Dienstag, 06. Dezember 2022

Kundgebungen in Speyer: Kirchen positionieren sich gegen AfD-Versammlung

19. November 2022 | Kategorie: Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Regional

Foto: Pfalz-Express

Speyer – Am Samstagmittag (19.11.2022) hat es auf dem Domplatz zwei Kundgebungen gegeben.

Beide wurden bei der Versammlungsbehörde Speyer im Vorfeld angemeldet. Eine Versammlung wurde von der  AFD, eine Gegendemo vom Bündnis für Demokratie und Zivilcourage durchgeführt.

Zuvor hatten die evangelische und die katholische Kirche an der AfD-Veranstaltung harte Kritik geübt. Dort waren als Redner unter anderem der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla, die drei Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier, Bernd Schattner und Nicole Höchst und der RLP-Landesvorsitzende Dr. Jan Bollinger aufgetreten. Das Thema der AfD lautete „Arbeitsplatzerhalt statt Energiewende“.

Bernd Schattner
Foto: Pfalz-Express

„Werte mit Füßen getreten“

„Für mich wie für eine große Mehrheit der Speyerer ist es unerträglich, wenn im Schatten der Domtürme Stimmen laut werden, die jene Werte eines friedlichen und geeinten Europa mit Füßen treten, für die unser Dom ein unvergleichliches Symbol ist“, sagte Bischof Karl-Heinz Wiesemann am 18. November in einer Stellungnahme.

Die aktuellen Krisen ließen sich nicht dadurch lösen, dass man die Gesellschaft spalte, Fremdenhass schüre und die „Werte unserer Demokratie mit Füßen tritt. Sondern im Hören auf das, was die Menschen bewegt, und im gemeinsamen Ringen um das Wohl aller“.

„Gute Lösungen suchen“

„Die Leute haben Angst“, stellte Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst fest, „wer zusätzlich Ängste schürt, um sie politisch auszunutzen, hilft niemandem weiter.“ Der Krieg in der Ukraine, Klima- und Energiekrise und die noch andauernde Pandemie: Die dauerhafte Krisensituation sei beängstigend. Hinzu kämen die Auswirkungen der Inflation. Viele Menschen seien in ihrer Existenz bedroht.

„Umso wichtiger ist es, die Werte der Demokratie zu leben, gesellschaftliche Solidarität zu stärken, nach guten Lösungen zu suchen und allen die Stirn zu bieten, die nur Stimmung machen wollen und letztlich keine Antworten haben“, betonte die Kirchenpräsidentin.

Wüst und Wiesemann riefen dazu auf, sich dem Bündnis für Demokratie und Zivilcourage Speyer anzuschließen, in dem sich unter anderem die Dompfarrei und die Gesamtkirchengemeinde Speyer engagieren.

Unter dem Titel „Gegen Populismus und heiße Luft von rechts – Mit Vernunft und Solidarität durch die Krise!“ wolle man ein klares Zeichen setzen „für Demokratie, Fakten, realistische Lösungswege und einen konstruktiven Diskurs“, hatten die Veranstalter erklärt. „Zeigen wir gemeinsam, worin die bessere Alternative für unser Land besteht: Im solidarischen Miteinander und im Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen“, so Wiesemann und Wüst dazu. Während Redner der AfD auftraten, läuteten die Domglocken mit heftiger Geräuschkulisse 

Die Polizei Speyer indes hat während der Kundgebungen sogenannte anlassbezogene Maßnahmen durchgeführt. Lediglich ein Versammlungsteilnehmer wurde demnach wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt – er führte eine Bundesdienstflagge mit, deren öffentlicher Gebrauch den Bundesbehörden vorbehalten ist. Ansonsten seien beide Versammlungen störungsfrei verlaufen, so die Polizei.

Nach Polizeiangaben nahmen an der AfD-Kundgebung etwa 300 Personen teil, an der Versammlung des Bündnisses rund 250 Personen. (red)

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