Germersheim – Fast genau zwei Jahre war Major Robert Schilling im Luftwaffenausbildungsbataillon Stellvertreter des Kommandeurs. Nun verlässt er am Wochenende die Südpfalz-Kaserne.
Als er seinen Dienst im Januar 2014 in Germersheim antrat, war er im wahrsten Wortsinn Stellvertreter: Der damalige Kommandeur Oberstleutnant Dietmar Hinze war einige Tage zuvor mit zwei Kontingenten zu einem über vier Monate langen Auslandseinsatz nach Afghanistan aufgebrochen.
Fortan war der damals 34-jährige Schilling allein verantwortlich für die Führung des Bataillons und meisterte zahlreiche neue Facetten in seinem Berufsleben.
Die Diskussion um die Umbenennung der damals noch „Sponeck“ heißenden Kaserne begann zu dieser Zeit – das und die schleppenden Infrastrukturmaßnahmen waren nur zwei der zahlreichen Aufgaben, die der Major umgehend anzupacken hatte.
Die Menschen in der Kaserne, die freundliche Art der Bürger und das Engagement der lokalen Politik hätten es ihm allerdings leicht gemacht, sich hier wohlzufühlen, sagt Schilling. Eine so enge Verbundenheit der Bevölkerung mit den Soldaten habe er selten derart ausgeprägt erlebt wie in der Südpfalz. Auch die Patenschaften der Gemeinden bis zu den Kompanien seien außergewöhnlich herzlich und lebendig.
Bürgermeister Marcus Schaile habe immer selbstverständlich und völlig unbürokratisch den Park Fronte Lamotte für die öffentlichen Gelöbnisse zur Verfügung gestellt. Der jährliche Standortball zusammen mit der Stadt sei eine Erfolgsgeschichte, so Schilling.
Es habe auch noch nie negative Vorkommnisse gegen die Bundeswehr gegeben: „So soll es auch sein. Wir sind ja kein Fremdkörper, sondern Teil der Gesellschaft.“
Mit der Gemeinde Westheim wurde im letzten Jahr 25 Jahre Patenschaft gefeiert. Im fränkischen Rodt (ebenfalls Standort für Kompanien des Bataillons) blickt man in der Patenstadt Heideck sogar stolz auf 50 Jahre Verbundenheit mit der 7. Kompanie zurück.
„Welcher Verband hat über 50 Jahre ununterbrochene Freundschaft mit Städten und Gemeinden aufzuweisen? Das ist schon allein aufgrund der Strukturerneuerung enorm schwierig. Umso schöner, dass dies bei uns der Fall ist“, freut sich Schilling.
Germersheim verlässt er mit einem weinenden und einem lachenden Auge in Richtung alte Heimat Sachsen-Anhalt. Lachend deshalb, weil der Familienvater von drei kleinen Kindern nun nicht mehr jedes Wochenende über 500 Kilometer zu Frau und Sprösslingen pendeln muss, sondern nach langer Zeit einmal wieder regelmäßig bei seinen Lieben zuhause sein kann.
Das weinende Auge ist den Kameraden und den Südpfälzern geschuldet: „Es war eine schöne Zeit hier in Germersheim.“
Auch der Kommandeur des Luftwaffenausbildungsbataillons, Oberstleutnant Maximilian Olboeter, lässt Schilling natürlich nur ungern ziehen. Sein Nachfolger, Major Patrick Ehret, derzeit noch in Ramstein tätig, beginnt seinen Dienst in Germersheim dann Anfang Januar.
Schilling wird als S3-Stabsoffizier (S3=Stabsarbeit, Taktik, Einsatz, Organisation, Planung) in das noch recht neue Sanitätsregiment 1 versetzt, das aus dem Weißenfelser Regiment 32 und dem Berliner Lazarettregiment 31 zusammengefasst wurde. (cli)

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