Sonntag, 07. Juni 2020

Clemens Nagel: Gefühle nach dem Terror in Paris

30. November 2015 | noch keine Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Leute-Regional
Die Terroranschläge am 13. Novembr erschütterten die Welt. Foto: dts Nachrichtenagentur

Die Terroranschläge am 13. November erschütterten die Welt.
Foto: dts Nachrichtenagentur

Minfeld / Paris – Clemens Nagel war letzte Woche in Paris – kurz nach den Terroranschlägen, die 129 Menschen das Leben gekostet hatten.

Nagel ist weit über die Südpfalz hinaus ein bekannter und geschätzter Politiker und Mitbürger. Er war von 1975 bis 2001 SPD-Landtagsabgeordneter von Rheinland-Pfalz und von 1984 bis 2004 Ortsbürgermeister von Minfeld.
Als erster rheinland-pfälzischer Präsident der Oberrheinkonferenz hat Clemens Nagel die grenzüberschreitende Zusammenarbeit maßgeblich gestaltet.

Für seine ehrenamtlichen Verdienste wurde Clemens Nagel 2005 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

In einem Brief schreibt Nagel über seine Eindrücke.

Clemens Nagel

Clemens Nagel

„Ich war viel zu früh. Erst um 11.30 Uhr sollte die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an einen guten Freund in der Deutschen Botschaft in Paris erfolgen. Also beschloss ich, die Zeit bis dahin in einem nahe gelegenen Bistro zu verbringen.

Als ich eintrat, standen alle Besucher und schauten angespannt auf den Flachbildschirm am Ende des Raums. Gerade erklang die französische Nationalhymne, die Marseillaise. Der französische Staatspräsident kam ins Bild: Ernst und Betroffenheit in seinen Gesichtszügen.

Es war die Live-Übertragung der Nationalen Gedenkfeier zu Ehren der Ermordeten von Paris im Invalidendom. Auch bei den Menschen um mich herum war Trauer, Ohnmacht und Betroffenheit zu spüren.

Eine Sängerin trägt ein Chanson von Jaques Brel und von Barbara vor.

Feuchte Augen, Schnäuzen, verhaltenes Schluchzen bei den Bistro-Besuchern. Nach einer Stunde nochmals die Marseillaise, gesungen von den Trauergästen der Gedenkfeier und den Bistro-Besuchern.

Ich verlasse das Bistro. Mir ist kalt. Ich spüre Gänsehaut unter meinem Wintermantel.

Draußen auf dem Boulevard St. Germain der pulsierende Verkehr wie immer. Die Restaurants und Straßencafés mit ihren Wärmestrahlern unter den Vordächern sind gefüllt wie immer. Als hätte es keinen 13. November gegeben mit den Anschlägen und Toten im Batlacan und den Restaurants und Bars des Arrondissements.

Ich hatte ein Heer von Polizei und Militär in den Straßen von Paris vermutet. Nein, nur sehr vereinzelte Präsenz. Paris lebt, trotzig, nach dem Motto „jetzt erst recht“.

Aktivisten hatten den Spruch aus dem Pariser Stadtwappen überdimensional auf ein Transparent am Place de la République geschrieben: Fluctuat nec Mergitur (Sie schwankt, aber sie geht nicht unter).“  (cn/cli)

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