Herxheim am Berg – Der Gemeinderat hat am Montagabend beschlossen, die „Hitler-Glocke“ in der protestantischen Jakobskirche nicht abzuhängen.
Mit deutlicher Mehrheit stimmten 10 von 13 Ratsmitgliedern in geheimer Abstimmung für den Verbleib.
Die Glocke aus der Zeit des Nationalsozialismus ist mit der Aufschrift „Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler“ und einem Hakenkreuz versehen. Sie ist Eigentum der Ortsgemeinde und wurde 1934 im Kirchturm installiert. Die Glocke steht unter Denkmalschutz.
Den Ausschlag für den Verbleib hatte ein Gutachten der Evangelischen Kirche im Auftrag der Ortsgemeinde gegeben. Die Kirche hatte im Gutachten festgehalten, dass die Glocke als Denkmal einzustufen sei und entweder in einem Museum ausgestellt oder im Kirchturm weiter hängen bleiben solle. Sie könne künftig als „Anstoß zur Versöhnung und Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht“ dienen.
Im Gutachten heißt es außerdem, die Entsorgung der Glocke sei „eine Flucht vor einer angemessenen und aufgeklärten Erinnerungskultur“. Die Evangelische Kirche hatte sich aber auch bereit erklärt, das Kosten für das Abhängen und das Gießen einer neuen Glocke zu übernehmen.
An der Kirche selbst soll eine Tafel angebracht werden, auf der die Geschichte der Glocke erklärt wird.
Der im Dezember 2017 neu gewählt Bürgermeister Georg Welker (parteilos), ein evangelischer Pfarrer im Ruhestand, wollte die Glocke auch wieder läuten lassen. Das hat nun der Gemeinderat ebenfalls beschlossen. Seit September letzten Jahres war sie abgeschaltet.
Der frühere Bürgermeister Ronald Becker (FWG) war wegen umstrittener Äußerungen im September 2017 auf Druck des Gemeinderats zurückgetreten. So hatte er unter anderem geäußert, Hitler sei nicht nur für Gräueltaten verantwortlich, sondern es gebe auch „Sachen, die er in die Wege geleitet hat und die wir heute noch benutzen.“
(las/dts)

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