
Kreishaus Südwestpfalz (Pirmasens). Hier ist auch das Gesundheitsamt untergebracht.
Foto W. G. Stähle
Pirmasens (Südwestpfalz). „Die bisherigen Reaktionen auf das Pandemiegeschehen werden dem Anspruch auf eine differenzierte und situationsangemessene Reaktion noch nicht gerecht.“
Diese Auffassung vertrete Landrätin Dr. Susanne Ganster gemeinsam mit dem Kreisvorstand Südwestpfalz, erklärt ihr Referent Thorsten Höh. „Es gilt ein Bündel von Maßnahmen zu definieren, das die Wellenbewegung von Öffnung und Schließung durchbricht.“ Ziel müsse sein, verlässliche Strukturen zu schaffen, die den Lockdown dauerhaft beenden. Daher müssten alle Maßnahmen ergriffen werden, welche die Sieben-Tage-Inzidenzen von Hospitalisierung und letalen (tödlichen) Verläufen der Infektionen entkoppeln.
Dennoch hätte mit der Verlängerung der Allgemeinverfügung über den 28. März hinaus die Kreisverwaltung unausweichlich die Muster-Allgemeinverfügung des Landes umsetzen müssen. (Wir berichteten.)
„Landrätin Dr. Ganster hat ein differenzierteres und auf die Situation im Landkreis angepasstes Vorgehen angestrebt. Bereits vor deren Inkrafttreten war es Anliegen der Landrätin Ausnahmen zu erreichen“, so die Kreisverwaltung. Eine Abweichung vom damaligen Muster sei lediglich hinsichtlich der (von der Landesregierung zunächst geforderten) „15-Kilometer-Regelung“ zugestanden worden, die den Bewegungsradius der gesamten Bürgerschaft eingrenzen sollte.
„Weitere als sinnvoll erachtete Ausnahmen, wie beispielweise ein Verzicht auf die Ausgangssperre im ländlichen Raum oder die anlasslose Schließung der Schulen, wurden in den täglichen Gesprächen mit Ministerium und der Aufsicht von deren Seite nicht zugestanden.“
„Der Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie, Sport, Kultur und Ehrenamt brauchen dringend Öffnungsperspektiven. Gesellschaftliches Leben und Freizeitaktivitäten müssen dringend wieder möglich werden, auch um die Akzeptanz notwendiger Maßnahmen in der Bevölkerung aufrecht zu erhalten,“ heißt es in der Erklärung weiter.
Wichtigste Bausteine, um diese Perspektiven zu ermöglichen, blieben schnellere Impffortschritte, ausgeweitete Testkapazitäten und die verlässliche Kontaktnachverfolgung, auch mittels Apps. Für die Ausweitung der Impfungen hätte man als einzige direkte Nachbarkommune zur französischen Region Moselle, wegen der dort sehr häufig nachgewiesenen Virus-Varianten, eigentlich mehr Impfstoff erwartet.
„Lediglich 3.000 von den vom Land dafür bereitgestellten 20.000 Impfdosen sollen im ‚Impfzentrum Pirmasens‘ den Eintritt von Varianten in das hiesige Grenzgebiet verhindern und damit auch die Ausbreitung ins Landesinnere vermeiden“, moniert die Kreisverwaltung.
Wünschenswert wäre zudem ein breiteres Angebot von Schnelltests, die als kostenlose Bürgertests für Alle angeboten werden könnten, beispielsweise auch von Arztpraxen und Apotheken. (Werner G. Stähle)

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