
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will die Adoptionshilfe in Deutschland grundlegend reformieren. Künftig soll es einen Rechtsanspruch auf die zeitlich unbegrenzte Begleitung aller an einer Adoption Beteiligten geben, berichten die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.
Das geht aus einem Referentenentwurf des Ministeriums hervor, der jetzt zur Anhörung an die Länder und an Verbände geschickt wird. Unter anderem soll der Kontakt zwischen Herkunftsfamilie und Adoptivfamilie stärker gefördert werden.
Die leiblichen Eltern sollen künftig das Recht auf Informationen erhalten, die bei der Adoptionsvermittlungsstelle von den Adoptiveltern freiwillig für sie hinterlegt wurden. Das können beispielsweise Informationen über Kita- und Schulbesuch oder die Hobbys des Kindes sein. Ziel sei es, einen offenen Umgang mit der Adoption zu fördern. Die Vermittlungsstellen sollen dabei eine Lotsenfunktion übernehmen.
Um die Rechte der Kinder stär ker in den Mittelpunkt zu rücken, plant das Ministerium in seinem Entwurf eine altersgerechte Aufklärung der Kinder. Für das gegenseitige Vertrauen sei es entscheidend, die Adoptiveltern zu ermutigen und dabei zu unterstützen, offen mit dem Kind über die Adoption zu sprechen, heißt es.
Die Adoptionsvermittlungsstellen sollen deshalb zum 16. Geburtstag des Kindes die Adoptiveltern kontaktieren und darüber aufklären, wie wichtig es für Kinder sei, ihre Herkunft zu kennen. Das Bundesfamilienministerium hält es außerdem für erforderlich, die Adoption von Stiefkindern besser zu begleiten. So soll eine verpflichtende Beratung aller Beteiligter durch eine Adoptionsvermittlungsstelle vor Ausspruch der Adoption von Stiefkindern eingeführt werden.
Die Adoptionsvermittlungsstelle muss dabei sicherstellen, dass die Adoption allein dem Kindeswohl dient und nicht aus anderen Motiven, beispielsweise zur Vermeidung von Sorge- und Umgangsrechtskonflikten oder zur Beendigung von gesetzlichen Unterhaltsverpflichtungen, beantragt wird.
Für Adoptionen von Kindern aus dem Ausland soll ein verpflichtendes Anerkennungsverfahren eingeführt werden. Unbegleitete Auslandsadoptionen sollen fortan nicht mehr möglich sein, heißt es im Referentenentwurf.
Auslandsadoptionen dürfen dann nur durch eine zugelassene Adoptionsvermittlungsstelle vermittelt werden. Dies diene der Einhaltung von Schutzstandards und solle Kinderhandel ausschließen, wird im Entwurf begründet. Die Zahl der Adoptionen hat sich auf etwa 4.000 im Jahr eingepegelt. 2017 wurden 3.888 Kinder adoptiert, 2016 waren es 3.976. (dts Nachrichtenagentur)
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