Samstag, 22. September 2018

Sexueller Missbrauch im Internet an einer 13-Jährigen aus Neustadt: Angeklagter zu sieben Monaten verurteilt

12. Juli 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional, Vermischtes

Foto: dts nachrichtenagentur

Neustadt a.d.W./Bayreuth – Er hat sich selbst im Internet als 13-Jährige ausgegeben und erlangte das Vertrauen eines 13-jährigen Mädchens aus Neustadt. Dem Mädchen schickte er Bilder von seinem Penis, wollte sich sogar treffen.

Stephen K. (36) ist redegewandt. So muss er wohl auch die 13-jährige Lisa (Name von der Redaktion geändert) seinerzeit zu Ostern 2013 eingewickelt haben.

Auf der Internetplattform freggers.de kam er mit Lisa ins Gespräch. Er gab sich selbst als ebenfalls 13-jährige „Franziska“ aus und erschlich sich so das Vertrauen des Mädchens.

Später erzählte „Franziska“, sie habe einen Bruder, den 19-jährigen Stephen. Er lobte sich somit selbst und sprach als „Franziska“ Empfehlungen aus. „Stephen ist toll. Sein Riesending macht fickrig. Wenn du ein tolles erstes Mal willst, musst du ihn treffen“ – mit solchen Sätzen führte er seinen Plan fort.

Schnell wurde Lisa auch mit dem angeblich 19-jährigen Stephen bekannt. Es wurden Nummern getauscht, der vermeintliche „Jugendliche“ schickte Bilder von seinem Penis und verlangte auch Nacktbilder von Lisa.

In einem ersten Verfahren wurde der Mann aus Bayreuth nun zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Sexueller Missbrauch von Kindern lautete das Urteil. In der Berufung erhoffte sich der Mann einen Freispruch, doch das Gericht zerpflückte seine Argumente und durchsuchte sogar noch während der Sitzung seine Wohnung.

Vor dem Landgericht Bayreuth redete er sich am Donnerstag (9. Juli) allerdings um Kopf und Kragen. Auf die Frage des Richters, was er mit seiner Berufung erreichen wolle, sagte er: „Ich weiß was ich getan habe und was nicht.“

Ein Dritter habe seine Identität genutzt

Fast eine Stunde lang versuchte der 36-Jährige zu erläutern, dass ein Fremder seinen Internetzugang gehackt haben müsse. Er hätte weder die Zeit noch Interesse daran, junge Mädchen zu verführen.

Doch so weit hergeholt ist das nicht. Schließlich ist Stephen K. kein Unbekannter. Ein früheres Verfahren wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften wurde wegen geringer Schuld gegen eine Geldauflage eingestellt.

Trotz der Warnung von Richter Werner Kahler, dass vieles für eine neuerliche Tätereigenschaft spreche und das Strafmaß schlimmer statt besser werden könnte, beharrte der 36-Jährige auf seine Unschuld. Er sei nur Mittel zum Zweck, ein anderer würde sich unter seiner Identität im Netz bewegen.

Erdrückende Beweislast

Stück für Stück wurde dem aus Ahorntal stammenden Mann nachgewiesen, dass nur er selbst gewisse Details wissen konnte.

So schrieb er im Chat mit Lisa (und auch anderen jungen Mädchen, die nicht mehr zugeordnet werden konnten), was er aktuell gerade tat. Er verriet beispielsweise, dass er bei Mistelgau  ein Wasserwerk anschließen würde. Recherchen beim Arbeitgeber ergaben: Ja, K. hatte zu diesem Zeitpunkt die Steuerungstechnik dort eingebaut. Auch weitere Details stimmten überein.

In der Verhandlungspause sahen sich die Richter nochmals die Fotos des Täters an. Im Hintergrund zu sehen: Eine Gitarre und eine sehr spezielle Aussicht in einen Hof.

Ohne Wissen des Angeklagten wurde daraufhin sein Elternhaus in Ahorntal durchsucht. Auch eine neue Wohnung in Pegnitz, das Elternhaus seiner Freundin, wurde von Polizisten durchsucht.

Und sie wurden fündig. Die auf dem Penisbild im Hintergrund befindliche Gitarre konnte gefunden und sichergestellt werden. Nun stand zweifelsfrei fest: Das Foto stammt von keinem Dritten, sondern Stephen K. hatte es selbst geschossen und verschickt.

Zähneknirschend nahm er den Einspruch auf dringendes Anraten seines Verteidigers zurück. Seine Verurteilung wird damit rechtskräftig.

Vater und Tochter erleichtert

Lisa war mit ihrem Vater von Neustadt zur Verhandlung nach Bayreuth gekommen. Das Internet kennt eben keine Hürden.

Lisas Vater war erleichtert, dass nun zweifelsfrei feststeht, wer hinter „Franziska“ und „Stephen“ steckte. Die ganze Geschichte flog auf, weil Lisa mit ihrem Bruder in einen Streit geraten war. Es folgte die Sicherung des Chats durch den Vater. Dann Anzeige, Polizei und Verhandlung.

Die 13-Jährige sehnte sich nach einem Freund und war daher anfällig für den geschickt agierenden 36-Jährigen.

Auch in der Verhandlung sagte Lisa zum Richter, dass sie kaum noch an die Vorfälle denken müsste. Am meisten habe sie sie derbe Wortwahl mitgenommen. Als sie Angst bekam, dass Stephen vielleicht doch mal plötzlich vor der Tür stehen könnte, blockte sie immer wieder den Kontakt ab.

Heute ist sie froh darüber und kann lächeln: „Ich habe das ganze als Dummheit abgehakt“.

Auch der Vater war froh, dass es nicht noch schlimmer kam: „Wo ist die Grenze? Niemand weiß, ob sich das alles nur im Kopf von diesem Stephen abspielt oder ob er nicht eines Tages doch ein kleines Mädchen antatscht.  Wir alle können nur hoffen, dass dem 36-Jährigen jetzt diese Neigungen erst mal ausgetrieben wurden.“  (Reporter 24/Roider)

 

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