Mittwoch, 30. November 2022

Dekane beschweren sich – Marion Schneid (CDU): Rheinland-pfälzische Hochschulen und Universitäten finanziell besser unterstützen

Wirtschaftsminister Wolf (SPD): „Gemeinsames Procedere ist maßgeblich“

17. Juni 2020 | Kategorie: Allgemein, Landau, Politik regional, Politik Rheinland-Pfalz

Hinweisschild Universität Koblenz-Landau – Campus Landau.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

RLP. Ein Brandbrief aller Dekane der Universität Koblenz-Landau hat Hochschulminister Wolf erreicht. Von „fehlender finanzieller Unterstützung der Universität durch das Land und ‚irreversible(n) Schäden für die Universitätsstandorte“ ist die Rede.

„Nicht das erste Mal, dass Lehrende der Universität Koblenz-Landau ihre Sorgen öffentlich an Minister Wolf herantragen“, erklärt die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-
Landtagsfraktion Marion Schneid: „Minister Wolf muss die Bedenken der Dekane endlich ernst nehmen – ihre Befürchtungen, dass die Uni-Standorte Koblenz und/oder Landau beim Fu-sionsprozess auf der Strecke bleiben könnten, sind nicht von der Hand zu weisen.

Die Universitätsstandorte sind seit Jahren unterfinanziert. Ganz offensichtlich gibt es kein durchdachtes Finanzkonzept. Die Hochschulstrukturreform erfordert zudem zusätzliche finanzielle Investitionen. Dies alles führt zur Unsicherheit. Die Universitätsstandorte fragen sich, wie es weitergehen soll. Der Hochschulminister schürt bei allen Betroffenen Zu-
kunftsängste und sorgt für Irritationen.

Bei den beteiligten Hochschulen, den Uni-Beschäftigten und den Studierenden wächst das Misstrauen gegenüber Minister Wolf“, so Schneid. Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion erneuert an dieser Stelle die Forderungen und den Vorschlag ihrer Fraktion nach einer besseren finanziellen Unterstützung der rheinland-pfälzischen Hochschulen
und Universitäten allgemein und im Besonderen für den Umstrukturierungsprozess der Universität Koblenz-Landau und Kaiserslautern durch Hochschulminister Wolf und die Landesregierung.

Die CDU-Landtagsfraktion fordert: 1. Erhöhung der Grundfinanzierung, 2. Mittel zur Entflechtung, 3. Mehr Professuren zur Profilschärfung

Die hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Marion Schneid, kündigt eine Videokonferenz mit den Dekanen an, an der auch der Fraktionsvorsitzende, Christian Baldauf, teilnehmen wird.

Entsprechende Planungen dafür liefen bereits.

Trennung der Universität Koblenz-Landau – Wolf: „Gemeinsam vereinbartes Prozedere ist maßgeblich“

Wissenschaftsminister Konrad Wolf wiederum zeigt großes Unverständnis angesichts des Offenen Briefes der Dekane der Universität Koblenz-Landau und erinnert an das vereinbarte Verfahren. „Die Neustrukturierung ist kein Sparkonzept. Wir möchten die beiden Universitäten zukünftig gut aufstellen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Ministerium und Hochschulleitung einen gemeinsamen Weg beschrieben.

Hierzu gehöre auch die finanzielle Ausstattung der beiden zukünftigen Universitäten. „Dieses gemeinsam vereinbarte Prozedere ist maßgeblich“, so Wolf. Das Thema der Finanzierung werde mit den Universitäten „in einem sehr engen Dialog diskutiert“.

Dabei sei zwischen den Bereichen der Transformation, der künftigen Verwaltung und Infrastruktur sowie der Profilbildung zu unterscheiden. Für die temporären Kosten der Transformation stelle das Wissenschaftsministerium den Universitäten Koblenz-Landau und der Technischen Universität Kaiserslautern acht Millionen Euro zur Verfügung.

„Die Universitäten erhalten bereits Mittel für zusätzliche Bedarfe aufgrund des Transformationsprozesses. Für die weitere Profilentwicklung sollen den Universitäten aus dem Innovationsfonds der Hochschulinitiative Mittel zur Verfügung gestellt werden. Dies wird in den aktuell laufenden Gesprächen zur Verstetigung des Hochschulpaktes festgehalten.

Die Universität Koblenz-Landau erhält hier insgesamt rund 70 Mio. Euro in den Jahren 2021 bis 2023. Weitere Ressourcenfragen betreffen einen Zeitraum ab dem Haushaltsjahr 2023 sowie die langfristige Entwicklung der Universität.“ Grundlage dieser Finanzplanungen müsse die Erarbeitung von inhaltlichen Konzepten mit validen Zahlen sein. Erst auf dieser Grundlage könnten haushaltpolitische Entscheidungen getroffen werden.

„Die Universität Koblenz-Landau hat einen Großteil der Mittel aus der Hochschulinitiative für gute Lehre und gutes Studium im letzten Jahr zugesprochen bekommen. Dies wurde auch von Seiten der Hochschulleitung positiv bewertet. Das zeigt, dass wir insgesamt auf einem guten Weg in der Finanzierung sind“, wundert sich Wolf.

„Einige der aufgeführten Argumente des offenen Briefs der Dekane können wir so nicht nachvollziehen. Dies zeigt, dass das gemeinsame Verfahren sinnvoll ist. Wir brauchen gute Konzepte für die Zukunft, keine gegriffenen Zahlen. Auf dieser Grundlage werden wir die zukünftige Ausstattung der beiden Universitäten entwickeln. Hier ist die Hochschulleitung gefordert“, so Minister Wolf.

Aktuell bestehe z. B. kein gemeinsames Rechenzentrum der Universität Koblenz-Landau wie im Dekanen-Brief formuliert. Sowohl der Campus Landau als auch der Standort Koblenz verfügten über eigene Rechenzentren. In Koblenz übernehme den technischen Support das Gemeinsame Hochschulrechenzentrum Koblenz (GHRKO), das 1976 als gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der damaligen Fachhochschule Rheinland-Pfalz, Abt. Koblenz (heute Hochschule Koblenz) und der Universität Koblenz-Landau, Abt. Koblenz, gegründet wurde.

Auch die Vergleichszahlen zwischen der Universität Trier und der Universität Koblenz-Landau können nicht durch das Wissenschaftsministerium nachvollzogen werden. „Legt man die laufenden Ausgaben der beiden Universitäten im Jahr 2017 zugrunde, erhält man einen durchschnittlichen Wert von ca. 4.400 Euro für Koblenz-Landau und 5.800 Euro für Trier pro Studierenden. Mit Mittelwerten einen Vergleich anzustellen, ist immer problematisch.

Faktisch betrachtet kann ein Vergleich nur auf Fächerebene stattfinden und dann jedoch auch nur mit den vergleichbaren Abschlussarten, was bedeutet, dass man Lehramtsstudiengänge auch nur mit Lehramtsstudiengängen vergleichen kann. Angesichts des in Rheinland-Pfalz einzigartig Fächerspektrums der Universität Koblenz-Landau ist ein Vergleich mit einer anderen Universität im Land daher kaum möglich“, ergänzt Wolf.

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