
Julia Klöckner packte zum Start der Weinlese kräftig mit an.
Foto: red
Siebeldingen. In dieser Woche beginnt in den deutschen Weinanbaugebieten die Hauptlese des Jahrgangs 2021.
Über die Aussichten der Ernte hat am 22. September die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, informiert.
Klöckner war zum Start der Weinlese im Julius-Kühn-Institut in Siebeldingen und arbeitete im Weinberg tatkräftig mit.
Bei dem folgenden Pressegespräch war von Julia Klöckner Folgendes zu erfahren: „Hinter den Winzern liegen schwierige Wochen.
Die Entwicklung der Mostgewichte war zuletzt zwar positiv. Doch die Witterung des gesamten Jahres war für den Weinbau außergewöhnlich ungünstig. Es wird bundesweit mit einer Lese von 8,6 Millionen Hektoliter gerechnet, was leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt.“
Die deutschen Winzer waren zunächst mit positiven Erwartungen in das neue Weinjahr
gestartet: Die vermehrten Niederschläge der ersten Jahreshälfte waren nach den sehr trockenen Vorjahren förderlich für die Entwicklung von Junganlagen mit noch geringer Wurzeltiefe. Die Rebenblüte setzte etwa acht bis zehn Tage später als im langjährigen Durchschnitt ein und fand unter optimalen Witterungsbedingungen statt.
Sommerliche Temperaturen im Juni bei guter Bodenwasserversorgung führten zu einem starken Wachstum der Reben, so dass hoher Arbeitsbedarf in den Weinbergen für das Aufbinden der Triebe und später den Laubschnitt entstand. Aufgrund der Verzögerungen zu Beginn der Vegetationsphase wurde frühzeitig klar, dass es in diesem Jahr, anders als in den Vorjahren, keinen frühen Lesebeginn geben wird.
Wegen der sehr feuchten Witterung war der Infektionsdruck und der Pilzbefall in den Weinbergen enorm hoch. In einigen Regionen und für bestimmte Rebsorten ist daher sogar eine Ernte
vor dem optimalen Reifezeitpunkt notwendig, weil sich die Fäulnis und die Kirschessigfliege stark
ausgebreitet haben.
Die Wetterextreme dieses Jahr haben viele Betriebe stark belastet, hinzu kam die Flutkatastrophe.
Situation im Ahrtal
Am schwersten getroffen von der Flutkatastrophe wurde das Ahrtal im Norden von Rheinland-Pfalz.
Julia Klöckner: „Ich kann die Winzer nur ermutigen, nicht aufzugeben. Die Rotweine der Ahr zählen zu den Besten der Welt. Wir helfen dabei mit einem Bündel an Maßnahmen. Ich habe mich unmittelbar nach der Flut etwa dafür eingesetzt, dass Pflanzenschutzmittel per Hubschrauber ausgebracht werden konnten, um die Traubenernte zu retten.
Es bestand aufgrund der Nässe und gerade zu diesem Reifezeitpunkt ein hoher Pilzdruck. Zudem haben wir mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank Liquiditätsprogramme auf den Weg gebracht, sodass der Wiederaufbau zu einem „symbolischen“ Zinssatz von 0,01 Prozent finanziert werden kann.
Aus dem Wiederaufbaufonds stehen insgesamt 30 Milliarden Euro für die Flutgebiete zur Verfügung. Wo es geht müssen wir jetzt nach so einer Katastrophe schnell und pragmatisch helfen.“
65 der 68 Weinbaubetriebe im Ahrtal sind betroffen, der Gesamtschaden beträgt geschätzte 160 Millionen Euro.
Bei der Lese an der Ahr wird es in diesem Jahr zu drastischen Einschnitten kommen. Von den
insgesamt rund 560 Hektar Rebfläche sind nach Schätzungen fünf bis zehn Prozent komplett zerstört und fünf bis 15 Prozent beschädigt. Selbst wenn diese Lagen neu bepflanzt werden, fällt die Ernte mehrere Jahre aus. Eine drängende Herausforderung ist zudem, eine Lösung für die Verarbeitung und Lagerung des neuen Jahrgangs zu finden. Hier gibt es viele Hilfsangebote aus den benachbarten Anbauregionen, jedoch stellt die zerstörte Infrastruktur im Ahrtal ein zusätzliches logistisches Problem dar.
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