
Empfang im Pfalzkasino: Oberstleutnant Dietmar Hinze und ein Quintett des Heeresmusikkorps Ulm, das mit viel Swing und Schwung für den guten Ton sorgte.
Fotos: Kevin Schrief
Germersheim – Er hat es kurz gemacht: Keine „volle Breitseite“ einer Endlos-Rede sollten die über 200 Gäste der sicherheitspolitische Veranstaltung – eine Art Neujahrsempfang – über sich ergehen lassen müssen, zu der Bataillonskommandeur Oberstleutnant Dietmar Hinze in das Pfalzkasino der Sponeck-Kaserne eingeladen hatte.
In seinem Blick auf das vergangene Jahr ließ Hinze die wichtigsten Ereignisse Revue passieren. Ein sehr erfolgreiches Jahr sei es für den Verband gewesen, wenngleich auch ein forderndes. Als Stichpunkte nannte Hinze besonders die Bereiche Personal, Ausbildung und Infrastruktur.
Der Kommandeur dankte in diesem Zusammenhang seinem Stellvertreter Major Robert Schilling, der ihn während seiner Abwesenheit hervorragend vertrete habe.
Hinze war von Anfang Januar bis Mitte Mai mit elf Soldaten des Bataillons in Afghanistan als Kommandeur des multinationalen Sicherungsverbands für das Feldlager Marmal und den angrenzenden Flughafen Mazar-e Sharif verantwortlich.
Sanierung muss weitergehen
Viel abverlangt haben dürfte Hinze auch die seit Jahren geplante und zumindest auf dem Papier fixierte Sanierung der Kaserne. Die Gebäude stammen aus den 60er Jahren und sind dementsprechend abgenutzt.
Das Unterkunftsgebäude 44, das die Sanierungskette für die gesamte Kaserne anstoßen sollte, hatte sich durch bürokratische Hürden immer wieder verzögert (Pfalz-Express berichtete mehrfach). Erst im Dezember konnte nach knapp vier Jahren Plan- und Bauzeit das Gebäude übergeben werden.
Dennoch würden bis zum Ziel einer modernen Kaserne wohl noch zahlreiche bauerhaltende Maßnahmen und auch Zwischenlösungen an den Gebäuden und der Ausbildungsinfrastruktur notwendig werden, sagte Hinze.
Ausbildung bleibt Kernaufgabe
Auch die Strukturreform der Bundeswehr verlangt Anpassungen. Für Germersheim bedeutete das eine Neukonzeptionierung der allgemeinen Grundausbildung und der einsatzvorbereitenden Ausbildung. Kernaufgabe des Verbands bleibe nach wie vor die hochwertige Ausbildung, betonte Hinze.
5.000 Trainingsteilnehmer durchliefen im vergangenen Jahr die Grundlagenausbildung der Luftwaffe für Auslandseinsätze. Die Grundausbildung absolvierten 1.300 Frauen und Männer im Verband. Auch Mitglieder der armenischen Streitkräfte trainieren regelmäßig in Germersheim und nahmen am Empfang teil.
In der Summe wurden stolze 65.000 Trainingsteilnehmer, vom Gefreiten bis zum General, in den letzten 15 Jahren in Germersheim für ihren Einsatz aus- und weitergebildet. Darauf könne das Bataillon zu Recht stolz sein, so Hinze. Seit dem Ende des ISAF-Mandats werden nun Soldaten für die Folgemission „Resolute Support“ ausgebildet.
Hinze dankte den Bürgern der Garnisonstadt für ihren psychologischen Beistand in Afghanistan: „Wir haben uns riesig über das Ortsschild Germersheim gefreut, war es doch ein Stück Heimat am weit entfernten Hindukusch sowie ein Zeichen, dass man an uns denkt.“
Transparenz und Verbindung mit der Region
Die Verbindung des Bataillons zum gesellschaftlichen Leben in der Stadt und den Patengemeinden hat Hinze auch 2014 lebendig erhalten. Schulklassen, Hochschulseminarteilnehmer oder Ausbildungsgruppen besuchten den Standort, mit den Patengemeinden gab es zahlreiche gemeinschaftliche Aktionen. Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Südpfalz waren häufig zu Gast, um sich ein Bild der Lage zu machen und Unterstützung anzubieten.
Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, kam zu Besuch und erstmalig war der Standort Austragungsort der Kommandeur-Tagung sowie Gastgeber für die Weiterbildung der Generale und Obersten der Luftwaffensicherungstruppe.
Zwei neue Veranstaltungen wurden zudem eingeführt: Das Kommandeursessen und das Anschalten der Lichterkette des Patenschaftbaums im Eingangsbereich der Kaserne, den bei diesem Anlass die Bürgermeister des Patengemeinden mit Kugeln behängten.
Alle zusammen, ob Soldaten, zivile Mitarbeiter oder Unterstützer von außerhalb hätten das Luftwaffenausbildungsbataillon im vergangenen Jahr vorangebracht, sagte Dietmar Hinze: „Wir gemeinsam haben zum Teil unüberwindlich scheinende Herausforderungen gemeistert. Dafür meinen ausdrücklichen und tiefen Dank. “
Goldene Ehrennadel des Bataillons für Germersheimer Urgestein Kurt Burger
Der Kommandeur verlieh im Anschluss an seine Ansprache dem Germersheimer Kurt Burger die Goldene Ehrennadel des Bataillons. Burger, den Germersheimern wohlbekannt als Festungs- und Stadtführer mit über tausend Führungen, Fastnachter und Musiker, erhielt die Auszeichnung für seine Unterstützung bei der militärhistorischen Ausbildung.
Burger ist bereits Träger der Silbernen Ehrennadel und der Landesverdienstmedaille. Überrascht hat ihn die Ehrung allemal: „Ich habe mit allem gerechnet – aber damit gewiss nicht.“
Für Oberstleutnant Hinze war es die letzte Neujahrsveranstaltung. Er verlässt Germersheim Ende März und wird eine Aufgabe im Einsatzführungskommando in der Nähe von Potsdam wahrnehmen. Sein Nachfolger wird Oberstleutnant Maximilian Olboeter. (cli)

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