Mittwoch, 16. Oktober 2019

Tolle Premiere: „Götter wie du und ich“ poltern gekonnt über „Die Kleine Bühne“

4. April 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kultur, Landau
Eine temperamentvolle Inszenierung ist der "Kleinen Bühne" wiederrum gelungen. Fotos: Gabi Kunze

Eine temperamentvolle Inszenierung ist der „Kleinen Bühne“ wiederrum gelungen.
Fotos: Gabi Kunze

Landau. Einen vollen Theatersaal, ein gut gelauntes Publikum und eine spielfreudige Theatertruppe hatte „Die Kleine Bühne“ am Samstagabend zu bieten. Unter der Regie von Patrick Borchardt und dessen Assistentin Maren Dern, wurde eine turbulente Komödie wunderbar umgesetzt. Das Buch entstammt der Feder der Autorin und Synchronsprecherin Beate Haeckl.

In einer Zeit, in der das Fernsehen zum wichtigsten Unterhaltungsinstrument geworden ist und in der Quoten mehr zählen als Inhalte, spielt sich im Olymp recht wenig ab.

Das Leben der griechischen Götter dort ist von Langeweile geprägt. Es wird gestritten, geschimpft und intrigiert. Die Menschen interessieren sich nicht mehr für sie und so überlegen sich die Götter, wie sie wieder die Menschheit erreichen können.

Foto: Kunze

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Und was wäre da naheliegender, als den Weg über das Fernsehen zu suchen. Hermes, der Götterbote, wird auf die Erde geschickt. Dieser wird von Jonas Werling in einer leichten und unbeschwerten Art dargestellt. Er mutet wie ein Turnschuh-Surfer auf Rollen an. Hermes soll sich an die einflussreichste Frau der Fernsehbranche wenden: Ricarda Binger – ausdrucksstark von Christine Ehmer verkörpert, als „schwarzer Vamp“ in Lack und Leder, mit Peitsche und äußerst durchsetzungsfähig.

Dummerweise mag sie die griechischen Götter, diese „vergilbten Pappkameraden“, nicht.
Es sind die germanischen Gottheiten, die sie verehrt. Hinter ihrem überdimensionierten Schreibtisch und mit ihren unterwürfigen Helferinnen Kriemhild (Johanna Beyes) und Brünhild (Ann-Kathrin Stengel) regiert sie ihre Welt. Und erteilt Hermes eine Abfuhr.

Doch so leicht lässt sich kein Götterbote abwimmeln, denn es gibt noch Hoffnung und die heißt Jenny (Lucia Müssig), eine Mitarbeiterin der Medienmogulin, die lieber fundierte Dokus machen will, anstatt Serien zur Unterhaltung. Sie passt damit gar nicht ins Bild von Ricarda Binger und steht schon anhand ihrer Kleidung im starken Kontrast zu ihr: konservativ und schlicht gekleidet, brav und anständig im Wesen.

Foto: Kunze

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So landet Jenny zusammen mit Hermes im Olymp, dem Sitz der griechischen Götter.
Aber, so einfach, wie erdacht, wird das ganze Unterfangen nicht. Alles ist chaotisch. Zeus, der lüsterne Göttervater (Michael Scherrer), stellt der jungen Jenny nach, ebenso der eitle Sonnengott Apoll (Rafail Poupkas).

Es wird gestritten und geneidet, was das Zeug hält. Alles kein Stoff für eine anständige Dokumentation, eher für eine Reality-Doku-Soap a´ la „Die Geissens“ oder „Big Brother“.

Jenny muss sich zwischen allerlei Schwierigkeiten, Versuchungen und Enttäuschungen durchkämpfen, ja sogar gegen den Zorn von Zeus Frau Hera (Céline Pabst) bestehen, die sie in die Unterwelt zu Hades, dem Totengott, verbannt.

Hier sei auch erwähnt, wie gut über die Lichtgestaltung auf der Bühne die entsprechenden Stimmungen herausgearbeitet wurden. Der Abstieg ins Totenreich mag so manchen Zuschauer zum Gruseln gebracht haben, auch wenn die Komik des Stücks alles durchdringt.

Gestalten, die in der Nacht durch den mythischen Wohnsitz huschen, werden in ein schattenhaftes Blau getaucht. Begleitet wird dieses Bild durch den anrührenden Gesang von Hebe, Göttin der Jugend (Franziska Walter).

Foto: Kunze

Foto: Kunze

Das alles sind eindrucksvolle Momente der Aufführung. Die einzelnen Protagonisten sind recht überzeugend: Der Kriegsgott Ares, energiegeladen verkörpert von Christopher Spindler, Aphrodite, Göttin der Liebe, in verführerischen Posen (Johanna Beyes), die arrogante Pallas Athene, Göttin der Weisheit (Malin Steitz), Artemis, Göttin der Jagd (Ann-Kathrin Stengel) und der arme Hephaistos, Gott des Feuers und der Schmiede, der von den anderen Göttern förmlich gemoppt wird: „Ich wollt halt oifach irgendwo dazugehöre“.

Joachim Graf stellt diesen Außenseiter überzeugend und hinreißend lustig dar. Das sind die Gesichter der nur allzu menschlichen Götter. Ebenso der „Hallodri“ Florian (Phillipp Stengel), Freund von Jenny, der anscheinend ein doppeltes Spiel spielt.

Foto: Kunze

Foto: Kunze

Das gesamte Ensemble hat eine wunderbare Inszenierung dargeboten.
Es ist ein Spaß in die Götterwelt einzutauchen, in eine Familie, die sich zankt und zofft und sich schlussendlich durch Jenny auch wieder an gewisse Werte erinnert.

Kommt am Ende Jenny zu ihrer Dokumentation und findet sie ihr persönliches Glück?
Das ideenreiche Stück wurde jedenfalls mit einem lang anhaltenden Applaus honoriert und konnte mit einem göttlichen Happy End aufwarten, mit dem Fazit: Götter sind auch nur Menschen, so wie du und ich.

Weitere Aufführungen:

Freitag, 8. April, Samstag, 9. April, Freitag 15. April, Samstag 16.April, Freitag 22. April, Samstag 23. April, Freitag 29. April, Samstag 30. April und Samstag 7. Mai. Beginn der Aufführungen jeweils um 20 Uhr, Einlaß und Abendkasse ab 19.15

Karten unter www.kleinebuehnelandau.de oder bei der Rheinpfalz und allen bekannten Reservix-Vorverkaufsstellen.

Der Reinerlös ist für den Verein Indienhilfe Pater Franklin e.V. bestimmt.
Eintrittpreise: 12/11/10 Euro, ermäßigt: 11/10/9 Euro

(Gabi Kunze)

Foto: Kunze

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