Freitag, 28. Februar 2020

Landaus „Unterwelt“ – Führungen in den Festungsgängen an der Lunette 41

29. Februar 2016 | noch keine Kommentare | Kategorie: Landau
Foto: bft-landau

Foto: bft-landau

Landau. Zu Zeiten Ludwigs des XIV. entstand um die kleine südpfälzische Stadt Landau die damals „größte und stärkste Festung der Christenheit“.

Diese Eigenwerbung des französischen Kriegsministers forderte andere heraus und ähnlich wie heute bei Hochhäusern behielt eine Stadt einen solchen Titel nicht lange. Die Landauer Bürger fragte keiner, was sie davon hielten, teilenteignet und eingesperrt zu werden.

Als mit den verschobenen Grenzen aus dem 1870/71 Krieg die Chance da war, stellten die Bewohner einen Antrag beim Bayrischen König, die Festung zu schleifen.

Alle anderen pfälzischen Städte wuchsen, selbst das junge Ludwigshafen war bereits größer als das 8000 Einwohner zählende Landau.

Mit Majestäts Zustimmung wurden die enormen, kilometerlangen und bis zu 18 m hohen Mauern binnen zwei Jahren geschleift und eine großzügige, gründerzeitliche Perle entstand auf den Gräben und Wällen der Festung.

Wer heute nach Landau kommt, muss suchen, bis er Teile der Festung, etwa in den Stadtparks oder die Stadttore findet. Abgetragen wurde tatsächlich nur alles über Straßenniveau, und so finden sich bei jeder Baumaßnahme erneut gigantische Mauern.

Die einzelnen Werke waren durch ein 30! Kilometer langes Netz von Tunnels verbunden. Von den heute bekannten und begehbaren Minengängen zu jener Lunette 41 beinahe 1 km, die sich von der Xylanderstraße bis zur Röntgenstraße erstrecken müssen.

Zudem war im Zentrum der Lunette ein mehrgeschossiger Turm eingebaut, dessen Untergeschoss an die Minengänge anschließt und diese über ein Treppenhaus mit der oberen Turmetage mit ihren vielen Schießscharten verbindet.

Der Turm liegt heute drei Meter unter Parkniveau und ist für uns der ideale Zeitzeuge, interessierten Landauern und Besuchern die Gigantomanie der Festungsbaukunst des Barock nahe zu bringen.

Ab 4. März wieder Führungen in den Festungsgängen an der Lunette 41

Samstag, 14 Uhr in Landau – ein fester Termin, der aus dem Kalender des Festungsbauvereins nicht mehr wegzudenken ist. Dank dem unermüdlichen Engagement der ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder und Festungsfreunde konnte schon im zweiten Jahr in Folge ein fester Führungstermin zur Lunette 41 mit „Durchführungsgarantie“ ermöglicht werden.

Der Erfolg und die Nachfrage geben den festungskundigen Helfern Recht. „Manchmal ist es eine ganz kleine, aber feine Truppe oder auch einmal nur ein Vater mit seinem Sohn, an anderen Tagen haben wir bis zu 20 oder mehr Teilnehmer“, sagt Hans-Dieter Hirschfeld, Vorstandsmitglied des Vereins und selbst aktiver Lunette-Führer.

Von Anfang an war das Interesse der Landauer groß, die unterirdischen Teile der Vaubanschen Festung zu erkunden. Zunehmend besuchen auch Urlauber und Tagesausflügler aus dem benachbarten Saarland oder aus Baden-Württemberg und Hessen die Lunette 41.

Treffpunkt für alle Samstagsführungen ist am Brunnen vor dem Französischen Tor auf dem Obertorplatz. Nach einer Einführung zur Festungsgeschichte folgt ein kurzer Spaziergang zum Savoyenpark und der Abstieg in die unterirdischen Gänge. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, die Ausgrabung der Lunette 41 zu besichtigen.

Festes Schuhwerk und unempfindliche Kleidung werden empfohlen. Die Führungen kosten 10 Euro pro Person, die Anmeldung erfolgt über das Büro für Tourismus, Tel. 06341- 138301, E-Mail touristinfo@landau.de. Der Erlös der Führungen kommt komplett der Arbeit des Vereins zugute.

Nach einer Winterpause an der Schaustelle und ihrer „Unterwelt“ starten die regelmäßigen Samstagsführungen 2017 wieder am 4. März, einen Monat später, am 1. April, wird auch auf der „Schaustelle“ im Savoyenpark wieder der Betrieb aufgenommen und der Saisonstart mit einem kleinen „Tag der offenen Tür“ gefeiert. Gruppenführungen für Weihnachtsfeiern sind hingegen durchgängig buchbar.

Weitere Informationen zur Ausgrabung „Lunette 41“ und zum Festungsbauverein gibt es unter www.festungsbauverein.de

Hintergrundinformationen zur „Lunette 41“

Erbaut wurde die „Lunette 41“ in der Zeit der dritten Belagerung Landaus (1704 und 1713). In der Zeit von 1711 bis 1713 wurde die Südostfront durch Alexander von Württemberg durch zusätzliche Lunetten und das Cornichon verstärkt. Der „Tour d’Arçon“ selbst wurde – einschließlich eines Turmgebäudes als Zugang – erst 1760 durch die Franzosen erbaut. Ziel war es, dadurch im Falle einer weiteren Belagerung der Festung vom Feind unbemerkt aus der Stadt heraus und wieder hinein zu gelangen. Heute befindet sich ein großer Teil dieser Anlage unter dem Savoyen- und dem Goethepark. Die „Lunette 41“, der „Tour d’Arçon “ und das Torgebäude wurden während der Schleifung ab 1871 zerstört bzw. im Zuge der Bebauung und Herstellung der Parkanlagen überdeckt. (red)

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