
Verbandsbürgermeister Christian Burkhart
Foto: Pfalz-Express/Ahme
Der Pfalz-Express (PEX) traf Christian Burkhart zum Interview. Burkhart wurde am 6. April 2025 für eine weitere Amtszeit von 8 Jahren zum Verbandsbürgermeister der VG Annweiler am Trifels gewählt.
PEX: Herr Burkhart, Sie sind seit 2018 Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels. Was hat Sie motiviert, dieses Amt zu übernehmen, und was trieb Sie an, sich 2025 erneut zur Wahl zu stellen?
B: Bevor ich Bürgermeister wurde, war ich bereits 2014 Ortsbürgermeister von Waldhambach, wo ich auch lebe. Ich wollte mich schon immer in die Gemeindearbeit einbringen. Es hat mir seit dem ersten Tag Spaß gemacht – die Leute waren, wie sie mir sagten, sehr zufrieden mit meiner Arbeit. 2017 gab es in Annweiler Wahlen zum VG-Bürgermeister. Der damalige Bürgermeister Kurt Wagenführer hatte gesundheitsbedingt seine Kandidatur zurückgezogen und ich wurde, mit Unterstützung von Kurt Wagenführer, von CDU, FWG und FDP vorgeschlagen.
Ich habe mir gut überlegt, ob ich das wagen wollte, denn es war ja etwas ganz Neues für mich. Dann bin ich im ersten Durchgang gewählt worden. Auch für die Wiederwahl im April habe ich wieder gut überlegt. Meine Familie hat mich auch hier wieder unterstützt. Das Positive meiner Erfahrungen hat deutlich überwogen und die Familie hat meine Entscheidung akzeptiert. Es freut mich sehr, weiter gestalten zu können.
PEX: Vor Ihrer Tätigkeit als Bürgermeister waren Sie Polizeibeamter. Wie haben Ihre Erfahrungen in diesem Beruf Ihre Arbeit als Verbandsbürgermeister geprägt?
B: Das hat mir sehr viel gebracht und hat mir ungemein geholfen. Die Polizei gehört ja zum öffentlichen Dienst. Man lernt dort den Umgang mit Menschen. Wie löse ich Konflikte, wie führe ich Mitarbeiter? Dinge, die man auch als VG-Bürgermeister, als Repräsentant, Sitzungsleiter und in der Leitung einer VG gut gebrauchen kann. Das war eine sehr gute Ausbildung. Aber man muss in das Amt hineinwachsen.
PEX: Was war für Sie der bisher schönste Erfolg in Ihrer Amtszeit, und welche Herausforderung hat Ihnen am meisten abverlangt?
B: Die größte Herausforderung war die Sanierung des Trifelsbades. Das war mitten in der Coronakrise und das hat mich auch körperlich gefordert.
Schönstes Erlebnis war die Etablierung einer Jugendbeteiligung als Ergebnis der Teilnahme bei „Jugend entscheidet“ und die Verwirklichung der dadurch erarbeiteten Wünsche. So etwas macht mich zufrieden.
PEX: Welche großen Projekte trugen und tragen zur Weiterentwicklung des Trifelslandes bei?
B: Das ist zum Beispiel die Umsetzung der Maßnahmen des Pilotprojektes „KlimawandelAnpassungsCOACH RLP. Die meisten Maßnahmen daraus sind umgesetzt. . Oder auch die Gründung der Trifelsland Infrastruktur GmbH zur Durchführung eigener Tiefbauarbeiten um zügiger und kostensparender agieren zu können oder die Erarbeitung eines Hochwasserschutzkonzepts.
PEX: Die Verbandsgemeinde hat in den letzten Jahren in Infrastrukturprojekte wie das neue Feuerwehrhaus oder das Trifelsbad investiert. Wie bewerten Sie den Fortschritt und die Herausforderungen solcher Großprojekte?
B: Gerade bei einem Feuerwehrhaus sind Brandschutz, Vergaberecht und Einhaltung der Unfallvorschriften zu beachten – jedes für sich ein eigenes Problemfeld. Insgesamt leiden wir unter einer überbordenden Bürokratie. Das ist die größte Herausforderung neben dem Personalmangel. Gegen Vorschriften kommt man nicht an. Ich würde mir wünschen, dass man den „Umsetzern“ Ermessungsspielräume lassen sollte. Die Landesregierung hat schon in Teilen die Problematik erkannt: man bekommt pauschale Geldzahlungen, das sind 104.000 Euro pro Jahr, berechnet nach Einwohner und Fläche als Schlüssel.
Diese Gelder kommen seit diesem Jahr aus der Feuerschutzsteuer. Vorteil: Man muss keinen Antrag stellen, das geht unbürokratisch und schnell. Man sieht: An der einen oder anderen Stelle hat sich schon etwas getan. Das Feuerwehrhaus mit Außenbereich ist inzwischen fertig. Nur die Elektroverteilung muss man neu aufsetzen.
