Herxheim – Am 3. Juni findet in der Villa Wieser in Herxheim die Lesung „Der dreizehnte Bäcker“ statt. Es handelt sich um eine frei erfundene Erzählung in zwölf Kapiteln.
Von unserer Mitarbeiterin Gabi Kunze
Der in Herxheim lebende Autor Michael Bauer hat die Heimatsatire geschrieben, welche er trefflich erzählt und die mit einer Prise Ironie und einem guten Schuss Humor gewürzt ist.
Jedes Jahr findet in Herxheim die Laurentiusbrotweihe statt. Zurückgehend auf ein Ereignis aus dem Jahre 1666, in dem die Pest dort wütete und die Menschen an Krankheit und Hunger sterben mussten. Die Bewohner angrenzender Ortschaften hatten Erbarmen und stellten Brot an der Banngrenze ab.
Die Herxheimer gelobten, jährlich ihr Erstlingsbrot den Helfern zu schenken, falls sie das Unheil überleben sollten. Und so geschah es. Bis heute wird dieser Brauch beibehalten und am Sonntag nach dem Namenstag des Heiligen Laurentius, den 10. August, geweihtes Brot verteilt.
Ausgehend von diesem Ereignis, hat Michael Bauer eine pfälzische Charakterstudie rund um den Brotwagen und das Laurentiuskreuz aufs Papier gebracht.
Da gibt es den Fernsehredakteur, der recht plump seine Ideen verwirklichen möchte.
Hier den Bürgermeister, der sich Aufmerksamkeit verspricht, dort den Herrn Pfarrer, welcher mit Kreuzschändung und seinem Ruf zu kämpfen hat. Und, nicht zu vergessen, zwei Frauen, die ein wenig die hergebrachten Traditionen und Weltvorstellungen durcheinanderwirbeln.
Wenn zwischen dem guten alten Sauerteigbrot plötzlich ein blondes Baguette liegt und sich eine Tamilin in der Orts-Chronik besser auskennt, als die eigene Bevölkerung, dann kommt Bewegung ins Spiel.
Michael Bauer ist ein genauer Beobachter, ein Hinhörer zwischen den Zeilen, der seine Gedanken wie eine „Pilz-Zucht“ wachsen lässt, wie er es selbst beschreibt.
Seine sprachlichen Darbietungen sind gekonnt und nehmen den Zuhörer mit auf die vergnügliche Reise durch die „Bauersche Welt“.
Ob Buchhändler, Liedermacher, Redakteur beim SWF/SWR, Buch-, Rundfunk-, Theater- und Zeitungsautor, in seiner Brust schlägt das Herz für das „Wort“.
Im Jahr 1947 wurde Michael Bauer in Kaiserslautern geboren. Früh begann er schon zu Schreiben und erarbeitete für die Schulaufführungen Theaterstücke. Inspiriert von Künstlern wie Hugo Ball und der experimentellen Lyrik, zeichnete sich die Richtung seines Weges ab.
Gerne vermischt er die Hochsprache mit dem Dialekt und auch mit Fremdsprachen: „Grübel about my g´schwolle eyes. Grübel about this painful day. Grübel about our lost paradise. Grübel about my small Portemonnaie… Grübel-Time!“
In Mainz und Saarbrücken studierte er Literaturwissenschaften. Bekannt wurde er als Pfälzer Mundartdichter. „De klääne Pälzer“, „Der Pfalzkönig“, seine „Winzlyrik“ und nicht zuletzt „Seeleschokolad“ sind einige seiner bekanntesten Werke.
Wer den Heimatpoeten das erste Mal sieht, könnte meinen: „Och, das könnt auch ein Franzose sein.“ Tatsächlich ist die Grenze zu Frankreich, oder genauer, zum Elsass, nicht weit weg. Ob Boulangerie und Weißbrot einen Einfluss auf ihn hatten?
Es kann möglich sein. Seine „Madame“ hat er jedenfalls in Herxheim gefunden, im Chawwerusch Theater. Als Schauspielerin war und ist sie, ebenso wie er, eine Frau des Wortes. Und, wie Bauer respektvoll bekundet, seine wertvollste Kritikerin und Lektorin.
