Donnerstag 14.Mai 2026

Diskussion um den MSG-Glockenturm in Landau spitzt sich zu: Sanierung ohne Förderung oder weiterer Verfall?

24. April 2026 | Kategorie: Landau, Regional, Regional

Der Glockenturm des MSG – ein Landauer Wahrzeichen…
Archivfoto: Pfalz-Express/Ahme

Landau. Fast sieben Jahre steht das Dach des Glockenturms des Max-Slevogt-Gymnasiums (MSG) nun schon im Schulhof – ein Zustand, der zunehmend Kritik aus der Bürgerschaft und von Denkmalschützern hervorruft.

Der 1887 errichtete Turmaufsatz wurde 2019 wegen Schädlingsbefalls abgebaut und sollte ursprünglich bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2020 restauriert zurückkehren. Stattdessen lagert er weiterhin im Freien, zur Zeit „verschönert“ durch ein Plakat der Stadt Landau, die Unbekannte an anderer Stelle entfernt hatten.

Die Stadt Landau hatte im Juni 2025 einen Förderantrag bei der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz gestellt, um die Sanierungskosten von rund 180.000 Euro zumindest teilweise zu decken. Eine Zusage über die erhofften 60.000 Euro gibt es wohl nicht.

Kritiker befürchten, dass die lange unsachgemäße Lagerung im Schulhof – unter anderem durch Kondenswasser – den Zustand des historischen Dachs weiter verschlechtert und die Kosten unnötig in die Höhe treibt. Bereits im Oktober 2019 hatte die Stadt auf ihrer Facebook-Seite angekündigt, das „gute Stück“ nach Begutachtung zurückzubringen und den verbleibenden Turmstumpf mit einem Notdach zu schützen.

…das Dach steht immer noch auf dem Schulhof…

Klaus-Georg Hoffmann: Markantes städtebauliches Element

Der Glockenturm ist nicht nur ein markantes städtebauliches Element, das die Marktstraße nach Norden abschließt, sondern auch Teil des Jugendstil-Ensembles des Landauer Ringstraßensystems. Klaus-Georg Hoffmann, langjähriger Schulmusiker am MSG, Beiratsmitglied im Kulturbeirat der Stadt und engagierter Vertreter der Sparte Musik, plädiert klar für eine Renovierung: „Der Turm gehört zum Gebäude einfach dazu.

Dem ursprünglichen Gebäudeteil entlang des Nordrings fehlt ohne die Spitze etwas Wesentliches.“ Landau bilde zusammen mit Wien eines der wenigen geschlossenen Jugendstil-Ringstraßensysteme in Deutschland – hier zähle jedes Detail. Hoffmann wünscht sich eine breit angelegte Identifikationsaktion, um gezielt Spenden oder zusätzliche Mittel für die Sanierung zu mobilisieren.  „Die Lebensqualität in einer schönen Stadt ist sicher höher“, betont er.

…und harrt der Dinge, die vielleicht noch kommen werden…
Foto: Pfalz-Express

Regionalverband Südpfalz von Stadtbild Deutschland e.V.: Erhebliche Versäumnisse

Auch der Regionalverband Südpfalz von Stadtbild Deutschland e.V. äußert seit Jahren „wachsende Sorge“ und spricht von erheblichen Versäumnissen. In einer Stellungnahme vom 22. April 2026 heißt es, man sei „sehr verwundert“, wie schwer es der Stadt falle, diese „eigentlich selbstverständliche“ Instandsetzung eines identitätsstiftenden Bauteils zu beschließen.

Der Lokalhistoriker Dr. Harald Bruckert wird mit den Worten zitiert: „Das Gebäude des MSG – eng mit unserer Stadt verbunden – wäre ohne sein Türmchen verstümmelt. Das hat Landau nicht verdient.“

Der Verein kritisiert widersprüchliche Signale aus dem Rathaus. Bürgermeister Lukas Hartmann habe einerseits die Verantwortung zum Erhalt von Denkmälern betont, andererseits den schulischen Nutzen gegen den kulturellen Wert ausgespielt.

Eine solche Haltung spalte die Gemeinschaft, statt lösungsorientiert zu wirken. Der Regionalverband fordert die beiden Bürgermeister auf, sich vor der entscheidenden Ratssitzung klar für die Sanierung auszusprechen.

Für die Stadtratsfraktionen gelte: „Enthaltung ist Wegducken vor dem Wähler.“ Aktuell gibt es Bewegung: Der Werksausschuss des Gebäudemanagements (GML) hat dafür gestimmt, die Sanierung auch ohne Landesförderung durchzuführen.

Die endgültige Entscheidung über die 180.000 Euro teure Maßnahme trifft der Stadtrat Ende April 2026. 

Ob der Glockenturm bald wieder seine ursprüngliche Position auf dem MSG einnimmt oder weiter im Schulhof verbleibt, wird in den kommenden Tagen entschieden.

Foto: Pfalz-Express

Quelle: Pfalz-Express

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