Landau. Mit dem Frühling kommen die Saatkrähen zurück. Die Vögel haben in den vergangenen Wochen ihre Horstbäume in der Landauer Innenstadt wieder belegt – leider auch mit negativen Begleiterscheinungen wie Lärm und Schmutz.
Um Lösungen zu finden, die sowohl naturschutzfachlich erlaubt als auch im Sinne der betroffenen Bürger sind, hat die Stadt im Nachgang einer Diskussions- und Informationsveranstaltung Ende vergangenen Jahres einen Runden Tisch ins Leben gerufen, der jetzt zum ersten Mal tagte.
Dem Runden Tisch gehören Vertreter von Stadtverwaltung und Politik, Fachleute zum Thema Saatkrähen sowie Bürger an.
Insgesamt 13 Mitglieder diskutierten bei der ersten Zusammenkunft über die Problemfelder, die mit der zunehmenden Saatkrähenpopulation in Landau einhergehen.
Der Leiter des städtischen Umweltamts, Markus Abel, informierte zunächst über die Erkenntnisse der Meldestelle, die von Februar bis März dieses Jahres beim Umweltamt geschaltet war.
Demnach gibt es in der Innenstadt vier sogenannte „Brennpunkte“ in Sachen Saatkrähen: Das Otto-Hahn-Gymnasium, die Pestalozzischule, den Goethepark und den Ostpark. Als Gründe für die Beeinträchtigungen nannten die teilnehmenden Bürger vor allem Lärmbelästigung sowie Kot unter Bäumen und auf parkenden Autos, aber auch aus dem Nest gefallene Jungvögel und Angst vor Vogelschwärmen.
„Die Stadt weiß um die Probleme der Anwohner und bedauert die Unannehmlichkeiten, die mit den Vögeln einhergehen, zutiefst“, versichert Beigeordneter und Umweltdezernent Rudi Klemm. „Mögliche Maßnahmen jetzt „übers Knie zu brechen“ wäre aber der falsche Weg.
Wir haben in der Vergangenheit bereits die Erfahrung gemacht, dass gut gemeinte Aktionen wie der Rückschnitt der Bäume an der Pestalozzischule die Situation nur verlagert bzw. sogar verschlimmert haben.
Wenn wir die Saatkrähen-Problematik in den Griff bekommen wollen, geht das nur mit einem fundierten, langfristig angelegten Konzept. An einem solchen arbeiten wir gerade.“ Er sei sich bewusst, dass das für die betroffenen Bürger frustrierend sei, so der Umweltdezernent weiter. Eine andere Lösung, um den unter Naturschutz stehenden Vögeln Herr zu werden, gebe es aber nicht.
Dagmar Stiefel, Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, erläuterte, dass das einzige erfolgsversprechende Mittel eine Umsiedlung der Vögel von der Innenstadt in weniger störende Bereiche sei.
Dazu müssten die Krähen über mehrere Jahre vertrieben bzw. „vergrämt“ und in Randbereichen des Stadtgebiets heimisch gemacht werden. Bis eine solche Maßnahme Erfolg zeige, könnten aber zwischen zehn und 15 Jahren ins Land ziehen, so Stiefel.
Um die Situation in der Übergangszeit für die Betroffenen erträglich zu machen, diskutierte der Runde Tisch Zwischenlösungen, die sich an den einzelnen „Brennpunkten“ orientieren. Vorgesehen ist beispielsweise, die Parkplätze und Pausenhöfe vor Vogelkot zu schützen – etwa durch das Aufhängen spezieller Segel.
Im Zuge der Gesamtmaßnahme sollen zudem die Bestandszahlen der Saatkrähen für das Jahr 2017 aktualisiert, geeignete Ausweichgebiete gefunden und neue Bäume in Randbereichen gepflanzt werden.
Auch Umweltbildungs-Maßnahmen zur Akzeptanzförderung sind angedacht. Die Mitglieder des Runden Tischs treten im September wieder zusammen. (ld)

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