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Innerhalb der Bundesregierung und in Wirtschaftskreise wird die Abschaffung eines Feiertags diskutiert, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dies gilt dabei als eine kurzfristig umsetzbare Maßnahme, die sofort mehr Arbeitszeit schaffen würde.
Das stößt jedoch in der Bevölkerung auf breite Ablehnung. In einer aktuellen Forsa-Umfrage für das Magazin „Stern“ und den Sender RTL halten nur 21 Prozent der Bundesbürger einen solchen Schritt für richtig, während 76 Prozent ihn ablehnen. Kritiker weisen darauf hin, dass strukturelle Probleme der Wirtschaft auf diese Weise kaum gelöst werden können.
An diesem Wochenende feiern wir mit Karfreitag und Ostern wichtige Tage für das Christentum. Der Neustadter Theologe Michael Landgraf beschreibt, in welcher Hinsicht speziell die Osterwoche und das Osterfest für uns so wichtig sind.

Michael Landgraf
Foto: privat
„Feiertage verschaffen Raum zum Innehalten und zur Besinnung. Gerade religiöse Feiertage sind dazu da, sich auf einen Kernpunkt des Glaubens zu fokussieren. Die Osterwoche ist für den christlichen Glauben dabei besonders wichtig.
Diese beginnt am Palmsonntag. Jesus kam mit seinen Jüngern nach Jerusalem, Leute jubelten ihm zu und nannten ihn König. Danach ging er in den Tempel, vertrieb die Händler, um einen Ort der Ruhe zu schaffen. Hier wird erkennbar, dass Jesus das Gebet und Gott höher stellt als das Geld. Dies kann im Blick auf die heutige Diskussion über die Feiertage ein Impuls zum Nachdenken sein.
Am Gründonnerstag feierte Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. „Grün“ kommt übrigens vom alten Wort „greinen“, also weinen. Jesus nannte Brot und Wein Zeichen der Gemeinschaft mit ihm. Heute feiert man am Abend Gottesdienst mit Abendmahl. Dann Nachts im Garten Gethsemane betete er, wurde verhaftet und gefangen genommen, mit dem Vorwurf, dass er angeblich Gott beleidigt habe und dass er sich selbst zum König machen wolle.
Der Karfreitag ist der Todestag Jesu, der ist besonders für Protestanten wichtig. „Kar“ kommt vom altdeutschen Wort „trauern“. In Deutschland ist er ein geschützter Feiertag, es gelten besondere Regeln für einen Trauertag.
Berichtet wird in den Evangelien über den kurzen Prozess und wie grausam Jesus starb, dass er in ein Grab gebracht wurde, das mit einem schweren Stein verschlossen wurde. Der Karfreitag nimmt uns mit hinein in die Wirklichkeit des Todes, und in das, was Menschen anderen Menschen antun können. Das Kreuz Christi ist dabei Symbol dafür, dass Gottes Liebe zu seinen Geschöpfen so groß ist, dass er in Jesus Christus selbst in die letzten Abgründe menschlicher Existenz hineingeht.
Doch dann kommt Ostern. Am dritten Tag gingen Frauen zum Grab Jesu und fanden es leer. Die Jünger entdeckten danach, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Die Auferstehung zeigt, dass Jesus in einer engen Beziehung zu Gott stand und steht, Christen sehen ihn durch Ostern als Gottes Sohn. Ostern, das Fest des Lebens, zeigt, dass Gott durch Jesus den Tod überwunden hat.
Das Fest führt uns also vor Augen, dass Gott den Tod besiegen kann. Daraus erwächst bei Christen die Hoffnung, dass Gott jedem Menschen im Tod beisteht. Wir feiern an Ostern also das Fest des Lebens. Wenn frühmorgens zum Sonnenaufgang Gottesdienste mit Osterfeuern gefeiert werden, ist diese Hoffnung auf Überwindung des Todesdunkels durch das Licht Gottes besonders spürbar.
Im Gottesdienst wird die Osterkerze entzündet, das Osterlamm erinnert an Jesus als „Lamm Gottes“, das sich dem Tod ausgesetzt hat, damit wir von der lebensspendenden Kraft Gottes erfahren, und auch das Osterei wird verstanden als Zeichen für das neue Leben.
Wenn jetzt über die Abschaffung des Ostermontags oder gar des Karfreitags diskutiert wird, gerät aus dem Blick, dass früher sogar die komplette Woche gefeiert wurde. Der Karfreitag nimmt in die Trauer hinein, der Ostersonntag in das Staunen über das Leben.
Für mich ist der Ostermontag wichtig, weil er über all das mit Abstand nachdenken lässt. Darüber hinaus kann man hier von anderen lernen, denn in Österreich oder Italien gehört zum Ostermontag das Osterlachen.
Das ist ein wundervoller Brauch, denn man lacht dem Tod ins Gesicht. Ein weiterer Brauch ist der Osterspaziergang, den man besonders am Ostermontag unternimmt. Er erinnert an eine weitere Bibelgeschichte, nämlich die der Emmausjunger, die auf einer Wanderschaft dem auferstandenen Jesus begegnet sind.
Auf einem Osterspaziergang, der am Ostermontag etwas ausführlicher sein darf, besinnt man sich auf das Leben und den Weg, der vor einem liegt. Ich bin daher dafür, nicht Feiertage abzuschaffen, sondern sich neu auf sie zu besinnen. Sie sind wichtig, nicht nur für den Glauben, sondern auch für das Leben.“

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