Landau. Die Landauer Rundsporthalle soll möglicherweise als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. 240 Plätze waren gerichtet, aber nur ungefähr 70 Personen waren der Einladung zu einer Bürgerversammlung in der Halle gefolgt.
OB Schlimmer, Bürgermeister Hirsch und Thomas Sommerock von der PD Landau bildeten das Präsidium, das die Situation eingehend beleuchtete und danach auch Fragen aus dem Publikum beantwortete. Die Moderation hatte Politikwissenschaftler Professor em. Dr. Ulrich Sarcinelli übernommen.
Bisher konnten 525 Flüchtlinge dezentral in der Stadt untergebracht werden, berichtete OB Schlimmer, doch nun sei man an Grenzen gekommen.
Inzwischen treffen wöchentlich 15 bis 20 Personen ein – wie sich das Ganze zukünftig entwickle, sei nicht abzusehen. „Wir fahren auf Sicht“, so Hirsch.
Nach Abwägung verschiedener Unterbringungsmöglichkeiten sei die Wahl auf die Rundsporthalle gefallen, die mit Nebenräumen und Sanitäreinrichtungen gut aufgestellt sei.
„Wir werden das schaffen!“ Ganz im Tenor der Bundeskanzlerin zeigte sich der OB optimistisch, zumal im Januar elf neue Stellen in der Verwaltung und eine Koordinierungsstelle für diesen Bereich geschaffen werden sollen.
Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, aber auch das große Engagement der Hauptamtlichen in der Verwaltung lassen ihn, so Schlimmer, Merkels Worte auf Landau gerne übertragen.
Dem schloss sich auch Bürgermeister Thomas Hirsch an, der festhielt, dass er froh und dankbar sei, dass die gesamte Bürgerschaft in Landau unaufgeregt und größtenteils hilfsbereit und konstruktiv an die Herausforderungen herangehe.
Beide, Oberbürgermeister und Bürgermeister, bekräftigten in der Versammlung, dass die Rundsporthalle vorsorglich aufgrund der aktuellen Kenntnisse ausgebaut werde. „Wir hoffen natürlich, dass wir die Rundsporthalle, wenn überhaupt, dann immer nur übergangsweise für die Flüchtlinge belegen müssen“, so Schlimmer und Hirsch.
70 Einheiten könnten in der Halle entstehen. 270.000 Euro müssen in die Hand genommen werden, um die Halle entsprechend umzugestalten.
Die Spielfläche in der Halle soll mit Trennwänden in Vierbettzimmer unterteilt werden, so dass bei einer Vollbelegung rund 300 Personen untergebracht werden könnten.
Dabei sei die Rundsporthalle auch am besten geeignet, was die Sanitäranlagen betreffe (es gibt zum Beispiel 20 Toiletten). Außerdem stünde genug Fläche zur Verfügung, um auch Sozialräume zu schaffen, die Essensausgabe sicherzustellen (ein Cateringunternehmen wird drei Mahlzeiten pro Tag liefern) und die Betreuung durch Mitarbeiter des Sozialamtes zu gewährleisten, erklärten Hirsch und Schlimmer.
Der Leiter der Polizeidirektion Landau, Thomas Sommerrock, konnte in diesem Zusammenhang die Sicherheitsfragen beantworten und versichern, dass die Sicherheit bei einer möglichen Belegung der Rundsporthalle gewährleistet sei – sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Anwohner.
„Wir wissen, dass die Nutzung der Rundsporthalle vor allen Dingen den Schul- und Vereinssport betrifft. Wir sind deshalb auch besonders den Vereinen und den Schulen dankbar, die uns bei der Lösungsfindung unterstützt haben und konstruktiv begleiten“, so Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer.
Moderator Sarcinelli, der auch schon in Herxheim die dortige Bürgerversammlung geleitet hatte, läutete danach die Fragerunden ein. In Landau waren wohl keine „politischen Äußerungen, die uns nicht weiter bringen“ zu befürchten.
„Wie können wir helfen“ war denn auch schon die erste Frage aus dem Publikum.
Weitere Fragen bezogen sich auf Sicherheitsüberlegungen („wir werden einen Sicherheitsdienst beaftragen“), auf Residenzpflicht („hier herrscht Freizügigkeit“) oder auch auf das Freizeitangebot der zukünftigen Rundsporthallen-Bewohner („damit konnten wir uns noch nicht beschäftigen“).
Der Haupteingang wird als solcher erhalten bleiben – die Halle bekommt aber noch aufgrund des erstellten Brandschutzkonzepts zwei zusätzliche Notausgänge.
Auf die Frage „wieviele Menschen kann Landau noch verkraften?“ war Schlimmers Antwort: „Wir werden laut Königsteiner Schlüssel die aufnehmen, die uns zugewiesen werden“.
„Gibt es einen Überblick über Leerstände in Landau“, wurde gefragt. Dem Fragesteller waren einige solcher Leerstände wohl bekannt. Er laufe öfter daran vorbei.
Es sei eine Wohnraumanalyse in Auftrag gegeben worden, erwiderte Hirsch, außerdem würden nach wie vor Leute als potentielle Vermieter angesprochen. Der Idee einer Fragestellerin, die Panzerhalle oder noch verbliebene Kasernengebäude als Wohnraum für Flüchtlinge zu installieren, erteilte Schlimmer allerdings dann doch eine Absage.
Im sozialen Bereich kümmere man sich um zusätzliche Kita-Plätze, um den Schulbesuch der Flüchtlingskinder und um entsprechende Deutschkurse. „Paralellgesellschaften werden nicht entstehen“ versicherte man auf dem Podium. „Wir hoffen, dass sich nach wie vor viele Bürger und Vereine einbringen werden“, so Hirsch. Man müsse aber auch bei den vielen Hilfsangeboten „priorisieren“ (eine Rangfolge festlegen).
„Wer helfen möchte, kann sich gerne an Sozialamtsleiter Hans-Joachim Malo wenden“, so Schlimmer. Es werde aber auch eine Info-Telefonnummer geschaltet.
OB Schlimmer empfand übrigens die Versammlung und die „konstuktiven“ Fragen als „bereichernd“.
„Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg im Umgang mit den Herausforderungen sind“, so Schlimmer. (desa/red)

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