
Seltene mennonitische Reisebibel
Foto: privat
Neustadt. Ein außergewöhnlicher Schatz aus mennonitischer Tradition wird am Sonntag, 14. Mai, 10 Uhr feierlich dem Bibelmuseum Neustadt im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes der mennonitischen Gemeinde Neustadt im Branchweilerhof 10a übereignet.
Nur noch fünf weitere Exemplare sind weltweit nachgewiesen, so Michael Landgraf vom Pfälzischen Bibelmuseum in Neustadt. Es handelt sich um ein 1687 im Druckerverlag Hieronymus Schwarzen, Basel, entstandenes Exemplar eines Neues Testaments, dessen Übersetzung an den Urtexten orientiert ist und das „gezieret“ sei „mit viel schönen und notwendigen Conkordantzen.“
Die im handliche Format von 10 x17 cm gebundene Bibel umfasst rund 800 Seiten und wurde fachmännisch durch die Buchbinderei von Klaus und Hedwig Müller in Nussdorf restauriert. Sie stammt aus der Sammlung des in Mainz lebenden Pfälzer Volkskundlers und Ethnologe Helmut Seebach. „Mir ist diese historischen Rarität als Erbe meiner mennonitischen Vorfahren, die sie als Reisebibel nutzten, zugefallen“ berichtet Seebach.
„Sie wurde im Rahmen von Sonntagspredigten in den mennonitischen Höfen rund um Annweiler wie der Rothenhof, Mettenbacher-, Vogelstocker- oder Modenbacherhof weitergereicht.“ Die Mennoniten durften lange Zeit keine eigene Kirche besitzen, erst mit der 1739 erbauten Reformierten Kirche in Queichhambach stand ihnen ein Gotteshaus zur Verfügung.
Michael Landgraf wird im Rahmen des mennonitischen Sonntagsgottesdienstes die Predigt halten, in der er Grundlegendes auch zu dieser Bibel vortragen wird. Seebach wird im Anschluss an den Gottesdienst in die Glaubens- und Lebenswelt der Täufer einführen.
Diese besiedelten und kultivierten vor allem nach dem 30jährigen Krieg die zerstörte Pfalz wieder und sind seither fester Bestandteil des Glaubenslebens der Region. Seebachs Meinung nach waren die Mennoniten die einzige christliche Gemeinschaft, bei denen beides, Glaube und Wissen zusammengingen.
Daher hätten sie eine Glaubens- und Lebenserneuerung in die Pfalz gebracht. „Ihre Richtschnur und Handlungsanleitung im täglichen Leben war stets die Bibel“, betont Seebach. Der Referent wird dies anhand konkreter Bibelstellen aufzeigen.

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