Mittwoch, 23. Oktober 2019

Reformationsjahr 2017 in Neustadt: Michael Landgraf als Reformationsbotschafter unterwegs

8. Dezember 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional
Foto: Reformationsbotschafter Michael Landgraf erzählt als Druckermeister über Zünfte, Bauernkrieger und Reformatoren. Foto: red

Reformationsbotschafter Michael Landgraf erzählt als Druckermeister über Zünfte, Bauernkrieger und Reformatoren.
Foto: red

Neustadt. Im kommenden Jahr stehen die Feierlichkeiten zu 500 Jahre Reformation auf dem Programm. Auch Neustadt an der Weinstraße präsentiert zahlreiche spannende Veranstaltung – geplant sind historische Gästeführungen, Ausstellungen, Lesungen mit Dinner in der Stiftskirche, Poetry-Slam, Theater und vieles mehr.

Neustadt ist seit 2012 Mitglied im Verband der Reformationsstädte (Refo500) und hat sogar einen Reformationsbotschafter ernannt: Michael Landgraf, auch bekannt als Zacharias Ursinus. Im kommenden Jahr erzählt er als Druckermeister über Zünfte, Bauernkrieger und Reformatoren.

Bürgermeister und Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer sagte bei der Vorstellung des Programms, man habe kulturelle, touristische und kirchliche Themen ideal miteinander verknüpft.

Der Pfalz-Express (PEX) fragte nach…

PEX: Herr Landgraf, Sie sind Reformationsbotschafter. Von wem wurden Sie dazu ernannt? Was sind ihre Aufgaben?

Ernannt wurde ich durch den Neustadter Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, den Kulturamtsleiter Wolfgang Dinges und dem Tourismuschef Martin Franck. Mit dabei war auch der Neustadter Dekan Armin Jung.

Die Idee entstand aufgrund der vielfältigen Aktionen, die im Reformationsgedenkjahr auf uns zukommen. Es ging darum, dass an einer Stelle die Aktivitäten zusammenlaufen und es einen Ansprechpartner hierfür gibt.

Meine Aufgabe wird die Koordination der Angebote sein und selbst durch Veranstaltungen und Stadtführungen als „Druckermeister“ Akzente zu setzen. Darüber hinaus habe ich als „Botschafter“ noch eine andere Funktion.

Als Dozent halte ich viele Vorträge und Fortbildungsveranstaltungen zum Thema „Reformation“ im gesamten deutschsprachigen Raum. Und mit meinem Roman „Der Protestant“, der ja in Neustadt spielt, habe ich viele Lesungen. Bei den Veranstaltungen außerhalb von Neustadt wird es meine Aufgabe sein, auf das spannende reformatorische Erbe der Stadt hinzuweisen und dadurch Lust auf Neustadt zu machen.

PEX: Wie würden die Reformatoren heute ihre Ideen verbreiten? Würde Luther die sozialen Netzwerke und die Medien nutzen?

Die Reformation hätte ohne die damalige Medienrevolution des Buchdrucks nicht gelingen können. Daher halte ich auch Vorträge und Lesungen als Druckermeister und führe so durch Neustadt, um dies deutlich zu machen. Heute wären Reformatoren wie Luther vermutlich als Blogger tätig und wären bei Facebook und Co. Es ging ja darum, Ideen so schnell wie möglich zu verbreiten. Und das gelingt heute so am besten.

PEX: Viele befürchten, dass sich im „Lutherjahr“ eher die Fronten zwischen Katholiken und Protestanten verhärten. Oder ist es vielleicht auch eine Chance zur Ökumene?

Das Jubiläum zeigte bisher, dass sich die Kirchen klar aufeinander zubewegen. Der Papst feierte den letzten Reformationstag in Schweden bei einer lutherischen Bischöfin und die Leitungsgremien der Evangelischen und Katholischen Kirchen in Deutschland waren gemeinsam in Israel.

