibt allen Sicherheit“, sagt die Gewerkschafterin.

ver.di fordert, dass Amazon die Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels Rheinland-Pfalz anerkennen müsse. Ebenso solle Amazon mit ver.di einen Tarifvertrag zu Guter und Gesunder Arbeit abschließen. „Und erst recht, da Amazon nicht nur Mitglied im Arbeitgeberverband des Deutschen Einzelhandels ist, sondern auch mit enormen Umsatzsteigerungen als Gewinner aus der Pandemie weltweit hervorgeht“, sagt Petra Kusenberg, Betreuungssekretärin der ver.di für den Standort Koblenz.

Amazon weist Anschuldigungen zurück

Amazon zeigte sich empört über die Vorwürfe von ver.di., die völlig aus dem Zusammenhang gerissen seien: „Diese unverantwortlichen Anschuldigungen spiegeln in keiner Weise unsere Arbeitsweise wider oder den Fokus, den wir auf die Sicherheit und den Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legen“, so ein Sprecher des Unternehmens.

„Tatsache ist, dass uns nichts wichtiger ist als die Sicherheit unserer Teams. Die lokalen Gesundheitsbehörden in Deutschland bestätigen uns, dass wir wirksame Schutzmaßnahmen eingerichtet haben.“ Seit Beginn der Pandemie habe man weltweit Vorkehrungen getroffen, um die Mitarbeiter zu schützen. „Wir werden weiterhin mit den örtlichen Gesundheitsbehörden und dem Betriebsrat in diesen Fragen zusammenarbeiten“, so der Sprecher weiter, der auch auf den Unternehmensblog zu den Arbeitsschutzmaßnahmen verweist.

Einen Bonus gibt es bei Amazon normalerweise jedes Jahr Mitte Dezember für die Mitarbeiter, da wegen Weihnachten das Arbeitsaufkommen stark ansteigt.

 

 

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