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Landauer FWG-Stadtratsfraktion äußert Bedenken: Kritische Aufarbeitung zum Haus zum Maulbeerbaum gewünscht

25. Januar 2017 | Kategorie: Landau, Politik regional, Regional
Thomas Sommerrock gab einen Überblick über die Sicherheitslage in Landau. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Die FWG-Fraktion steht dem Erhalt des Hauses zum Maulbeerbaum kritisch gegenüber.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Die Freien Wähler in der Landauer Stadtratsfraktion,Wolfgang Freiermuth, Michael Dürphold, Linda Klein und Hans Volkhardt bemängeln in einem Brief an den Pfalz-Express, dass dessen Berichterstattung zum Haus zum Maulbeerbaum ihrer Meinung nach „immer sehr einseitig wohlwollend“ sei und wünschen sich stattdessen eine kritische Aufarbeitung der Fakten und Geschehnisse.

„Pro und Contra sollte angemessen berücksichtigt werden“, so Fraktionsvorsitzender Wolfgang Freiermuth. „Nicht alle Bürger sind begeistert mit der bisherigen Entwicklung und dem geplanten weiteren Werdegang dieses Hauses.“ Für die schwache Entwicklung der Mitgliederzahlen des vorgestellten Vereins gebe es Gründe, so die FWG.

„Die Arbeit des Vereins in Ehren – gerade wir von den Freien Wählern wissen selbst, wie wichtig und schwierig es ist Menschen zu finden, die sich engagieren und für das Gemeinwohl einsetzen. Allerdings wäre beim Haus am Maulbeerbaum ein kritischer Blick sicherlich nicht fehl am Platz; ein kritischer Blick auf die Kosten und auf das historische Gebäude selbst.“

Freiermuth untermauert seine Meinung mit einer Chronologie der Geschehnisse: „Der Landauer Stadtrat hatte in der Vergangenheit über mehrere Jahre in der Summe rund 200.000 Euro in den Erhalt des Hauses investiert; Sicherungsmaßnahmen waren notwendig und das Haus sollte nicht gänzlich in sich zusammenfallen.

Irgendwann musste der Stadtrat eine Entscheidung treffen, wie es mit dem Haus weitergeht. Am 26. Mai 2015 wurde dem Verein der Freunde des Hauses zum Maulbeerbaum Landau e.V. für die Dauer von 18 Monaten eine Frist gewährt.

Weitere 43.000 Euro Sicherungsmaßnahmen waren zusätzlich notwendig. Eine Genossenschaft für Sanierung und Betrieb des Hauses wurde gegründet, ein Finanzierungs-und Nutzungskonzept sollte erarbeitet werden.

Die Stadt sollte sich verpflichten, während des Zeitraums von 18 Monaten das Anwesen keinem Dritten zum Erwerb anzubieten. Die Option sollte laut Stadtratsbeschluss „entgeltfrei gewährt“ werden.

Festzuhalten bleibt, dass der Verein weder die notwendigen Mitglieder noch die erforderlichen Gelder nach 18 Monaten beisammen hatte. Der Stadtrat hatte im Mai 2015 einen Beschluss getroffen, an den er sich im Dezember 2016 plötzlich nicht mehr gebunden sah“, ärgert sich Freiermuth.

„Weitere 18 Monate Verlängerung wurden eingeräumt und zusätzliche 600.000 Euro für Erhaltungsmaßnehmen wurden bereitgestellt“, konstatiert der Fraktionschef. Und macht nun die Gegenrechnung auf: „Was spricht gegen den Erhalt des Hauses?

Aus dem ältesten Haus wurde, man beachte die geänderte Wortwahl, eines der ältesten Häuser.

Ein namhafter Landauer Investor, welcher in der Vergangenheit schon andere historische Gebäude erworben und erfolgreich saniert hatte, war abgesprungen. Die Sanierung des Hauses, ohne die Möglichkeit die Nachbargrundstücke einzubinden, machte für ihn keinen Sinn; das Haus steht quasi isoliert im Hinterhof. Zufahrtsmöglichkeiten und Parkplätze sind nicht vorhanden. Abhängig von der späteren Verwendung sind diese beiden Punkte nicht unerheblich.

Nach 18 Monaten war die Genossenschaft noch weit von ihren Zielen entfernt, genügend Bürger zu mobilisieren, die bereit waren der Genossenschaft beizutreten und das Projekt finanziell zu unterstützen.

Ein Quadratmeterpreis mit Sanierungskosten zwischen 4000 und 7000 Euro wird erwartet und darf als sehr hoch bezeichnet werden. Auf den Ausbau von Dach und Keller soll aus Kostengründen verzichtet werden.