Dass man sich im Reformationsjahr als evangelische Kirche auch auf sich selbst besinnt, ist jedoch ebenfalls gut. Nur wer sich seiner selbst bewusst ist, ist in der Lage, mit anderen einen gelingenden Dialog zu führen.

PEX: Was ist es, das Luther und die Reformation heute noch so wertvoll für die heutige Zeit macht?

Unabhängig von den Schattenseiten Luthers, die wir bei diesem Jubiläum besonders wahrnehmen, ist sein Mut beachtenswert.

Er berief sich bei seinem öffentlichen Auftreten und dem Widerspruch gegen den Ablasshandel und die kirchliche Lehre auf sein Gewissen und die Freiheit eines Christenmenschen. Dadurch schuf er die Basis für die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die für uns heute selbstverständlich ist.

Ein zweites: Luther nahm den Menschen die Angst vor Gottes Strafe. Bereits als Kind war er gefangen in dieser Angst, die ihn später zu seinem Eintritt ins Kloster führe. Doch entdeckte er die Bilder der Bibel, die uns Gott als liebenden Vater oder fürsorglichen Hirten zeigen. Heute leben die Menschen angstfreier – das ist sicher mit ein Verdienst der Reformation.

PEX: Wenn Sie Luther treffen könnten, was würden Sie ihn fragen?

Was er davon hält, welchen Rummel nach 500 Jahren um seine Person getrieben wird. Ich glaube, das wäre ihm eher unangenehm, sagte er doch selbst einmal, dass man bloß keine Kirche nach ihm nennen solle – er sei doch nur ein „alter Madensack“.

 

Übersicht über bisher geplante Veranstaltungen, aktuelle Informationen sind unter neustadt.eu/Reformation abrufbar, außerdem wurde ein flyer-reformation-in-neustadt aufgelegt:

1. Historischer Hintergrund:

In der historischen Altstadt von Neustadt wird die Zeit des Umbruchs im 16. Jahrhundert lebendig. Die Stiftskirche ist Entdeckungsort bedeutender Zeugnisse und die Gassen der Altstadt atmen noch den Geist der Bürger, die nach neuen Wegen suchten.

Hier wirkten der reformatorisch gesinnte Stiftsdekan Michael Weinmar und der Landschreiber Wendel Hippler, der im Bauernkrieg anno 1525 Kanzler des deutschen Bauernparlaments wurde. Neustadt war eine der ersten lutherischen Städte der Kurpfalz und Pfalzgraf Johann Casimir erhob sie zu einem Zentrum reformierter Lehre in Europa.

Zacharias Ursinus, der Verfasser des Heidelberger Katechismus, wirkte hier am Casimirianum. Schließlich verbreitete der Druckermeister Matthäus Harnisch von Neustadt aus reformatorische Schriften und schuf mit der „Neustadter Bibel“ die erste Lutherbibel mit Verszählung und mit reformierten Kommentaren.

Neustadt an der Weinstraße ist seit 2012 Mitglied im Verband der Reformationsstädte (Refo500).
2. Stadtbücherei:

Freitag, 17. März 2017, 20-21.30 Uhr
500 Jahre Reformation: Lesung von Prof. Dr. Veit-Jakobus Dieterich „Martin Luther – Heiliger, Held oder Hetzer?“

In der Biografie „Martin Luther – Sein Leben und seine Zeit“ (2008 im dtv erschienen) beleuchtet der Autor die vielseitige und faszinierende Persönlichkeit des Reformators, dessen Werk und Wirkung welthistorische Bedeutung hatte.
Eintritt: 8 Euro

Freitag, 12. Mai 2017, 19.30-21 Uhr
500 Jahre Reformation: Lesung von Michael Landgraf
„Der Protestant“
Der Neustadter Autor Michael Landgraf liest aus seinem neuen historischen Roman mit dem thematischen Schwerpunkt Reformation.

