
Bischof Wiesemann: „Stille kann auch die Sinne schärfen“.
Foto: Klaus Landry
Speyer. Im Pontifikalamt zum Jahresschluss konzentrierte sich Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann auf die positiven Aspekte der Corona-Pandemie.
Der irdischen Abgründigkeit stehe das leuchtende Angesicht Gottes gegenüber. Dieses offenbare sich nicht nur in einem starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch in vielen kleinen Gesten. „Stille Nacht – das berühmte Weihnachtslied, trifft in diesem Jahr die eigenartige Stimmung der Silvesternacht“, eröffnete Bischof Wiesemann seine Predigt.
Keine Böller, Kein Feuerwerksspektakel begrüßten diesmal das neue Jahr, stattdessen werde ein leiser und fließender Übergang ins neue Jahr geschehen. Stille und Dunkelheit begleiteten einen dabei. Es sei ohnehin eine Illusion, dass bei einem Jahreswechsel mit Pauken und Trompeten plötzlich alles neu sei. Doch es liege darin auch eine Sehnsucht und eine Hoffnung, die unser irdisches Vermögen überschritten.
„Man nimmt das Alte immer in das Neue mit, weil man sich selbst mitnimmt, weil man die eigene Geschichte mitnimmt, weil man die Menschen mitnimmt, mit denen man dieses Leben lebt“, so Bischof Wiesemann.
Bei diesem Silvester könne einem die Stille unheimlich sein: „Stille kann aber auch die Sinne schärfen, nüchterner und wahrhaftiger im Umgang mit der Wirklichkeit machen.“ Die Welt, die sich selbst so sicher glaubte, habe eine Erschütterung erlebt. Das sei keine neue Erfahrung, sondern in den Jahrhunderten unserer Menschheitsgeschichte immer wieder zu sehen.
„Aber haben wir auch etwas von der anderen Seite der Wahrheit wahrgenommen – von dem Leuchten Gottes gerade in dieser Zeit?“, fragte Bischof Wiesemann. Eine Wiedererweckung von Solidarität, große persönliche Leistungen im Gesundheitswesen, in sozialen und caritativen Einrichtungen oder auch der von der überragenden Mehrheit der Gesellschaft mitgetragene Weg aus Vernunft und der Bereitschaft zum Verzicht, seien hier beispielhaft zu nennen: „Wie viele berührende Momente, Gesten, Ideen und Taten hat diese Krise hervorgebracht!“
Abschließend zitierte er den evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“
Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Sopran Angelika Lenter, Christine Rox und Anne Erdmann (Violinen), Ursula Plagge (Viola) und Robert Sagasser (Violone) sowie Domkantor Joachim Weller. Die Leitung übernahm Domkapellmeister Markus Melchiori, die Orgel spielte Domorganist Markus Eichenlaub. Da seit dem 27.12 kein öffentlichen Gottesdienste mehr stattfinden, wurde das Pontifikalamt zum Jahresschluss gestreamt.
Wiesemann stellte das neue Jahr unter den Schutz der Patronin Maria. Die Mutter Gottes wird im Bistum Speyer als Patrona Spirensis besonders verehrt – sie solle die Menschen auch über das Bistum hinaus schützen.
Der Bischof wünschte allen Menschen und ihren Familien ein gesegnetes und gutes neues Jahr: „Das Leuchten Gottes begegnet uns jeden Tag neu, manchmal auch nur in einem lächelnden, wohlwollenden oder liebenden Angesicht, einer helfenden Hand oder einer Aufmerksamkeit füreinander“.

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