
Naturschutzinitiative Goldschakal
Quelle: istock
Sylt/Kiel. Der Fall des Goldschakals auf Sylt beschäftigt weiterhin die Gerichte.
Während die Tötung des Tieres im Jahr 2025 auf Basis massiver Riss-Meldungen genehmigt wurde, bringt die Naturschutzinitiative e.V. (NI) im aktuellen Hauptsacheverfahren neue Fakten vor, die den Schakal entlasten und die Rechtmäßigkeit der Abschussgenehmigung infrage stellen.
Juristischer Kern: Die Beweislast im Verfahren
Die juristische Auseinandersetzung hat sich nach den gescheiterten Eilanträgen im Juni 2025 in das Hauptsacheverfahren verlagert. Hier geht es nun um die Frage, ob die Behörden auf Basis einer korrekten Tatsachenfeststellung entschieden haben.
Differenz der Fallzahlen:
Ein zentraler Punkt der Klage ist die Diskrepanz zwischen den öffentlich kommunizierten Zahlen (bis zu 100 Schafe) und den behördlichen Akten. Laut NI-Sprecher Roland Dilchert räumte das Landesamt für Umwelt (LfU) in der Klageerwiderung vom 15.12.2025 ein, dass lediglich für den 21.05.2025 ein „Nutztierriss“ mit 23 betroffenen Tieren (12 tot, 8 verletzt, 3 eingeschläfert) dokumentiert ist.
Fehlende Beweissicherung:
Die NI kritisiert, dass im Eilverfahren keine Fotos oder amtlichen Belege für die behauptete hohe Zahl an Kadavern vorgelegt wurden. Juristisch ist dies relevant, da eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung einer geschützten Art an strenge Voraussetzungen und eine nachgewiesene Schadensprognose gebunden ist.
DNA-Ergebnisse: Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass an den Schutzzäunen ausschließlich Hunde-DNA (Haare) gesichert wurde. Von den Kadavern selbst konnten nur zwei Proben dem Goldschakal zugeordnet werden.
Biologische Argumentation: Schakal als „Nachnutzer“?
Der Biologe und Ethologe Dr. Wolfgang Epple, wissenschaftlicher Beirat der NI, führt fachliche Bedenken gegen die Alleinschuld des Goldschakals an:
Überwältigungs-Kapazität:
Ein Goldschakal erreicht etwa die Größe eines Fuchses oder mittleren Hundes. Dass ein einzelnes Tier eine zweistellige Anzahl an Schafen in einer Nacht tötet, widerspricht laut Epple dem typischen Jagdverhalten der Art.
Rissbild und Spurenlage:
Die NI argumentiert, dass das Schadbild eher auf wildernde Hunde hindeute. Große Hunderassen mit ausgeprägtem Jagdinstinkt neigen dazu, in einer Art „Rausch“ viele Tiere zu hetzen und zu verletzen, ohne diese zu fressen.
Die Rolle als Aasfresser:
Die nachgewiesene DNA des Goldschakals an zwei Schafen erklärt die NI mit dessen Biologie als opportunistischer Allesfresser. Es sei wahrscheinlich, dass der Schakal bereits tote Lämmer fand und von ihnen fraß, was ihn zum „Nachnutzer“, aber nicht zum Verursacher mache.
Ausblick
Das Hauptsacheverfahren soll klären, ob die Abschussfreigabe auf einer überzogenen Gefahrenprognose basierte. Die Naturschutzinitiative sieht in den nun vorliegenden Akten eine klare Entlastung des Wildtieres und kritisiert die damalige Informationspolitik der Behörden und Medien. Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts steht noch aus.
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