Montag, 16. September 2019

Musik-Festival am Pfingstsonntag in Herxheim: „Eine Plattform für Begegnungen – auch Akt der Integration“

13. Mai 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Südliche Weinstraße, Kultur, Regional
V.li.: Armin Schowalter vom Verein Südstern e.V. , die Rohrbacher Singer- und Songwriterin „Mai“, Michael d’Aguiar (PR-Agentur „hauspresse.de“.

V.li.: Armin Schowalter vom Verein Südstern e.V. , die Rohrbacher Singer- und Songwriterin „Mai“, Michael d’Aguiar (PR-Agentur „hauspresse.de“.

Herxheim – An Pfingstsonntag (15. Mai) treten in Herxheim beim Begegnungsfest auf einer Open Air Bühne vor dem Rathaus insgesamt zwölf musikalische Künstler oder Ensembles auf und laden bei freiem Eintritt zum gemeinsamen Feiern ein.

Initiiert hat das Festival die aus Rohrbach stammende Singer- und Songwriterin „Mai“. Gemeinsam mit Armin Schowalter vom Verein Südstern e.V. sowie der Herxheimer PR-Agentur „hauspresse.de“, mit Michael d’Aguiar, wird bereits seit Monaten die Idee in die Tat umgesetzt.

Am vergangenen Sonntag endete mit Erfolg eine sogenannte Crowdfunding-Aktion der Festival-Organisatoren, mit der Gelder zur Finanzierung der Veranstaltung gesammelt wurden. Die Pfalz Express Redaktion traf sich im Vorfeld der Veranstaltung mit den drei Hauptverantwortlichen zum Pressegespräch.

Sie sammeln bereits seit Monaten Geld zur Festival-Finanzierung. Am Sonntag lief die Internet-Aktion aus. Konnte das Funding-Ziel erreicht werden?

Schowalter: Für mich war es die erste Funding-Aktion in dieser Art und wirklich eine sehr spannende Erfahrung. Auf den letzten Metern haben wir tatsächlich das anvisierte Geld zusammenbekommen. Das ist eine tolle Leistung, für die allen Unterstützern unser größter Dank gebührt.

Mai: Wir freuen uns natürlich super über die zahlreichen Menschen und Firmen, die sich an der Aktion beteiligt haben. Ohne die zusätzliche Unterstützung aus der Künstlerwelt wäre es aber tatsächlich eng geworden.

Zum Beispiel haben sich die Dicken Kinder bereit erklärt zugunsten der Veranstaltung ein Wohnzimmer-Konzert zu spielen. Das hat tatsächlich jemand gesteigert, was uns weitere 1.500 Euro eingebracht hat.

Generell scheint die Unterstützung auch seitens der Künstler recht groß. Sie haben zahlreiche Acts oder Ensembles, die tatsächlich eine sehr weite Reise antreten, um in Herxheim auftreten zu können. Wie kam es zu diesen Zusagen?

Mai: Da ich selbst als Künstlerin viel unterwegs bin, konnte ich mir mit der Zeit ein großes Netzwerk aufbauen. Dadurch konnte ich viele Kollegen auf das geplante Benefizkonzert in Herxheim aufmerksam machen. Ich muss sagen, ich war selbst überwältigt, wie groß der Zuspruch tatsächlich war. Zumal alle Beteiligten auf ihre Gage verzichtet haben. Das ist wirklich überwältigend.

Das Begegnungsfest trägt den Titel „Mittendrin & Bunt“. Als Sie mit der Planung begonnen haben, rechneten Sie mit etwa 800 Menschen, die nach ihrer Flucht eine erste Unterkunft in der Herxheimer Aufnahmeeinrichtung hätten finden sollen. Aufgrund der politischen Lage steht die Einrichtung nun leer. Hat ihr Open Air da nicht sein Ziel verfehlt?

