Sonntag, 16. Dezember 2018

Homöopathie: Wenn der Glaube zur Wissenschaft wird

17. Mai 2018 | 3 Kommentare | Kategorie: Gesundheit, Panorama, Wissenschaft

Der „Tropfen im Ozean“, der „Informationen“ zur Heilung erhalten soll: Bei homöopathischen Mitteln gibt es keinen einzigen wissenschaftlich fundierten Wirkungsnachweis.
Foto: Pfalz-Express

Ein Gastbeitrag von Christopher Hauß

Den meisten von Ihnen dürfte der Begriff „Placebo-Effekt schon mal begegnet sein. Etwas wirkt, weil man daran glaubt.

In klinischen Studien zeigt sich immer wieder, dass ein Medikament auch ohne Wirkstoff eine kurative Wirkung haben kann. In Studien wird der Kontrollgruppe stets nur ein Placebo gegeben, um die pharmakologische Wirkung eines Stoffs einschätzen und beweisen zu können. Die Erforschung von Placebos ist also durchaus interessant, um Studienergebnisse zu verifizieren.

Anders hingegen verhält es sich bei der Homöopathie: Hier vertraut man auf den Placebo-Effekt statt einen Wirkstoff.

Doch bevor ich meine Meinung zur Homöopathie ausführe, eine Bestandsaufnahme. Die Leitlinien der Homöopathie wurden 1796 von Samuel Hahnemann formuliert. Im Wesentlichen stützt er seine Theorie auf drei Säulen:

Die erste und wichtigste Säule ist das Ähnlichkeitsprinzip „Similia similibus curentur“. Das heißt ein Stoff der hochdosiert dieselben Symptome wie die des Patienten auslöst wird niedrigdosiert eingesetzt um diesen zu heilen. „Gleiches heilt also Gleiches“. Grundsätzlich hört sich diese Theorie noch logisch an, mittels eines Stoffs, der dasselbe Krankheitsbild hervorruft, die Abwehrkräfte des Patienten zu stimulieren.

Hand in Hand hiermit geht das zweite Prinzip: Der Test der Wirkung am gesunden Menschen. Das heißt, einem Gesunden wird eine Substanz verabreicht um zu beobachten, welche Symptome sie bei ihm hervorruft. Dies liefert die Grundlage für das erste Prinzip.

Bisher scheint die Theorie logisch, für das Jahr 1796 sogar fortschrittlich.

Doch nun kommen wir zum dritten Prinzip: Die Potenzierung. Je höher eine Substanz verdünnt wird, um so stärker wirkt sie. Begründet hat Hahnemann dies damit, dass sich die Substanz letztlich von der Materie gelöst in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse.

Das heißt beispielsweise, eine C200-Potenz wirkt sehr stark. Zur Erläuterung: Dies stellt eine Verdünnung von 1:100 hoch 200 dar. Rein statistisch ist ab einer Verdünnung von C12 (1:100 hoch 12) bzw. D23 (1:10 hoch 23) nicht mehr nachweisbar, dass auch nur ein Molekül des „Wirkstoffs“ vorhanden ist.

Spätestens hier entpuppt sich die Homöopathie als Pseudowissenschaft. Noch keine seriöse Studie hat ihr eine Wirkung abseits des Placebo-Effektes nachweisen können.

Hahnemann wusste dies nicht, zu seinen Lebzeiten waren standen Medizin und Pharmazie noch in ihren Kinderschuhen.

Doch fraglich bleibt, warum auch in einer aufgeklärten, von evidenzbasierter Medizin geprägten Gesellschaft Menschen ihre Gesundheit dem Glauben an Zuckerkügelchen anvertrauen. In der Schweiz gibt es sogar eine Klinik, die sich darauf verstehen will, Krebs homöopathisch zu heilen. Wenn Globuli einer modernen Therapie ernsthafter Erkrankungen vorgezogen wird, hört der Spaß auf.

Homöopathie darf und kann nicht verboten werden, der Rückgriff auf sie liegt in der Freiheit jedes Einzelnen. Aber es wird Zeit, mit ihrem Mythos reinen Tisch zu machen.

Heilpraktiker und „Homöopathen“ dürfen nicht länger als Alternative zu richtigen Ärzten und Homöopathie nicht länger als „milde“ Medizin angesehen werden.

Zu allererst darf diese Scharlatanerie nicht mehr von Krankenkassen gestützt werden, keine Kasse darf Globuli und Triturationen erstatten!

Dieses aus der Zeit gefallene Konzept hat keinen Platz mehr in einer modernen Gesellschaft, ähnlich wie die Alchemie. Diese wurde in das Reich der Fabeln und Märchen verbannt. Meiner Meinung nach wird es Zeit, dass sich Gleiches zu Gleichem gesellt!

Christopher Hauß ist Student der Pharmazie an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz.

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3 Kommentare auf "Homöopathie: Wenn der Glaube zur Wissenschaft wird"

  1. Fred S. sagt:

    Schöne Auftrags-Propaganda, ist der der Verfasser wirklich Student, einfach mal googlen, am besten ohne google…

    • Christopher Hauß sagt:

      Ja, ich bin Student. Inwiefern habe ich denn Auftragspropaganda verfasst? Wollte eigentlich nur meinen Standpunkt zur Homöopathie darstellen, gerne können Sie mir inhaltlich widersprechen 🙂

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