
Bürgermeister Dr. Maximilian Ingenthron (r.) hat sich gemeinsam mit (v.l.n.r.) Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer, dem stellvertretenden Leiter des Stadtbauamts, Ralf Bernhard, und der Leiterin der Grünflächenabteilung, Sabine Klein, ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten am Synagogen-Mahnmal gemacht.
Foto: stadt-landau
Landau. Im Zuge des Ausbaus der Friedrich-Ebert-Straße wird aktuell auch das Mahnmal, das an die frühere Landauer Synagoge erinnert, neu gestaltet und aufgewertet. Der Platz, der das Mahnmal umgibt, soll künftig den Namen „Elias-Grünebaum-Platz“ tragen.
Ferner sollen die Bushaltestelle „Versorgungsamt“ in „Synagogen-Mahnmal“ umbenannt und die Bezeichnung „Ruhango-Kreisel“ zurückgenommen werden. Eine entsprechende Sitzungsvorlage hat die Stadtverwaltung für die Sitzung des Hauptausschusses am kommenden Dienstag, 25. Oktober, erarbeitet. Bei deren Vorberatung im Ältestenrat haben die Fraktionen mit einer Ausnahme Zustimmung signalisiert.
Der Vorschlag geht auf eine Initiative des Vorsitzenden der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Pfalz, Dr. Wolfgang Pauly, zurück. Er hatte bei einer Veranstaltung im Juli die Verdienste des über Jahrzehnte in Landau wirkenden Rabbiners herausgestellt und die Benennung des Vorplatzes vor dem Mahnmal angeregt.
„Ich habe diesen Vorschlag gerne und aus voller Überzeugung aufgegriffen“, erläutert Bürgermeister und Bau- und Kulturdezernent Dr. Maximilian Ingenthron. „Wie kein Zweiter steht Grünebaum für die große Tradition des jüdischen Lebens über Jahrhunderte in Landau, für ein ebenso aufgeklärtes wie assimiliertes jüdisches Bürgertum in der Mitte der Stadt.“
Um das Mahnmal wieder stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, habe neben der Neugestaltung auch eine erstmalige Namensgebung nahe gelegen, so Ingenthron weiter. „Die Benennung nach dem bedeutenden Geistlichen und Gelehrten Elias Grünebaum bietet sich an dieser Stelle geradezu an.“

Der Vorplatz des Synagogen-Mahnmals soll künftig den Namen des Rabbiners Elias Grünebaum tragen.
Fotoquelle: stadt-landau
Elias Grünebaum wurde im Jahr 1807 in Reipoldskirchen geboren und wirkte von 1836 bis zu seinem Tod im Jahr 1893 als Bezirksrabbiner in den jüdischen südpfälzischen Gemeinden mit Sitz in Landau. Hier verstarb er auch.
Als einer der ersten wissenschaftlich gebildeten Rabbiner hatte er in Bonn und München Philosophie und Arabisch studiert. Seine in Landau veröffentlichten Schriften erlebten zahlreiche Auflagen.
Sein Hauptanliegen galt den Ideen des Reformjudentums, das in der Bayerischen Rheinpfalz stark verbreitet war. Kernstück dieser Richtung war die Integration und Assimilation der Juden in die nichtjüdische Gesellschaft als „Gleiche unter Gleichen“ und die Abkehr von orthodoxem zionistischem Gedankengut.
Ohne sein Engagement hätten weder der Landauer jüdische Friedhof noch der Bau der Synagoge realisiert werden können. Am 5. und 6. September 1884 fand die feierliche Einweihung der Synagoge statt, bei der Elias Grünebaum die Festpredigt hielt.
Auch von staatlicher Seite wurden seine Leistungen honoriert. 1886 erhielt er für seine „Vaterlandsliebe und sein nützliches Wirken“ den bayerischen Michaelsorden II. Klasse. Elias Grünebaum war mit Johannette Strauß verheiratet, das Ehepaar hatte zwölf Kinder und wohnte in der Langstraße 11.
„Die Nationalsozialisten wollten das jüdische Leben in seiner Gesamtheit auslöschen – umso wichtiger ist es, an dessen über Jahrhunderte erbrachten Beitrag zur deutschen Geschichte zu erinnern. Deshalb ist es aus historischer Perspektive die richtige Entscheidung, stellvertretend und symbolisch Elias Grünebaum zu würdigen,“ betont Ingenthron zusammenfassend.
Die bereits erfolgte Benennung des an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße / Reiterstraße / Königstraße entstehenden Kreisverkehrs in „Ruhango-Kreisel“ soll in der Sitzung am 25. Oktober zurückgenommen werden.
„Wir wollen eine einheitliche Namensgebung“, erläutert Ingenthron. Stattdessen plant die Stadt, den nächsten fertigzustellenden Kreisel nach dem Partnerbezirk in Ruanda zu benennen.
Das neugestaltete Umfeld des Synagogen-Mahnmals soll am 9. November mit der Gedenkveranstaltung an die Reichspogromnacht der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Grünfläche wird vergrößert und das Ensemble erhält eine Einfassung aus Stahl, in die Steine der ehemaligen Synagoge eingearbeitet werden. Zudem werden Sitzbänke und eine Informationstafel aufgestellt. Das Mahnmal wird künftig beleuchtet.
Die Landauer Synagoge war in den Jahren 1882 bis 1884 errichtet worden. Während der Novemberpogrome im Jahr 1938 wurde sie zerstört. Seit 1968 erinnert das Mahnmal der Künstlerin Margot Stempel-Lebert an das Bauwerk. (stadt-landau)

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