Donnerstag, 09. Juli 2020

Ein einmaliges Projekt für Pirmasens und ganz Deutschland: 100 Künstler aus 24 Ländern verwandeln Felsentreppe in Kunstwerk

8. Dezember 2019 | noch keine Kommentare | Kategorie: Allgemein, Regional, Südwestpfalz und Westpfalz

Natürlich wollten die Pirmasenser die neue Treppe mit ihren zahlreichen Mosaiken genau erkunden.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Pirmasens. Die Felsentreppe in der Schäferstraße präsentiert sich in neuem Gewand. Der bisher schmucklose Turm hat sich durch eine schillernde Verkleidung mit Motiven aus Flora und Fauna zu einem echten Hingucker verwandelt.

Aus der Felsentreppe wurde nun die Vogeltreppe, denn kunstvoll gestaltete Vögel sind auf dem ganzen Kunstwerk zu finden. Das mit rund 70 Quadratmetern wahrscheinlich größte Mosaik in Rheinland-Pfalz wurde am zweiten Adventssonntag, 8. Dezember 2019, offiziell enthüllt.

Viele Pirmasenser trotzten den winterlichen Temperaturen und wollten bei der kleinen Feierstunde mit Glühwein und Plätzchen dabei sein.  Oberbürgermeister Markus Zwick dankte vor allem der Künstlerin Isidora Paz López. Sie sei eine visionäre Künstlerin, die mit dieser Idee nun ein neues Pirmasenser Glanzstück realisiert habe.

Begeistert sprach Zwick über das „vorgezogene Weihnachtsgeschenk“, in das die Künstlerin viel Liebe und Begeisterung für Mosaik und Stadt gelegt habe. „Die Treppe ist ein Symbol für Kreativität und Lebensfreude und ein Zeichen des Aufschwungs für die Stadt“.

Detail der Vogeltreppe.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Sein Dank galt allen Beteiligten, besonders aber Rolf Schlicher, Leiter Stadtmarketing, Tourismus/Kultur/Sport, Lisa Becker (Stadtmarketing), Beigeordnetem Dennis Clauer, dem langjährigen Bau- und Finanzdezernent, Michael Schieler, sowie Alt-OB Bernhard Matheis als stellvertretendem Vorsitzenden der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung.

Rolf Schlicher gab einen kurzen Rückblick über die ersten Kontakte 2015 zur Künstlerin über deren Ehemann Chris. Auch Finanzdezernent und Stadtrat mussten überzeugt werden. Selbst die SGD Süd waren bei einer Begehung erstaunt, wie das alles geschafft werden konnte.

Künstlerin Isidora bedankte sich per Übersetzerin bei Allen, „die mit geholfen haben“, unter ihnen waren auch einige Praktikanten. Es sei dies ein wichtiges Geschenk an die Stadt. Sie wolle auch andere Städte zu einem solchen Kunstprojekt ermutigen.

Freigabe der Vogeltreppe: v. l.n.r.: Rolf Schlicher, Isidora Paz Lopez, Michael Schieler und OB Zwick.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Hintergrund:

100 Künstler – 24 Länder – 1 Mission. Auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner lässt sich das einzigartige Kunstprojekt reduzieren. Mit dem großflächigen Mosaik hat Pirmasens ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das nicht nur das Stadtbild verschönert, sondern gleichzeitig die Lebensqualität erhöht und außerdem auf das Artensterben hinweist.

Denn immer mehr Vögel schaffen es nicht, sich dem raschen Tempo des Klimawandels anzupassen, wie Forscher herausgefunden haben.

Für die Realisierung des deutschlandweit einmaligen Projektes konnte das Stadtmarketing gemeinsam mit dem Pirmasens Marketing e.V. die aus Chile stammende 43-jährige Künstlerin Isidora Paz López verpflichten.

Isidora Paz López hat in den vergangenen 15 Monaten zusammen mit mehr als 100 Spezialisten aus 24 Ländern insgesamt mehr als 10 000 Arbeitsstunden in das Mosaik-Projekt gesteckt.

Mehrere tausend Keramikfliesen wurden so im „gläsernen Atelier“ in kleinteiligen Prozessen zu passenden Mosaikteilchen (zwischen sechs und zwölf Millimetern) verarbeitet. Befreundete Künstler, die nicht nach Pirmasens kommen konnten, um sich vor Ort aktiv und unentgeltlich einzubringen, haben ihre Beiträge per Post nach Pirmasens geschickt. So sind letztendlich 170 Vogel-Motive aus aller Herren Länder ins temporäre Atelier im Rheinberger-Komplex geflattert.

Parallel dazu wurde zwischen Mitte Juni und Mitte September 2019 – die Felsentreppe instand gesetzt. Die Maßnahmen zur Ertüchtigung des Funktionsbauwerkes (Baujahr 1969/70) wären ohnehin notwendig gewesen, da der Zahn der Zeit am Beton genagt hat.

Ende September hatte Isidora Paz López mit der Montage der einzelnen Fliesenelemente begonnen. Diese wurden mittels eines speziellen Zweikomponentenklebers angebracht. Die auf einer Fläche von fast 70 Quadratmetern verbauten Mosaik-Elemente wiegen zusammen rund zwei Tonnen.

Ähnliches wie jetzt in Pirmasens hat Isidora Paz López bereits zuvor in der chilenischen Hauptstadt realisiert. So zeigen heute die Mauern einer U-Bahn-Station in Puente Alto die farbenfrohe Silhouette eines pittoresken Gebirges.

Die veranschlagten Kosten für das Pirmasenser Projekt in Höhe von 50 000 Euro werden durch eine großzügige Zuwendung der Liselott-und-Klaus-Rheinberger-Stiftung gedeckt. Unterstützt wird das Projekt von Villeroy & Boch sowie von Agrob Buchtal, zwei der führenden deutschen Keramikfliesenhersteller.

Die Verwaltung hatte den Hauptausschuss in der Sitzung am 3. September 2018 mit der künstlerischen Gestaltung befasst. Das Mosaik-Projekt stellt einen weiteren Baustein zur Aufwertung der Innenstadt dar.

Pirmasens – die Stadt der Treppen

Wie das alte Rom auf sieben Hügeln erbaut, ist das Pirmasenser Stadtbild geprägt von zahlreichen Treppen, deren Steigung und Stufenwerk nicht nur die Besucher, sondern auch manchen Einheimischen aus der Puste bringen.

Zwei große Felsenwände durchziehen die Stadt von Norden nach Süden. Insgesamt 137 Treppen und Treppenanlagen mit über 3 000 Stufen sind im Stadtarchiv verzeichnet. Zu den bekanntesten Funktionsbauwerken zählt die aufwändig gestaltete Schlosstreppe mit integrierter Brunnenanlage.

Die heutige Felsentreppe wurde 1908 gebaut und löste den ursprünglich in Serpentinen angelegten Felsenbergpfad ab. Das Funktionsbauwerk verbindet über 131 Stufen die Schäfer- mit der Bahnhofstraße. Die abgeschlossene Baumaßnahme umfasste die Sanierung der gesamten Betonkonstruktion des Treppenturms sowie die Installation neuer Geländer und einer modernen wie energiesparenden LED-Beleuchtung. Die Kosten belaufen sich auf rund 195 000 Euro.

OB Zwick (l.), Künstlerin Isidora Paz Lopez und Baudezernent Michael Schieler freuen sich über das gelungene Werk.
Fotos auch Galerie: Pfalz-Express/Ahme

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