„Sei mei sießes sahneeis, sei mei herzenskeks, du tuscht meine glieder gut, wie zwää große steaks“. Dieses Zitat aus dem Text „Love me pälzisch“, im Rhythmus von „Love me tender“ verfasst, zeigt eine gewisse Empfindsamkeit, gepaart mit der typisch pfälzischen Erdung.
Die Begleitung seiner Texte mit musikalischen Elementen sind bei Michael Bauer fließend. Erst kürzlich erschien die CD „WeltunnergangsBlues“, die ein voller Erfolg wurde. Gemeinsam mit den Bluesmusikern Hans Reffert und Wolfgang Schuster hat er diese Mischung aus Sprechtiraden und Musik aufgenommen.
„Kennst du den Weltunnergangsblues? Das ist ein Blues wie das Jüngste Gericht. Wie fünfzig Kilo Übergewicht.“
Tja, was tun bei einem solchen Blues, der so Blue ist? Am Besten die CD zu Ende hören und sich ganz entspannt dabei zurücklehnen, am Allerbesten in einem „singing-the original-sound-Bluessänger-Schaukelstuhl“.
Jedenfalls ist Michael Bauer kein im Türmchen sitzender Schreiberling, der sich, über Heckenrosen weilend, schöne Verse ausdenkt.
Er ist eher ein stiller Typ, genau im Erfassen und Beschreiben, der inmitten des Lebens und Treibens seine Inspirationen findet. Preise hat er auch gewonnen, doch nicht alle angenommen.
Den Jakob-Böshenz-Preis für das literarische Gesamtwerk hat er 1991 wieder zurückgegeben, da Böshenz mit den Machthabern in Nazi-Deutschland sympathisiert hatte. Später wurde dieser Preis sogar abgeschafft.
Und auch in der aktuellen Flüchtlingskrise stehen er und seine Frau für die Menschlichkeit und gegen Fremdenhass. Aktiv helfen und organisieren sie, wo sie nur können. Mit seinem Gedicht „Hamsi“ hat er einen Text verfasst, in dem die Grausamkeit von Flucht und Vertreibung erfühlbar wird, ohne dabei blutige Bilder zu erzeugen:
صديق
Dem kleinen Hamsi
ist ein Wort nicht
aus dem Kopf gegangen
während der Angriffe,
als der Kalk
der Kellerdecke
ihm den Haarschopf
grau färbte.
Auch im stinkenden
Boot vor Lampedusa
hat er`s nicht vergessen
sondern mitgenommen in den Kindergarten
am Rhein.
Ein arabisches Wort.
Es bedeutet Freund.
Noch behält er es
für sich.
Was sind die Essenzen des Heimatpoeten?
Ist es die Heimatliebe? Die Liebe zum Wort, die Liebe zu den Menschen?
„Es gebt e antwort, es gebt immer nur ää antwort, die lieb.“
Oder ist es das Aufdecken von Abgründen und das schelmische Augenzwinkern von einem, der die List durchschaut hat, die List, mit der jeder sich so durchschlängelt?
„Bei uns in de provinz do, do winze mer, do unse mer, bei uns in de provinz do, do bei mer uns pro uns.“
Ein humorvolles Wackeln an den Säulen der ländlichen Idylle kann nicht schaden.
Mit der Satire „Der dreizehnte Bäcker“ wackel Michael Bauer ein wenig daran.
Musikalisch wird er von Benno Burkhart an der Jazzgitarre begleitet, mit „Kürzestmusik“. Vielleicht geht sie auch etwas länger.
Im Herbst erscheint ein neues Buch von Michael Bauer mit dem Titel „Pfalzgezeter“. Sicherlich kann man sich auf eine weitere Lesung mit dem produktiven Autor freuen.
Freitag, 3. Juni, um 19.30 Uhr in der Villa Wieser in Herxheim:
Michael Bauer: „Der dreizehnte Bäcker“.
Mit Benno Burkhart, Jazzgitarre.
Karten sind im Rathaus Herxheim erhältlich und an der Abendkasse.

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