PEX: Wie gehen Sie mit der aktuellen Herausforderung der Digitalisierung in der Verwaltung um, und welche Fortschritte gibt es beispielsweise bei der neuen Homepage und/oder den digitalen Bürgerdiensten?
B: Wir sind dabei, Schritt um Schritt Dinge umzusetzen. Zum Beispiel kann man Ummeldungen online abwickeln oder Feuerwehrausweise online beantragen. Bei Urkunden, wenn Unterschriften benötigt werden, ist das etwas schwieriger. Wir sind auf dem Weg und müssen uns nicht verstecken. Thema ist auch Nutzung der KI in der Verwaltung. Jeder kann sich hier Zugänge schaffen, natürlich datenschutzkonform. Da, wo es passt, ist es ein tolles Instrument. Man kann viel Zeit sparen!
PEX: Waren denn alle Mitarbeiter begeistert?
B: Nicht alle. Und es sind nicht unbedingt die Jüngeren, die sich schwer tun. Ein Beauftragter kümmert sich um die Digitalisierung – er ist auch für den Datenschutz zuständig.
PEX: Die Verbandsgemeinde setzt auf Umweltschutz und Klimaschutz, etwa durch Projekte wie den Klima- und Naturerlebnispfad oder die Förderung von Balkonkraftwerken. Welche weiteren Maßnahmen planen Sie, um die Region nachhaltiger zu gestalten?
Die Verbandsgemeinde arbeitet derzeit an der kommunalen Wärmeplanung. Welche konkreten Szenarien zeichnen sich hier bisher ab?
B: Die 1. Förderphase Entwicklung Klimaschutzkonzept ist Anfang 2025 ausgelaufen, aber wir haben eine Anschlussförderung erreicht. Ab 1.10. kommt ein junger Mann aus der Fachhochschule und der soll sich die nächsten drei Jahre um Dinge wie Gebäudesanierung oder Infos der Bevölkerung kümmern.
Parallel dazu ist die erste Phase der kommunalen Wärmeplanung abgeschlossen. Da geht es um eine Potentialuntersuchung. Windkraft, Tiefengeothermie und Wasserkraft sind nicht möglich bei uns, aber oberflächennahe Geothermie. So soll die in die Jahre gekommene Heizanlage im Rathaus eine Wärmepumpe bekommen. Die Stadtwerke könnten zu einem späteren Zeitpunkt angeschlossen werden. Fernwärme und Windkraft scheinen eher unwahrscheinlich zu sein. Die Wärmeplanung soll Ende des Jahres abgeschlossen sein, dann kennen wir die Potentiale.
PEX: Der B-10-Basistunnel ist ein viel diskutiertes Thema in der Region. Welche Vorteile sehen Sie in diesem Projekt, und wie stehen Sie zur aktuellen Planung?
B: Ja, das ist eine Herausforderung! Die Eröffnung werde ich wahrscheinlich nicht mehr miterleben (lacht). Gut ist, es gibt jetzt ein Ergebnis, schlecht ist: Es hat sich zu lange hingezogen. Das Planstellungsverfahren kommt jetzt erst. Der LBM sagt, er habe kein Personal. Ich befürchte, dass wir in 5 Jahren am gleichen Punkt sind. Es wird immer schlimmer, die Leute lehnen sich immer mehr auf….unerträglich dieser Verkehr durch die Stadt.
Ich sage: Transitverbot bis zur Eröffnung des Basistunnels auch tagsüber!!! Intern sind wir im Austausch darüber. In die Ausbauplanung ist inzwischen viel Geld, Zeit und Energie hineingeflossen!
PEX: Die Verbandsgemeinde Annweiler liegt in einer touristisch attraktiven Region. Wie möchten Sie den Tourismus weiter stärken und welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit dem Verein Südliche Weinstraße Annweiler e.V.?
B: Wir wollen gute Dienstleister sein. Ich bin ja als Bürgermeister erster Vorsitzender des Vereins. Wir schaffen eine Infrastruktur für den Tourismus. Zum Beispiel den Trifelserlebnisweg von der Stadt hoch zum Trifels mit digitalen Elementen. Dann haben wir den Käschdeerlebnisweg und bald den Klimawandelpfad am Silzer See. Dieses Areal ist besonders interessant.
Es geht generell um die Fortschreibung vom Tourismuskonzept und um Barrierefreiheit (nachhaltige Reiseregion). Das Thema Mobilität ist mir sehr wichtig; heißt, das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr zu flexibilisieren. Und dadurch auch neue Besuchergruppen zu erschließen. Denkbar wäre eine VRN Flexline wie in Edenkoben, da abends oder am Wochenende die ÖPNV-Verbindungen nicht so gut sind. Das wäre eine gute Alternative.

