Donnerstag 15.Oktober 2026

Ehemalige Straußenfarm in Rülzheim: Rückbau noch nicht abgeschlossen – Vollstreckung im Raum

23. April 2026 | Kategorie: Kreis Germersheim

Strauße auf der Straußenfarm in Rülzheim.
Foto (Archiv): Pfalz-Express

Rülzheim – Die ehemalige Straußenfarm „Mhou“ in Rülzheim ist seit Ende 2022 geschlossen. Nach mehr als 15 Jahren am Standort wurde der Betrieb aufgegeben, die Tiere europaweit an verschiedene Halter verkauft.

Die Anlage war 2007 aus dem badischen Rheinmünster-Schwarzach nach Rülzheim verlegt worden. Auf dem Gelände des früheren Kreisbildungs- und Freizeitzentrums entwickelte sich in den folgenden Jahren eine der größten Straußenzuchten Europas. Zeitweise kamen nach Betreiberangaben bis zu 100.000 Besucher pro Jahr, neben der Tierhaltung gehörten Gastronomieangebote und ein Ausbildungszentrum für internationale Straußenzüchter zum Betrieb.

Vom Übergabeversuch zum Streit

Nach rund 16 Jahren in Rülzheim bereiteten die langjährigen Betreiber Uschi Braun und Christoph Kistner aus Altersgründen ihren Rückzug aus dem aktiven Geschäft vor. Der Betrieb sollte an Nachfolger übergehen, die bereits gefunden und in Gesprächen eingebunden gewesen seien.

Die geplante Übergabe kam jedoch nicht zustande, denn es prallten unterschiedliche Vorstellungen über die Zukunft des Geländes aufeinander. Die Betreiber verweisen auf ihrer noch existierenden Webseite auf wirtschaftliche Vorgaben und vertragliche Bedingungen der Gemeinde, die eine Fortführung durch Dritte quasi unmöglich gemacht hätten. Die Ortsgemeinde mit dem damaligen Ortsbürgermeister Reiner Hör wiederum stellte die Eignung der vorgesehenen Lösungen infrage und verfolgte eigene Entwicklungsüberlegungen für das Areal.

Am Ende stand die Aufgabe des Betriebs. Im Anschluss entwickelte sich ein juristischer Streit über Räumung und Rückbau der Anlage. Ein Urteil des Landgerichts Landau aus dem Jahr 2024 gab der Gemeinde in wesentlichen Punkten Recht und verpflichtete zur Räumung des Geländes und zum Rückbau der baulichen Anlagen.

Offener Rückbau am Standort

Mehr als drei Jahre nach der Schließung ist das Gelände weiterhin nicht vollständig geräumt. Ortsbürgermeister Michael Braun (Aktive Bürger) erklärte auf Anfrage des Pfalz-Express, aus dem Urteil seien bislang keine umfassenden Rückbaumaßnahmen vor Ort umgesetzt worden.

Nach Angaben der Gemeinde stehen noch umfangreiche Arbeiten aus. Dazu gehören Zaunanlagen und Tore, zwei Gebäude mit früherem Bauhof und Kükenhaus, Bodenplatten, der Rückbau von Wegen und Abbruchreste aus Beton und Bitumen. Besonders ins Gewicht fällt der Lärmschutzwall, dessen Rückbau auf etwa 200.000 Euro geschätzt wird. Für Transport und Entsorgung rechnet die Gemeinde zusätzlich mit etwa 50.000 Euro.

Frist wird knapp

Teile des Areals sind inzwischen in kommunaler Nutzung. Das ehemalige Wohngebäude dient dem Sozialamt der Verbandsgemeinde als Wohnraum. Der frühere Verkaufsraum wird als Baubüro für die Kita „Villa Zauberwald“ genutzt und steht dem Verein „Pfälzer GuggeGlucke“ zeitweise als Proben- und Lagerraum zur Verfügung. Die ehemaligen Weideflächen bleiben weiterhin gesperrt, da der Rückbau dort aussteht.

Die Gemeinde hat eine Frist bis zum 15. Mai 2026 gesetzt. Sollte diese Frist ohne vollständige Umsetzung verstreichen, ist ein Vollstreckungsverfahren vorgesehen. Ein Gerichtsvollzieher hat sich nach laut Braun bereits proaktiv eingebunden.

Foto (Archiv): Pfalz-Express

 

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Zur Startseite

Abonnieren Sie auch unseren Pfalz-Express-Kanal bei YouTube

Diesen Artikel drucken Diesen Artikel drucken

Kommentare sind geschlossen