Brüssel – Die Nato erwägt offenbar Schritte gegen Russlands Atomprogramm.
Nach Überzeugung der Allianz verletzt Präsident Wladimir Putin eines der bedeutendsten Abrüstungsabkommen der vergangenen Jahrzehnte – den INF-Vertrag von 1987, berichten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR.
Er verbietet den Besitz von bodengestützten Kurz- und Mittelstreckenraketen sowie von Marschflugkörpern mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Für die Nato stellt dieser Bruch nach eigenen Angaben eine „ernste Besorgnis“ dar.
Den drei Medien zufolge hat das Bündnis ein als geheim eingestuftes Papier an die Mitgliedsstaaten übermittelt, in dem es darum geht, wie auf den Bruch reagiert werden könnte. Das Dossier, das den Namen „Was wäre wenn“ trage, liste insgesamt 39 Optionen auf. Einige seien sehr weitreichend, zum Beispiel sei davon die Rede, die nukleare Abschreckung der Nato auszubauen.
Auf der Liste finden sich Empfehlungen, mehr Frühwarnsysteme zu installieren, die U-Boot-Abwehr zu verstärken und B-2- und B-52-Bomber häufiger in Europa einzusetzen. Auch die Einsatzbereitschaft jener Flugstaffeln in Europa zu erhöhen, die Atombomben abwerfen können, werde genannt. Deutschland gehört zu den Ländern, in denen diese Staffeln stationiert sind.
Ausdrücklich abgeraten wird dagegen von neuen Sanktionen. Keine Option für die Autoren sei es auch, dass die USA den INF-Vertrag kündigen und in Forschung und Entwicklung von Kurz- und Mittelstreckenwaffen einsteigen. Obwohl der INF-Vertrag nur Bau und Stationierung verbietet, befürchtet die Nato, dass diese Schritte die „anti-amerikanische Stimmung verschärfen“ würden.
Nach Angaben aus Nato-Kreisen wird in der US-Regierung jedoch über einen solchen Schritt nachgedacht, auch weil US-Präsident Donald Trump unter dem Druck des Kongresses steht. Allerdings werde in dem Dossier ebenso darüber nachgedacht, wie Russland an den Verhandlungstisch gebracht werden könne. Die Nato fordere Russland auf, „konstruktiv zur Lösung dieses entscheidenden Themas beizutragen“.
Den Inhalt der vertraulichen Überlegungen wollte das Bündnis nicht kommentieren. (dts Nachrichtenagentur)

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