Foto: Pfalz-Express
PEX: Die Verbandsgemeinde fördert das Ehrenamt, etwa durch den Ehrenamtspreis. Wie wichtig ist Ihnen die Unterstützung von ehrenamtlichem Engagement, und welche neuen Initiativen planen Sie in diesem Bereich?
B: Wir haben in der VG 150 bis 200 Vereine. Ich selbst bin auch durch mein Amt und privat in verschiedenen Vereinen. Die Ehrenamtskarte ist ja vom Land eingeführt worden um das Ehrenamt sichtbarer zu machen. Und wenn Vereine bei mir anfragen, dann versuche ich auf jeden Fall, sie zu unterstützen.
PEX: Wie fördern Sie die Zusammenarbeit zwischen den 13 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde, um „ein starkes Miteinander“ zu gewährleisten?
B: Ich versuche, mit allen Kollegen gemeinsam voranzukommen. Es gibt offizielle Zusammenkünfte, aber auch informelle Bürgermeisterrunden. Meine Tür steht immer zum Austausch offen. So versuche ich, Verbindung zu schaffen. Das wird von den Kollegen auch so wahrgenommen. Man sollte sich ab und zu treffen. Offiziell einmal im Quartal und darüber hinaus lädt jeder einmal ein. Finde ich sehr förderlich.
PEX: Das Jubiläums-Sommerfest der Verbandsgemeinde stand unter dem Motto „Mit den Bürgern, für die Bürger“. Hat das diesjährige Sommerfest am Samstag, 30. August 2025 ab 11 Uhr auf dem Messplatz in Annweiler auch ein Motto?
B: Das Motto ist nicht jedes Jahr unterschiedlich, sondern wiederkehrend. Zum 40. Jubiläum wurde das Fest gegründet. Die Bühne über dem Wasser ist sehr gut angekommen. Dieses Jahr haben wir wieder einen Stand der Azubis um Nachwuchswerbung zu machen. Wir haben die jungen Leute gefragt, was würdet ihr euch wünschen? Das Ergebnis: Infos mit 3D-Brillen.
PEX: Welche Herausforderungen sehen Sie für die Verbandsgemeinde in den nächsten Jahren, etwa in Bezug auf demografischen Wandel oder wirtschaftliche Entwicklung?
B: Der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels wird im Landesgesetz zur Ausführung des Regionalen Zukunftsprogramms ein Betrag von 2,729.406 Euro zugewiesen. Der VG-Rat hat in zwei Sitzungen über die Verwendung der Fördermittel entschieden. Derzeit werden die erforderlichen Projektdatenblätter erarbeitet (Kosten, Maßnahmenbeschreibung etc). Größter Posten ist mit 533.000 Euro die Sanierung des Stadions, oder mit 430.000 Euro die Lüftungsanlage und Wärmeversorgung des Ratssaal.
Wirtschaftlich können wir uns nicht so ausbreiten wie andere Gemeinden, das geht durch unsere Lage nicht.
Wir müssen vielmehr die aktuellen Betriebe halten und uns im Tourismus noch mehr profilieren, vielleicht durch mehr Gastronomie.
Beherbergungsbetriebe sollten die Bettenkapazität erhöhen. Wird es ein neues Hotel geben? Wer weiß.
Über das Förderprogramm „Regional.Zukunft.Nachhaltig“ wird zusätzliche Lebensqualität generiert.
Es wird einen Bouleplatz in Dernbach oder eine PV-Anlage auf der Löwensteinhalle in Albersweiler geben. In jedem Ort soll es Carsharing mit Ladesäulen geben. Dafür ist eine halbe Million Euro vorgesehen.
PEX: Was ist Ihre Vision für die Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels bis zum Ende Ihrer Amtszeit? Wo sehen Sie die Verbandsgemeinde Annweiler in zehn Jahren?
B: Der Feuerwehrbereich soll weiter gestärkt werden. Das Mobilitätsthema ist mir wichtig. Außerdem der Lückenschluss des Radwegs zwischen Albersweiler und Annweiler-Queichhambach. Wir wollen eine verkehrssichere Lösung, das soll zeitnah umgesetzt werden.
PEX: Nochmal zurück auf Anfang: Die Wahlbeteiligung lag bei 33 Prozent…
B: Bedauerlich, dass die Wahlbeteiligung so niedrig war. Aber die Leute sind zufrieden. Ich habe nicht zuletzt Wahlkampf gemacht um zu motivieren.
PEX: Wie würden Sie sich selbst einschätzen?
B: Ich möchte, dass sich etwas bewegt. Ich möchte unsere Verbandsgemeinde voranbringen, sie noch liebens- und lebenswerter machen.
PEX: Vielen Dank für das Gespräch! (Das Interview führte Desirée Ahme)

Verbandsgemeinde Annweiler
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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