
Symbolbild: dts Nachrichtenagentur
Kreis Germersheim – Der Mindestlohn steigt ab Januar um 35 Cent auf jetzt 9,19 Euro pro Stunde – und mit ihm der Verdienst von 1.520 Menschen im Landkreis Germersheim.
So viele Beschäftigte arbeiten hier derzeit zum gesetzlichen Lohn-Minimum. Auch die Wirtschaft im Kreis profitiert: Die Kaufkraft wächst durch das Mindestlohn-Plus in diesem Jahr um rund 382.000 Euro. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich auf eine aktuelle Analyse des Pestel-Instituts aus Hannover, das die Auswirkungen der Mindestlohn-Entwicklung regional untersucht hat.
„Mal ins Kino oder Essen gehen. Und auch mal etwas Neues für den Haushalt anschaffen – fast jeder Euro, den Mindestlohn-Beschäftigte am Monatsende extra haben, fließt in den Konsum. Und einen Großteil davon geben sie vor Ort aus“, sagt Holger Winkow von der NGG-Region Pfalz. Denn wer zum untersten Lohn arbeite, könne nichts auf die hohe Kante legen.
Für den Gewerkschafter ist der gesetzliche Mindestlohn aber auch nach der aktuellen Erhöhung zu niedrig: „Selbst für eine Vollzeitkraft ist es extrem schwer, mit dem Mindestlohn klarzukommen. Gerade dann, wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Und bei steigenden Mieten sowieso“, so Winkow. Die NGG fordert deshalb ein deutlich stärkeres Mindestlohn-Plus. Erst in einer Größenordnung von mehr als zwölf Euro pro Stunde werde die Lohnuntergrenze „langsam armutsfest“.
NGG-Geschäftsführer Winkow sieht bei den Löhnen „Luft nach oben“ und die Arbeitgeber in der Pflicht: „In Branchen wie dem Gastgewerbe und dem Bäckerhandwerk gehen trotz guter Wirtschaftslage selbst Fachkräfte oft nur mit dem gesetzlichen Minimum nach Hause.“ Messlatte sei aber nicht der Mindestlohn, sondern der Tariflohn.
Winkow prangert die zunehmende Tarifflucht als Hauptgrund dafür an, „dass seit Jahren viel zu viele Menschen im Niedriglohnsektor gefangen sind“ und fordert die Unternehmen auf, sich zu Tarifverträgen zu bekennen: „In den Tarifverträgen der NGG sind meist deutlich höhere Löhne, auch in den unteren Lohngruppen, vereinbart. Und wer nach Tarif zahlt, der hat auch zufriedenere Mitarbeiter, die sich im Job engagieren.“
Winkow betont, dass von der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seit 2015 rund vier Millionen Menschen profitiert haben. Allerdings werde dieser gesetzliche Anspruch viel zu wenig kontrolliert, weil die Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach wie vor nicht ausreichend personell ausgestattet sei. „Es gibt viel zu viele Schlupflöcher: Arbeitszeiten werden nicht korrekt erfasst oder Überstunden nicht bezahlt, um den Mindestlohn massenhaft zu umgehen. Das ist ein Skandal“, kritisiert der Gewerkschafter und fordert die Beschäftigten auf, ihre Januar-Lohnabrechnung genau zu kontrollieren.
Bei seiner Einführung 2015 lag der gesetzliche Mindestlohn bei 8,50 Euro pro Stunde. Nach dem Mindestlohngesetz steigt er alle zwei Jahre. Wie hoch das Plus ist, hängt insbesondere von der Entwicklung der Tarifverdienste ab. Die NGG war die erste Gewerkschaft, die sich für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns stark gemacht hat.

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Ein höherer Mindestlohn ist ja schön und gut. Nur bleid der Kreislauf nicht im Geldbeutel der Arbeiter stehen. Die höheren Löhne werden von den Unternehmen eins zu eins auf die Produkte und Dienstleisungen aufgeschlagen (vermutlich eher noch mit einem Plus dahinter). Da kann man den Mindestlohn auch auf 20 Euro erhöhen. Ändern wird sich für den Arbeiter nichts.
Einzig und allein der Staat profitiert von höheren Löhnen durch ein entsprechend höheres Steuereinkommen und Sozialabgaben.
Man sollte villeicht nicht die Lohnschraube der Arbeiter hochdrehen, sonder eher die Steuerlast und die Sozialabgaben runterdrehen. Dann hätte tatsächlich jeder was davon.
Ein drehen an der Lohnschraube unserer Politiker und der oft viel zu umständlichen Bürokratie wäre auch mal ein guter Anfang…..
Der Mindestlohn ist etwas, wofür sich Deutschland schämen muss. Selbst mit 9,19€ wird das Nettogehalt kaum über 1000 € gehen. Wie soll eine Familie davon leben, bei diesen Mietpreisen? Es ist würdelos, wenn jemand den ganzen Monat arbeitet und davon kaum leben kann.
Und wenn dann jemand 45 Jahre auf Mindestlohnbasis gearbeitet hat, bekommt er 600 € Rente. Das ist erbärmlich in einem so reichen Land wie dem unseren. Hier muss sich dringend etwas ändern.
Mich wundert, dass Sie sich hier aufblasen: Wer hat denn die prekären Arbeitsverhältnisse salonfähig gemacht?
Die SPD mit ihrer Agenda 2010. Von 40 Mio. Beschäftigen arbeiten inzwischen 12 Mio. prekär oder befristet.
Die SPD hat damit die gigantischste Umverteilung von unten nach oben betrieben und damit im Ergebnis die übelsten Reaktionäre der CDU übertroffen.
Aber Sie haben eine Chance: getopt werden kann das nur noch durch einen BlackRock-Bundeskanzler.
Dann wird’s wirklich dunkel. Aber bis dahin sind wir mitten in einer Rezession – völlig ohne die Prekären sondern nur noch mit Hartzlern. Dann kriegen Sie endlich die Diktatur, die sich die überwiegende Mehrzahl der Kommentatoren hier so sehnlich zu wünschen scheint.