Sonntag, 23. Februar 2020

Indiana Jones ist nichts dagegen: Führungen durch die Landauer Unterwelt

7. Juni 2013 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Landau, Regional

Jörg Seitz, OB Schlimmer, Bürgermeister Hirsch und Beigeordneter Klemm in der Landauer Unterwelt. Fotos: Ahme

Landau. „Bitte festes Schuhwerk für die Tunnelbegehung mitbringen“ stand auf der Presseeinladung zu lesen. „Und eine gute Kondition“ hätte ebenfalls angemerkt werden müssen. Denn der Einstieg in die Tunnelanlage „Lunette 41“ führt über einen engen Kanalschacht und wäre ohne Mithilfe des THW Landau wahrscheinlich auch nicht möglich.

OB Hans-Dieter Schlimmer, Bürgermeister Hirsch und auch Beigeordneter Klemm ließen es sich jedenfalls nicht nehmen, durch den engen Schacht, gleichsam wie Indiana Jones, in die Landauer Unterstadt mittels (gut befestigten) Leitern den Abstieg zu wagen. Ausgerüstet mit Grubenlampen, stürzten sich die Teilnehmer nach einführenden Worten der beiden Vorstände des Festungsbauvereins Landau, Schleuning und Seitz ins Abenteuer.

Die Abenteurer waren nicht die ersten, die die Gänge erkundeten. Bereits kurz nach der ersten Bewerbung der Führungen des Festungsbauvereins gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk durch die Tunnelanlage der Lunette 41 unter dem Savoyenpark musste die Anzahl der Führungen verdreifacht werden. „Ja, das Interesse ist groß“, freute sich Seitz, der unten auch durch das Festungswerk führte. Am Besten, so der Tipp, Gummistiefel mitnehmen, denn unweigerlich wird man den einen oder anderen Fehltritt im morastigen Tunnelboden tun. Also nicht die besten Kleider anziehen!

Feucht ist es unten, aber ungemein interessant. Selbst der Müll, der gefunden wurde, als die Festung vor 130 Jahren geschleift wurde, ist für die Geschichtskundler von heute  interessant.

Die Festung selbst, war zu Zeiten Ludwigs des XIV. die damals „größte und stärkste Festung der Christenheit“. Die einzelnen Werke waren durch ein 30 Kilometer langes Netz von Tunnels verbunden. In ihrem Zentrum war ein mehrgeschossiger Turm, der „Tour dárcon“ eingebaut, dessen Untergeschoss an die Minengänge anschließt. Der Turm liegt heute 3 Meter unter Parkniveau und ist für den Festungsbauverein (FBV) Landau der ideale Zeitzeuge.

„Wir wollen die Festung, auf die Landau stolz sein kann, weiter sichtbar machen“, so Schlimmer. Menschen der ganzen Region zeigten ein unglaubliches Interesse an der Festung. Fehler, die in den 70er, 80er Jahren im Umgang mit den Festungsresten gemacht wurden, zeugten von der damals geringen Sensibilität alten Bauwerken gegenüber, so Schlimmer. „Das würde man heute nicht mehr so machen“.

Natürlich sind nicht alle 30 Kilometer der Gänge erschlossen und der Besucher kann nur einen Bruchteil davon begehen.

Im Zuge der Landesgartenschau soll der Turm als neue Landauer Attraktion frei gegraben werden. Sein Untergeschoss schließt an die Minengänge an und verbindet sie über ein Treppenhaus mit der oberen Turmetage und ihren vielen Schießscharten. Diese Etage befindet sich nur wenige Meter unter der Parkebene.

Das European Heritage Volunteers-Projekt 2013 mit dem Verein Open Houses nimmt sich der Sache an. Im Sommer 2013 legt der Verein in Zusammenarbeit mit dem Verein Offene Häuser e.V. die Lunette 41 unter dem Savoyenpark frei.

15 ausländische Jugendliche werden die Plattform des Obergeschosses ausgraben und den Park zu diesem abböschen. Die Studenten werden vom 3. bis 22. August in Landau sein.

Die Kosten für die Durchführung des Internationalen Jugend-Projektes belaufen sich auf 10.000 Euro. Sie werden vom Festungsbauverein bezahlt. „Sollte die Zusammenarbeit mit den beiden Vereinen funktionieren, könnten auch weitere Projekte gemeinsam angegangen werden“, meint FBV- Vorsitzender Schleunig.

„Der Zeitplan für das Gesamtprojekt sieht folgendermaßen aus“ sagt Jörg Seitz: Ausgrabung des Obergeschosses, Lokalisierung des vorhandenen Treppenhauses und Einmessung sowie Bestandsaufnahme der Anlage in Zusammenarbeit mit dem Bauamt und der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Juli: Überarbeitung der Planunterlagen nach Befund, 5. bis 22. August European Heritage Camp, Mauerarbeiten, Dach aufsetzen, Geländemodellierung. Ab September 2013 Folgearbeiten bis zur Eröffnung im März 2014.

Übrigens: Wer sich auch wie Indiana Jones fühlen möchte: Den Schlapphut nicht vergessen und am 22. Juni die nächste Führung durch die Tunnelanlage mitmachen. Anmeldung beim Landauer Büro für Tourismus nötig. (desa)

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