In einem Zeitungsbericht wurde die Option in dem sanierten Haus später eine Herberge zu errichten (Jakobsweg) erwähnt. Wie viele Pilger übernachten in Landau – auch im Winter – und wie teuer soll dort eine Übernachtung, nach dem gerade erwähnten Quadratmeterpreis, werden? Herbergsübernachtungen gelten doch als preiswerte Bleibe? Kann sich das Haus jemals rechnen?

Wer kommt für den Erhalt des Hauses auf, wenn der Verein dazu nicht mehr in der Lage ist? In der gleichen Sitzung des Stadtrates vom Dezember 2016 wird der Fehlbetrag des städtischen Haushaltes mit 12 Millionen Euro angegeben. Hat Landau nicht ernsthaftere Probleme?“

Ein weiterer Punkt, der nach Meinung der Freien Wähler gegen einen Erhalt des Hauses spricht, liegt im historischen Hintergrund.

Haus zum Maulbeerbaum: Innenansicht. Foto: Pfalz-Express/Ahme

Haus zum Maulbeerbaum: Innenansicht.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

„Wie historisch bedeutsam die Fresken sind, ist bislang nicht geklärt. 100.000 Euro müssen von städtischer Seite für die ‚Untersuchung der Fresken aufgewandt werden. Ob die Fresken wertvoll sind ist immer noch offen; von fünf Funden sind lediglich zwei lesbar“, so Freiermuth.

Presseartikel von Rhein-Pfalz, Pfalz-Express und der Homepage des Vereins selbst vermittelten dem Bürger, das Haus stehe schon seit dem denkwürdigen Datum „anno 1522“.

„Doch den Mitgliedern des Landauer Stadtrates wurde im Dezember 2016 folgendes schriftlich mitgeteilt:…Die Malereien sind „augenscheinlich nicht dem Mittelalter zuzurechnen“ …“1692 wurde das Haus von Grund auf neu aufgebaut.“

Das jetzige Haus am Maulbeerbaum habe also, wenn es 1692 neu aufgebaut wurde, mit dem Haus von 1522 nichts gemeinsam – außer der Lage, stellt die FWG fest. „Eine bittere Erkenntnis, das Haus ist nicht mehr das historisch bedeutsame Haus von 1522, da es 1689 bis auf die Grundmauern abgebrannt war. Erst 1692 „nach dem Stadtbrand“ wurde das Haus wieder aufgebaut. „Eine deutliche Überarbeitung“ in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt erschwerend hinzu.

Da das Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt war, ist der Bezug zu 1522 nicht mehr gegeben – lediglich die Lage. Alles andere gehört in den Bereich Wunschdenken – auch wenn dies eine unangenehme Wahrheit ist.“

Als weiteren Punkt führt die FWG die bisherigen Ausgaben von 1.443.000 Euro auf. „Der Verein/die Genossenschaft möchte selbst 800 000 Euro beisteuern. Nach der ersten Frist, d.h. nach den ersten 18 Monaten, war der Verein von den 800 000 Euro noch sehr weit entfernt. Somit dürfen Zweifel am Zustandekommen des Betrages erhoben werden“, erklärt Freiermuth, der annimmt, dass in der Folge noch „erhebliche weitere Ausgaben (Steuergelder?) als Erhaltungsaufwendungen und Untersuchung der Fresken hinzu addiert werden müssen“.

„Stand im Stadtrat in der Vergangenheit nur unsere Fraktion kritisch dem Haus gegenüber, so haben mittlerweile auch Mitglieder anderer Fraktionen Bedenken oder sie enthielten sich bei der letzten Abstimmung“, stellt die FWG fest.

„Ein schwieriges Thema – wir möchten der Historie des Hauses gerecht werden. Allerdings gibt es die genannten schwer wiegenden Gegenargumente: Immense Kosten und Folgekosten und einen fragwürdigen historischer Bezug. Der Bürger sollte diese Argumente kennen.“

Anmerkung der Redaktion: In der Sitzungsvorlage argumentierte OB Hirsch für das Haus. Die Art und Ausmalung der Fresken sei qualitätsvoll und einzigartig für Rheinland-Pfalz. Der Fund sei, obwohl augenscheinlich nicht aus dem Mittelalter, ein sehr bedeutender. Das Haus sei 1692 sehr hochwertig aufgebaut worden nach dem Brand. (red/desa)

Diplom-Restauratorin Karen Keller und ihr Team legten historische Fresken im Haus zum Maulbeerbaum frei. Foto: stadt-landau

Diplom-Restauratorin Karen Keller und ihr Team legten historische Fresken im Haus zum Maulbeerbaum frei.
Foto: stadt-landau

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