Dienstag 21.April 2026

Politik, Wein und klare Worte: Freie Wähler mit Streit, Aiwanger und Direktkandidaten in lockerer Runde in Freckenfeld

15. März 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Landtagswahl RLP 2026, Politik regional, Regional

Martin Oswald, Joachim Streit und auf der Leinwand: Hubert Aiwanger.
Foto: Pfalz-Express / Licht

Freckenfeld – Bei einem politischen Nachmittag auf dem Jakobshof in Freckenfeld haben die Freien Wähler Rheinland-Pfalz mit einem lockeren Format um Unterstützung geworben.

Zahlreich kamen die Besucher zusammen, darunter etliche Freie-Wähler-Bürgermeister aus der Region. Der Organisator und Direktkandidat im Wahlkreis Südliche Weinstraße, Martin Oswald, begrüßte die Gäste. Mit dabei waren natürlich auch die weiteren Direktkandidaten Anette Kloos und Laura Rummler.

Oswald: Initiative gefragt

Foto: Pfalz-Express / Licht

Oswald ging gleich mitten ins politische Geschehen und sagte, nur unzufrieden zu sein, reiche nicht aus. Man müsse selbst aktiv werden. In der Südpfalz habe sich dafür ein super Team gefunden, das eng zusammenarbeite. Er sei froh, den Weg als Kandidat gegangen zu sein und habe in den vergangenen Monaten viele tolle Menschen kennengelernt.

Kritik übte Oswald an der überbordenden Bürokratie. Als Beispiel nannte er die Dokumentationspflichten in der Landwirtschaft. Oswald (selbst Landwirt und Winzer) müsse beispielsweise minutengenau festhalten, wann er welchen Acker bearbeite oder spritze. Das sei nicht mehr praktikabel. Politik müsse hier gegensteuern und schneller handeln, sonst „sind wir bald das nächste Saarland.“

Streit lobt Kommunen und kritisiert Vorschriften

Viel Applaus gab es für den Spitzenkandidaten der Freien Wähler Rheinland-Pfalz, Dr. Joachim Streit, der persönlich nach Freckenfeld gekommen war. Gut gelaunt und umgänglich begrüßte auch er die Gäste und lobte das Engagement von Martin Oswald im Wahlkampf: „Er sagt, wo´s lang geht.“

Streit, derzeit Europaabgeordneter, ging auf die Bedeutung der Kommunen ein. Dort spiele sich das tägliche Leben ab, in Kitas, Schulen, Vereinen und im Sport, so der ehemalige Landrat. Diese Strukturen müssten erhalten bleiben. Kommunale Gebäude sollten Vereinen kostenlos zur Verfügung stehen.

Deutlich kritisierte er auch die Vielzahl an Vorschriften und Dokumentationspflichten. Alles müsse aufgeschrieben werden, doch kaum jemand „da oben“ lese es später. „Das macht überhaupt keinen Sinn.“ Dahinter stehe ein tiefes Misstrauen gegenüber Unternehmern, das störe ihn enorm. Ein Unternehmer habe selbst ein Interesse daran, dass alles korrekt laufe und brauche keine Dauerregulierung.

Kritik an der Landesregierung

Auch an der Landesregierung übte Streit Kritik. Er sprach von fragwürdigen Urlaubspraktiken und forderte ein Ende von Selbstbereicherung in der Politik.

Die Freien Wähler würden sparen und zwar zuallererst bei sich selbst im Falle einer Regierungsverantwortung. Gleich zwei Ministerien könne man streichen, sagte Streit. „Früher waren es fünf, zuletzt neun. Sieben würden reichen“, so der Spitzenkandidat. Welche Ministerien dem Rotstift zum Opfer fallen könnten, darauf wollte er sich im nachfolgenden Gespräch mit dem Pfalz-Express noch nicht festlegen. Wichtig sei: Der Bürger müsse sehen, dass man handele.

Aiwanger kritisiert Bürokratie und Ausgabenpolitik

Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, war per Live-Video zugeschaltet. Er sprach von einem Land, das sich in den vergangenen Jahren immer stärker in Regeln und Vorschriften verstrickt habe. Deutschland sei auf dem Weg zu einem „Nanny-Staat“. Überall gebe es neue Vorgaben, viele davon seien völlig absurd. „Mit solchem Unsinn haben wir uns das Leben schwergemacht.“

Foto: Pfalz-Express / Licht

Mit Steuergeldern sei Raubbau getrieben worden, so Aiwanger weiter, der sich sichtlich in Eifer redete. Deutschland habe kein Einnahmeproblem, sondern ein Ausgabenproblem. Höhere Einkommen würden durch steigende Ausgaben wieder aufgezehrt. Leistung werde zu wenig belohnt, viele Menschen hätten inzwischen Schwierigkeiten, ihre Miete zu bezahlen. „Um all diese Dinge müssen wir uns kümmern.“ Auch die Landwirtschaft brauche wieder mehr Freiraum.

Er warb dafür, die Freien Wähler zu unterstützen. Wer Freie Wähler wähle, entscheide sich für Verantwortung und nicht für Protest, so der Bundesvorsitzende. „Rheinland-Pfalz braucht euch“, rief Aiwanger den Gästen zu. Zur Wahlparty der Freien Wähler nach der Landtagswahl am 22. März in Mainz wurde er gleich eingeladen.

Jeckel kritisiert Misswirtschaft

Foto: Pfalz-Express / Licht

Auch die Landtagsabgeordnete und Juristin Lisa-Marie Jeckel meldete sich zu Wort. Sie sprach von Misswirtschaft in Teilen der Landespolitik und kritisierte Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft. Als Beispiel nannte sie Grundstücksgeschäfte im Zusammenhang mit dem Hafen Mainz, von deren Verkauf die Stadt keinen Cent gesehen habe. Seit ihrem Einzug in den Landtag habe sie vieles ernüchtert, sagte sie, oder sogar teil völlig desillusioniert. 

Weinprobe und Pfälzer Dampfnudeln

Für einen guten Tropfen sorgte Winzer Frank Bohlender aus Steinweiler. Er brachte fünf Weine zur Verkostung mit. Dazu gab es Pfälzer Dampfnudeln vom Dampfnudelhof Herxheim. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, bei Wein und Gesprächen mit den Politikern ins Gespräch zu kommen.

Positives Fazit

Zum Abschluss zog Martin Oswald ein ausgesprochen positives Fazit. Es sei ein politischer Nachmittag mit einem bunten Potpourri an Gästen gewesen. In entspannter und freundlicher Atmosphäre hätten sich viele Besucher bei gutem Wein austauschen können. Besonders gefreut habe ihn, dass zahlreiche Gäste mit Spitzenkandidat Streit ausführlich sprechen und ihre Anliegen vorbringen konnten. (cli)

Foto: Pfalz-Express / Licht

 

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