D’Aguiar: Keineswegs! Als Mai dieses Idee mit Armin (Schowalter – die Red.) diskutierte, war von der Erstaufnahmeeinrichtung in Herxheim noch gar nicht die Rede. Es ging in erster Linie darum, die Kraft der Musik zu nutzen, um Menschen aus verschiedenen Kulturen eine Begegnung zu ermöglichen.

Als die Nachricht der Erstaufnahmeeinrichtung in Herxheim publik wurde, war klar, diesen Event hier vor Ort auszurichten. Da nahezu 200 Menschen in den letzten Wochen auf der Flucht vor Krieg in Herxheim eine neue Bleibe gefunden haben, macht es nach wie vor Sinn hier eine Plattform für Begegnungen zu schaffen.

Wird es neben dem musikalischen Programm auch weitere Angebote geben und gibt es ein politisches Statement, das Sie mit Hilfe dieses Festivals transportieren möchten?

Mai: Das Jugendzentrum in Herxheim wird noch eine weitere kleine Open-Air-Bühne auf dem Parkplatz errichten, um mit Angeboten speziell für Kinder und Jugendliche Raum für Begegnungen zu schaffen.

Was politische Statements betrifft, wollen wir den eigentlichen Sinn des Festivals, den der Begegnung, in den Vordergrund stellen. Den Künstlern steht es natürlich frei, sich zur aktuellen Lage zu positionieren.

D’Aguiar: Es ist in der Tat eine Schande, wenn ich aus unserem Bürofenster jeden Tag auf die leerstehende Einrichtung blicke und vor mir auf dem PC-Monitor die katastrophalen Zustände in den griechischen und türkischen Flüchtlingseinrichtungen aufpoppen. Dennoch geht es bei dem „Mittendrin & Bunt“ Festival in erster Linie um die Begegnung als Akt der Integration.

Schowalter: Wir haben lange diskutiert, ob und in welcher Form wir Statements zur politischen Situation auf der Bühne verkünden wollen. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, dass wir den Künstlern überlassen, was sie dazu zu sagen haben.

Wir sind es glaube ich auch unserer Schirmherrin Hedi Braun (Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Herxheim – die Red.) schuldig, uns hier nicht auf die politische Ebene zu begeben. Auch wenn die ganze Situation natürlich hoch politisch ist.

Auf welche Künstler freuen Sie sich am meisten?

Mai: Ich freue mich natürlich auf alle Künstler, auf Enno Bunger oder Heinz Ratz. Aber ganz besonders jedoch auf den Pianisten und Sänger Aeham Ahmad aus Syrien, der inmitten von Trümmern in den syrischen Kriegsgebieten Konzerte, insbesondere für Kinder, gab.

Schowalter: Dass der Flüchtlingschor „Zuflucht“ von München nach Herxheim kommt, das finde ich schon grandios. Als ich diesen Chor in der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ sah, war das wirklich ein sehr berührender Gänsehaut-Moment.

D’Aguiar: Das gesamte Line-Up ist der Kracher, insbesondere auch die lokalen Acts. Ich selbst freue mich ganz besonders auf Boppin B., die ich schon lange nicht mehr bei uns in der Region erleben durfte.

Mittendrin & Bunt Festival
Open Air am Dorfbrunnen in Herxheim
15. Mai (Pfingstsonntag) – 11-23.30 Uhr

Aeham Ahmad, Boppin B., Chor Zuflucht, Enno Bunger, Ewian, Fine R.I.P, Luis Baltes, Mai, Nino Cavallo, Strom & Wasser feat. The Refugees, Solomon Seed, Südpfalzlerchen. Moderation: Jochen Wingerter (Joe Schorlé).

Kinder- und Jugendbühne vor dem Jugendzentrum mit den Künstlern Christian Lehr, Samy Wayne und Andreas Biehn, mit Tanzvorführungen und Mitmach-Angeboten.  (red)

Aeham Ahmad

Aeham Ahmad

 

Boppin B.

Boppin B.

 

Enno Bunger

Enno Bunger

 

Mai

Mai

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