
Unter anderem am Höhenweg in Kandel entsteht eine Wildblumenwiese.
Fotos: Stadt Kandel
Kandel – Um dem Insektensterben entgegenzuwirken und neue Lebensräume zu schaffen, wurden in den letzten Wochen vom Bauhof der Stadt Kandel an mehreren Orten in Kandel Blühstreifen angelegt.
Dabei wurden Teile öffentlicher Grünflächen, sogenannten „Eh-da-Flächen“, zunächst gefräst und so für die Aussaat vorbereitet. Nachdem das regionale Saatgut aufgebracht wurde, fanden noch abschließende Anwalzarbeiten vom Bauhof statt. Aufgestellte Schilder wie z.B. am Höhenweg deuten bereits darauf hin, dass dort in den kommenden Wochen ein buntes Insektenbuffet entsteht. Jetzt heißt es nur noch Geduld haben.
Jeder kann etwas für mehr Artenvielfalt tun
Blühwiesen können praktisch überall angelegt werden, zum Beispiel im Garten oder in Pflanzkübeln auf dem Balkon. Nachdem der Platz gewählt ist, sollte die Größe der Fläche gemessen werden. Denn von der Fläche hängt ab, wieviel Saatgut benötigt wird. Wichtig bei der Wahl der Samen ist, dass es sich um regionales Saatgut heimischer Pflanzen handelt.
Saatgut-Automat
Auch in diesem Jahr wurde wieder der Saatgut-Automat am Gebäude des Bauhofs in der Elsässer Straße mit regionalem Saatgut bestückt. Dort gibt es für 20 bzw. 50 Cent Samen für Sonnen- oder Wildblumenwiesen. Zudem kann man die wichtigsten Tipps zur Anlage von Blühwiesen nachlesen.

Wie der Rasen zur artenreichen Wildblumenwiese wird, erklärt auch der NABU in einem Video in fünf Schritten.
Mit der angelegten Blühwiesen kann man außerdem an der Aktion „Unsere Biotope – Mehr machen mit“ teilnehmen und die eigene Naturschutzmaßnahme an zentrale@aktion-suedpfalz-biotope.de oder bei der Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde, Victoria Singler (07275 960 210, victoria.singler@vg-kandel.de) melden.
„Ich bin froh, dass wir mit Frau Singler eine engagierte Klimaschutzmanagerin haben. In Zusammenarbeit mit den Abteilungen der Stadt werden wir hier noch weitere wichtige und schöne Projekte angehen. Dafür schon jetzt meinen herzlichen Dank“, so Stadtbürgermeister Michael Niedermeier.
Info
Eine wildblühende Wiese ist pflegeleicht, weniger wasserbedürftig und hitzebeständiger als der herkömmliche Rasen. Gerade im Hinblick auf immer trockener werdenden Sommer ergibt sich in puncto Wasserersparnis ein großes Plus. In den vergangenen Jahren sind bereits viele Rasenflächen aufgrund langer Dürrephasen vertrocknet und verbrannt. Wilde Blühwiesen hingegen weisen durch ihr Artenreichtum eine bessere Anpassungsfähigkeit für Boden- und Klimaänderungen auf, da sich durch den Wildwuchs mit der Zeit viele verschiedene Pflanzenarten mit unterschiedlichen Toleranzen ansiedeln können. Dazu benötigen Blühwiesen keinen Dünger. Denn es gilt: Je weniger Nährstoffe, desto artenreicher die Wiese.
Artenreiche Blühwiesen sind überlebenswichtige Biotope für eine Vielzahl von Insekten. Denn sie finden dort Nektar in Hülle und Fülle und bei rücksichtsvoller Pflege auch Brutplätze. Aber auch für Vögel und andere Tiere können durch nur seltenes Mähen der Blühstreifen wichtige Rückzugsorte entstehen.
Insekten sind wiederum wichtige Bestäuber und damit entscheidend für den Erhalt der Ökosysteme und die Sicherung unserer Nahrungsmittel durch die Landwirtschaft. Jedoch konnte in den letzten Jahren ein dramatischer Rückgang von Insekten nachgewiesen werden. Die Gründe für das Insektensterben sind vielfältig. Einer der Hauptgründe ist jedoch das Verschwinden ihrer Lebensräume.
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