
Ministerin Schall war sehr interessiert und begeistert von der zukunftsweisenden Forschung, die sie im Elmsteiner Tal nicht erwartet hatte.
Quelle: Stadt Neustadt
Neustadt. Die rheinland-pfälzische Ministerin für Digitalisierung, Dörte Schall, hat sich über laufende Bahnforschungsprojekte informiert, die von Hitachi Rail GST Deutschland GmbH auf der Kuckucksbähnel-Strecke im Elmsteiner Tal durchgeführt werden.
Der Besuch begann mit einer kurzen Führung durch das Eisenbahnmuseum der Pfalz. Anschließend bestieg Ministerin Schall am Neustadter Hauptbahnhof einen von Hitachi Rail zum Forschungslabor umgebauten Triebwagen. Hitachi Rail GST Deutschland GmbH ist die deutsche Tochtergesellschaft der japanischen Hitachi Rail Ltd., einem international tätigen Unternehmen für Bahn- und Signaltechnologie, das in etwa 50 Ländern aktiv ist.
Die Kuckucksbähnel-Strecke zwischen Frankeneck und Elmstein wird an Werktagen nur selten im regulären Verkehr genutzt und dient daher als Teststrecke für neue Eisenbahntechnologien.
Im Mittelpunkt steht die Erprobung von Komponenten des europäischen Zugsicherungssystems ETCS (European Train Control System) in Bezug auf Infrastruktur und Fahrzeugtechnik.Im Vergleich zum Straßenverkehr, wo ein Lkw mit demselben Fahrer aufgrund einheitlicher Regeln und Verkehrszeichen problemlos quer durch Europa fahren kann, ist der grenzüberschreitende Bahnverkehr derzeit aufwendiger.
Jedes Land verfügt über eigene Signal- und Sicherungssysteme. Dadurch müssen an Grenzen entweder Lokomotiven und/oder Lokführer gewechselt oder Fahrzeuge mit mehreren nationalen Systemen ausgerüstet werden. Lokführer benötigen zudem länderspezifische Qualifikationen. Ein einheitliches ETCS-System europaweit könnte diese Barrieren abbauen, Kosten senken (durch Zulassung von Fahrzeugen und Personal für den gesamten Raum) und durchgehende Zugverbindungen ohne Unterbrechungen an Grenzen ermöglichen.
Darüber hinaus erhöht ETCS die Sicherheit und kann die Streckenkapazität steigern. Da es sich um ein digitales System handelt, entfällt zudem die Notwendigkeit vieler konventioneller Streckensignale, was weitere Einsparungen ermöglicht. Hitachi Rail testet auf der Strecke ETCS Level 1 und Level 2 (mit und ohne Funkübertragung) sowie die zugehörigen Fahrzeugsteuerungssysteme.
Dazu wurden auf den Schwellen gelbe Balisen (Transponder) installiert, die beim Überfahren Daten an das Fahrzeug übermitteln.Weitere Forschungsschwerpunkte umfassen: Satellitengestützte Zugortung und -steuerung.
Für zukünftige Automatisierungsstufen (z. B. fahrerloser Betrieb / ATO) ist eine sehr präzise Fahrzeugortung erforderlich. Reine GPS-Ortung reicht dafür oft nicht aus, insbesondere in Tunneln oder bei Abschattung. Daher werden kombinierte Systeme entwickelt, die Satellitendaten mit weiteren Sensoren und Referenzsystemen koppeln, um eine durchgehend hochgenaue Positionsbestimmung zu erreichen.
Hinderniserkennung
Zur Steigerung der Sicherheit und als Voraussetzung für höhere Automatisierungsgrade werden Systeme erprobt, die Hindernisse im Gleis zuverlässig erkennen und klassifizieren können – möglichst unabhängig von Wetter, Lichtverhältnissen oder anderen Umgebungsbedingungen. Hier kommen verschiedene Sensortechnologien wie Kameras, Radar, Lidar und weitere zum Einsatz.
Fernsteuerung von Zügen
Untersucht wird, inwieweit Züge sicher über moderne Mobilfunknetze (z. B. 5G) aus einer Leitstelle ferngesteuert werden können. Neben der Übertragungstechnik spielen Aspekte wie Sicherheit, Redundanz und Latenz eine zentrale Rolle.
Die Forschungs- und Testfahrten erfolgen in Kooperation mit der UEF Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft mbH mit Sitz in Germersheim. Weitere Informationen sind auf der Website des Eisenbahnmuseums der Pfalz verfügbar: www.eisenbahnmuseum-der-pfalz.de

Das Kuckucksbähnel dürfte der bekannteste Neustadter Dampfzug sein. Die Strecke Richtung Elmsteiner Tal wird an Werktagen als Teststrecke genutzt.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

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