Jakob Ziegler, Sohn eines Weinhändlers, erlebt als Lateinschüler in Neustadt an der Haardt und als Student in Heidelberg den Vorabend der Reformation. Als Jurist beobachtet er Martin Luther bei der Heidelberger Disputation und beim Reichstag zu Worms. Auf dem Reichstag zu Speyer gehört er zu den „Protestanten“, die gegen den Kaiser und die Mehrheit der Reichsstände ihren Glauben verteidigen.
Eintritt: 8 Euro

Montag, 16. Oktober 2017 – 4. November 2017
„500 Jahre Reformation“ – Ausstellung aus dem Bestand der Stadtbücherei
Im Herbst 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass. Sie gelten heute als Beginn der Reformation – eine Bewegung, die die deutsche Geschichte prägte und die Welt veränderte. Anlässlich des 500-jährigen Reformationsjubiläums zeigt die Stadtbücherei vom 16. Oktober bis 4. November 2017 die Ausstellung „500 Jahre Reformation“.
Eintritt: frei

3. Kulturamt

Sonntag, 20. August 2017
Poetry-Slam im Rahmen des 4. Internationalen Künstlersymposiums, Villa Böhm

4. TKS

29. April (18 Uhr), 9. Juni (18 Uhr); 10. September (15 Uhr); 31.10. (11:00 Uhr)
Öffentliche Führungen des Druckermeisters Michael Landgraf: „Neustadt in der Reformationszeit“. Treffpunkt Casimirianum.

Sonntag, 19. Februar (14 Uhr)
Führung zum Weltgästeführertag:

5. Stiftskirche / Martin-Luther-Kirche

21. Januar, 28. Januar (20 Uhr), 29. Januar (16 Uhr), 11. Februar (20 Uhr) und 12. Februar (16 Uhr)
Theater der Neustadter Schauspielgruppe: „Waschtag bei Luthers“

4. Februar (18 Uhr)
Renaissancedinner mit Lesung „Der Protestant“, mit Michael Landgraf und Simon Reichert

17. März (19 Uhr)
Vorträge des Prot. Clubs „Luther und die Juden“, mit Sibylle Biermann-Rau

20. und 27. Juni, 4., 11. und 18. Juli (19 Uhr)
Sommerakademie „Reformation“, 5 Abende zum Thema „Was ist evangelisch?“

8. Oktober
Teilnahme beider Gemeinden am Winzerfestumzug

29. Oktober bis 22. November
Ausstellung: „Evangelisch – Was heißt das“?“

31. Oktober
Tag der offenen Kirchen in Neustadt
11 Uhr: Eröffnung und Führung mit Drucker Michael Landgraf
11.30 Uhr: Führung mit Frau Seitz und Organist – Lutherlieder hören und singen
13 und 15 Uhr: Turmführung
18 Uhr: Zentraler Gottesdienst zum Reformationstag in der Martin-Luther-Kirche. Predigt: Michael Landgraf als Druckermeister.

29. und 30. Oktober, 11. November (19 und 21 Uhr)
Ton-Bild-Licht-Installationen in der Kirche

6. Reformationsbotschafter Michael Landgraf

Der Reformationsbotschafter von Neustadt, Michael Landgraf, schlägt als Dozent, Schriftsteller und Stadtführer eine Brücke in diese Zeit. Als Druckermeister führt er ab 2017 durch Neustadt und bietet eine lebendige Begegnung mit der Epoche der Zünfte, Bauernkriege und Reformatoren.

Bereits seit 2013 gibt er als Zacharias Ursinus Einblick in die späte Reformationszeit. Er hält Vorträge, beispielsweise im Bibelmuseum Neustadt, oder Lesungen mit seinem neuen historischen Roman „Der Protestant“ (Wellhöfer-Verlag 2016), der in Neustadt spielt. Damit geht es letztlich auch um Werbung für die Stadt. (desa/nw)

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